Spektakuläre Effekte

23. Oktober 2016 08:21; Akt: 23.10.2016 08:21 Print

«Doctor Strange» ist ein visuelles Feuerwerk

von Schimun Krausz - Doktor wer? Doctor Strange. Wie, den kannten Sie bisher nicht? Kein Ding, der beeindruckende neue Marvel-Streifen stellt den Magier gebührlich vor.

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Seine Hände sind sein Kapital. Als Neurochirurg Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) sie sich in einem schweren Autounfall zerbröselt, sucht er verzweifelt nach einem Mittel, die zerstörten Nerven wieder zusammenzusetzen – und so wieder die volle Kontrolle über seine Grabscher zu erhalten. Kollegin und Liebhaberin Christine Palmer (Rachel McAdams) versucht, für ihn da zu sein. Doch der egoistische Arzt behandelt sie schlecht, wie alle Menschen um ihn herum. Als er von einem Wunderheiler im Himalaya erfährt, macht sich Strange dorthin auf und trifft auf die Ancient One (Tilda Swinton) und ihren Schüler Karl Mordo (Chiwetel Ejiofor). Mordo lässt sich von der Ancient One in Magie unterweisen, traut ihr aber nicht über den Weg. Zauberei? Der Geist soll den Körper heilen? Schulmediziner Strange hält zunächst nichts davon, aber wenn er jede Chance auf Genesung ausprobieren will, bleibt ihm nichts anderes übrig, als beim Training mitzumachen. Als die Ancient One ihm einen Teil ihrer unglaublichen Macht demonstriert, will er selbst davon Kosten. Der stoische Bibliothekar Wong (Benedict Wong) ist Grund für viele Lacher im Kinosaal. Die Balance zwischen Witz und Drama gelingt «Doctor Strange» ausgesprochen gut. Nach intensivem Training und Studium der alten Bücher besitzt Strange bald schon Macht, die weit über die Heilung seiner Hände hinaus geht. Und diese braucht er auch, um sich Ancient Ones abtrünnigem Schüler Kaecilius (Mads Mikkelsen) entgegenzustellen. Dieser will die magische Verteidigung der Erde aushebeln und der Dark Dimension Einlass gewähren. Klingt nach Comic-Quatsch – und ist es teilweise auch. Aber immerhin ist «Doctor Strange» eine Comic-Verfilmung. Der Streifen ist der bisher spektakulärste des Marvel Cinematic Universe – die visuellen Effekte, wenn die Magier die Welt um sich herum verbiegen, sind atemberaubend. Die zusammenbrechenden Träume in «Inception» waren schon beeindruckend – aber so was wie hier haben Sie mit ziemlicher Sicherheit noch nicht gesehen. Augen und Hirn kommen jeweils nur schwer mit. Alles bewegt sich und mittendrin bekämpfen sich Protagonisten und Antagonisten, während sie gleichzeitig an die Gesetze der Schwerkraft gebunden sind. Bis Doctor Strange so selbstsicher auftreten kann wie in dieser Szene, vergeht einige Zeit. Und jede Minute davon ist es wert, gesehen zu werden. Überzeugen Sie sich ab dem 27. Oktober in den Deutschschweizer Kinos selbst davon.

Zum Thema
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Kurz vor dem Start hat «Doctor Strange» einen ähnlichen Stand wie «Guardians Of The Galaxy» vor dessen Release im Sommer 2014: Wer kein erklärter Comic-Fan ist, hat vielleicht mal davon gehört, aber eigentlich keine Ahnung, worum es geht. «Thor», «The Incredible Hulk» und der «Iron Man» hatten dahingehend einen leichteren Stand.

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Der TV-Trailer zu «Doctor Strange». (Quelle: Youtube/Marvel Entertainment)

Der neuste – 14. – Film im zusammenhängenden Kino- und Serien-Universum von Marvel macht einen fantastischen Job darin, die Figur Doctor Strange einem breiten Publikum vorzustellen. Dass der Film wie «Guardians Of The Galaxy» gleich zum Instant-Kult wird, darf bezweifelt werden. Aber wer den Streifen erlebt hat, wird mehr vom titelgebenden Magier sehen wollen. 20 Minuten verrät, warum:

Die Figuren
Benedict Cumberbatch spielt Stephen Strange, Pardon: Dr. Stephen Strange – darauf besteht er nämlich, weil sich der renommierte Neurochirurg durch seinen Job definiert und dadurch mit seinem Umfeld äusserst arrogant umspringt. Dabei lässt der englische Schauspieler immer wieder Züge seiner «Sherlock»-Rolle durchschimmern, mit der er seinen internationalen Durchbruch feierte.

