Marvel-Heldin spricht Klartext

26. Juli 2018 17:33; Akt: 26.07.2018 17:33 Print

«MeToo zeigte mir, dass ich eine Sexistin bin»

Evangeline Lilly spielt in «Ant-Man and the Wasp» die erste gleichberechtigte Marvel-Titelheldin. Sie selbst hadert noch mit der Selbstermächtigung.

Der neuste Marvel-Film ist der erste, der eine weibliche Superheldin im Titel nennt. Im Interview in Paris hat Wasp-Darstellerin Evangeline Lilly über die Tücken in Gleichberechtigungsfragen und erste Fortschritte in Hollywood gesprochen. (Trailer: Walt Disney Studios)
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Fehler gesehen?

Evangeline, deine Figur Wasp ist stark, sexy und mutig. So wie du?
Ich versuche mutig zu sein. Wie sehr man es wirklich ist, weiss man ja immer erst, wenn man in Situationen gerät, die tatsächlich Mut erfordern. Bisher ist mir gottlob nichts ernsthaft Schlimmes passiert. Beim Thema Sexy-Sein habe ich sehr gemischte Gefühle.

Umfrage
Freust du dich auf Wasp als Titelheldin?

Inwiefern?
Ich bin mit dem Verständnis aufgewachsen, dass ich nicht sexy sein und gleichzeitig respektiert werden kann. Schön ist okay, attraktiv und süss auch. Zu sagen, ich will sexy sein, fällt mir bis heute schwer.

Das ist traurig.
Ja, ist es. Es ist mir peinlich, das zuzugeben, aber ich bin eine Sexistin.

Was bringt dich auf die Idee?
Ich habe mir diese Werte von früh auf einverleibt. Ich dachte, wenn ich cool sein will, muss ich ein Tomboy sein, stark, ein bisschen rau. Ja nicht hübsch oder girly, weil das in den Augen von Männern langweilig ist. Genau wie Rom-Coms und Gefühle. Natürlich ist das Bullshit, aber erst die Weinstein-Affäre konfrontierte mich damit, dass ich diesen Bullshit in mir trage.

Wasp zeigt jetzt ja aber ein anderes Bild. Das sollte doch eine gute Richtung sein, oder?
Ja, ich bin stolz, dass es mir – glaube ich – gelungen ist, die Figur stark und gleichzeitig sexy darzustellen. Aber ich hinterfrage trotzdem, ob uns diese Richtung wirklich vorwärtsbringt.

Was wäre die richtige Richtung?
Sollen wir uns zensieren oder komplett öffnen? Ich weiss es nicht, und das ist der Punkt: Niemand weiss es. Ich glaube, der wichtigste Schritt wäre es, gnädiger mit dem Feminismus zu sein. Es wird so schnell kritisiert und an Fehlern herumgemäkelt. Aber wir versuchen hier eine neue Welt zu erschaffen, natürlich kennen wir den Weg dahin nicht. Und natürlich werden Fehler passieren.

Glaubst du denn, es tut sich etwas in Hollywood?
Ja, aufrichtig. Während der 14 Jahre, die ich in der Branche arbeite, sass ich kein einziges Mal einer weiblichen Regie gegenüber. Als ich das letzte Mal in L.A. war, habe ich mich mit vier Regisseurinnen getroffen. Das ist eine ziemlich grossartige Statistik für so eine junge Bewegung.

Wer macht das möglich?
Unerschrockene, intelligente Frauen im Hintergrund, die sehr fokussiert und praktisch denken und sich nicht um einen Social-Media-Hype scheren. MeToo ist kein Eitelkeitsprojekt, der Aufwand ist sehr viel grösser und formaler. America Ferrera, Brie Larson oder Rashida Jones sind unter den Schauspielerinnen federführend, aber es sind eben auch Autorinnen, Produzentinnen, Agentinnen und Politikerinnen bis nach Washington involviert.

Bereust du rückblickend, immer den Tomboy gespielt zu haben?
Nein. Weil ich auch gemerkt habe, dass ein Wandel nur möglich ist, wenn du Teil des Clubs bist. Und um Teil davon zu werden, musst du nach dessen Regeln spielen. Das Problem ist, dass wir uns weisgemacht haben, dass es reicht, diese männlichen Werte zu verkörpern, um Selbstermächtigung und Gleichberechtigung zu erreichen. Aber das ist erst Schritt eins.

Was kommt danach?
Jetzt geht es darum, die mächtigen Männer zu überzeugen, dass unsere Perspektive nicht langweilig und wertlos ist, sondern einzigartig und durchaus relevant. Dass es ein Publikum gibt, das diese Geschichten hören und sehen möchte.

«Ant-Man and the Wasp» läuft aktuell im Kino.

(mel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eine Frau am 26.07.2018 18:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin in dem Falle

    auch Sexistisch. Sorry, aber als Frau ist mir es egal ob der Darsteller eine Frau oder ein Mann ist - Hauptsache Storyline stimmt. Ich liebe Harry Potter und finde sowohl Hermine als auch Ron einfach cool in ihrer Art - Fantastic Beats 2 wird im Kino geschaut, Trailer gibt Gänsehaut :) (J.K hatte sehr viel zu sagen bei jeder Verfilmung, sie wollte Englische Schauspieler) Hidden Figures ist ein klasse Film nach wahren Begebenheiten - Hauptrollen mit Afroamerikanerinnen besetzt. Aber ich mag auch Filme wie z.B Deadpool, der trifft genau mein Humor :D Und Marvel ist nicht das Mass aller Dinge :D Nehmen wir den erfolgreichsten Anime Film der Welt: Kimi no na wa (Your Name), auch da ist der Junge Taki und das Mädchen Mitsuha gleichberechtigt :) Es gibt viele Erfolgreiche Filme wo dies der Fall ist. Battle Royale Nachmache Tribute von Panem ist das doch auch so, und der hatte erfolg - kam ja auch aus Hollywood. Harley Quinn mögen auch mega viele und denke mal die ist mehr als stark und gleichberechtigt - jaja, kein Marvel Universum, aber Hollywood. Schauen wir doch einfach Filme die uns gefallen, egal ob Mann oder Frau in der Hauptrolle zu sehen ist. DAS wäre doch Gleichberechtigung, oder nicht?

  • Roland S. am 26.07.2018 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    Hört mit dem gendern auf

    Man sollte aufhören, immer alles in Männer und Frauen aufzuteilen. Supergirl war ein tolles Produkt aus Frauenhand, während Star Wars gründlich abgestürzt ist.

  • Scilla am 26.07.2018 18:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir werden sehen

    Naja, mal schauen. Kate von Lost konnt ich jedenfalls nicht ausstehn.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Madrid am 26.07.2018 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fan

    Eine der schönsten Frauen auf der Welt:-)

  