Tilda Swinton ist die Ancient One, eine mächtige Magierin, die seit Jahrhunderten lebt und ihr Wissen an ausgewählte Schüler weitergibt. Im Comic ist der Ancient One übrigens ein Mann; Swintons androgyne Art zeigt, dass das Geschlecht dieses Charakters keine Rolle für die Handlung spielt.

Mads Mikkelsen mimt Kaecilius, einen abtrünnigen Schüler von der Ancient One. Der Däne, der schon in «Casino Royale» den Antagonisten spielte, verleiht seiner Figur die richtige Prise Menschlichkeit, damit man seine Motive nicht pauschal als nieder abtut.

In weiteren Rollen sind Chiwetel Ejiofor als undurchsichtiger Zauberschüler Karl Mordo, Rachel McAdams als Stranges Arztkollegin, Freundin und Verbindung zu seinem alten Leben Christine Palmer und Benedict Wong als überraschend witziger Magie-Bibliothekar Wong zu sehen. Der ganze Cast vermag zu überzeugen.


Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch auf dem roten Teppich der Weltpremiere von «Doctor Strange» am Donnerstagabend in Hollywood. (Quelle: Youtube/Marvel Entertainment)

Die Story
Bei einem schweren Unfall zerdeppert sich Strange seine Hände und kann fortan nicht mehr als Chirurg arbeiten. Auf der Suche nach einem Heilmittel verschlägt es ihn in den Himalaya zur Ancient One, die ihm beibringen könnte, wie man mit seinem Geist seinen Körper wiederherstellt. Strange, ganz Wissenschaftler, glaubt nicht an diesen «Humbug» – und wird nicht nur eines Besseren belehrt, sondern schliesst sich den Magiern auch im Kampf gegen Kaecilius und die dunklen Mächte an.

Die Handlung bringt Stranges Entwicklung vom Arzt zum Zauberer, die komplexe Welt der Magier und die Bedrohung durch die sogenannte Dark Dimension erfolgreich und glaubwürdig unter einen Hut (wahrscheinlich einen Zylinder mit doppeltem Boden) – und der Film bleibt dabei unter der magischen Überlänge-Grenze von zwei Stunden. Viele andere Marvel-Streifen schaffen dieses Kunststück nicht. Lediglich Stranges Kräfte entwickeln sich ein wenig schneller, als man es mitbekommt.

Der Humor
Marvel-Filme zeichnen sich durch ihren Witz und eine gewisse Selbstironie aus – «Doctor Strange» macht da keine Ausnahme. Der Humor in Regisseur Scott Derricksons Film ist gar noch cleverer, Cumberbatchs trockene Art funktioniert und färbt auf seine Schauspielkollegen ab.

Die Effekte
«Guardians Of The Galaxy» ist eine Sci-Fi-Wucht und auch die restlichen Filme des Marvel Cinematic Universe geben sich in Sachen Spezialeffekte keine Blösse. «Doctor Strange» aber hievt die visuelle Präsentation auf ein neues Level.

Die Zaubereffekte sind beeindruckend und wenn die Magier in Parallel-Dimensionen beginnen, die Welt zu verbiegen, auseinanderzunehmen und neu zu arrangieren, ist das nicht weniger als atemberaubend. Stellen Sie sich die zusammenbrechenden Träume in «Inception», den Helikopter-Absturz in «The Matrix» und das Hogwarts-Treppenhaus in «Harry Potter» vor, kombinieren all das und dann haben Sie eine ungefähre Vorstellung von dem, was Sie im neusten Marvel-Film erwartet.


Der Trailer zu «Doctor Strange». (Quelle: Youtube/Marvel Entertainment)

Das Fazit
«Doctor Strange» ist anders als die meisten Marvel-Streifen. Die Titelfigur ist kein Superheld, die esoterische Ebene unverbraucht sowie interessant gestaltet und der Endkampf fällt erfrischend unkonventionell aus. Für diesen Mut gebührt den Marvel Studios Lob und man darf schon gespannt sein, wie Doctor Strange 2018 im Ensemble-Movie «Infinity War» bei den Avengers eingegliedert wird.

«Doctor Strange» läuft am 27. Oktober in den Deutschschweizer Kinos an.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • SonjaA am 23.10.2016 09:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Muss ich sehen

    Muss wirklich ein Actionfilm sein, der sehenswert ist! Freue mich darauf, Kino mit Popcorn und Freund, was gibt es schöneres! Oder sollte es Freund und Popcorn heissen..;)

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  • Matthias am 23.10.2016 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Der Film...

    ... ist wirklich strange!

  • Xiaomi78 am 23.10.2016 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mal schauen...

    Ich find B.Cumberbatch ein toller,begabter Schauspieler und kenn Doctor Strange als Comic aber der Trailer schaut ein wenig nach "Inception"aus.Werd ihn sicher schauen gehn aber freu mich mehr auf den zweiten Teil von "Guardians of the Galaxy" vorrallem wegem dem Humor und der Soundtrack macht einfach gute Laune :)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Astra am 01.11.2016 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Meisterwerk!

    Der Film ist lustig, spannend und genial! Einfach nur WOW.....

  • M. R. am 24.10.2016 09:18 Report Diesen Beitrag melden

    Doctor Strange

    Ich freu mich riesig auf den Film. Die Comics sind toll. Doctor Strange ist definitiv mein Favorit unter den Marvel Helden. Ich werde den Film nächste Woche sehen.

  • Heinz am 24.10.2016 07:33 Report Diesen Beitrag melden

    Dr. Strange

    Ich konnte damals schon nichts mit dem Comic anfangen. Dr. Strange war und ist für mich kein Superheld. Trotzdem bin ich auf den Film gespannt. Bei Guardians of the Galaxy wusste ich zu Beginn auch nicht, worum es eigentlich geht und finde den Film noch jetzt echt klasse. Das hat mir gezeigt, dass ich nicht vorschnell urteilen sollte ^^

  • übersättigt am 23.10.2016 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    Zu viel für mich

    In den letzten Jahren kamen für meinen Geschmack einfach zu viele Marvel & DC Comics Verfilmungen. Der Superheldenfilme-Boom ist vergleichbar mit den Westernfilme-Boom damals. Irgendwann hat man es gesehen. Ein neuer Held, ein Bösewicht, ein bisschen Drama, coole Aktion und der Held gewinnt am Schluss. Mit dem Hintergedanken, das dann für jeden Heldenfilm mindestens ein Teil 2 geplant ist evtl. noch mit anderen Helden zusammen macht das ganze nicht spannender. Anstatt eine abgeschlossene Handlung enden die Filme nur noch mit einem kleinen Vorgeschmack, dass es weiter gehen kann.

    • Xiaomi78 am 23.10.2016 16:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @übersättigt

      Ich gebe Ihnen teilweise Recht.Die einzigen Comic Verfilmungen wo mir persoehnlich Freude beschearrte,die letzten paar Jahren war GOTG,Antman.Warum?Weil Sie lustig,unterhaltsam sind mit subtilem Humor und doch das "Hero" Klische vertreten.

    • Bolly am 24.10.2016 10:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @übersättigt

      Ich sehe das anders, man muss ja nicht alle sehen. Den schaue ich mir bestimmt an. Alleine schon wegen B. C. Und wenn man ein gewisses Alter hat, dann hat man nicht (mehr) ewig Zeit.

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  • Xiaomi78 am 23.10.2016 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mal schauen...

    Ich find B.Cumberbatch ein toller,begabter Schauspieler und kenn Doctor Strange als Comic aber der Trailer schaut ein wenig nach "Inception"aus.Werd ihn sicher schauen gehn aber freu mich mehr auf den zweiten Teil von "Guardians of the Galaxy" vorrallem wegem dem Humor und der Soundtrack macht einfach gute Laune :)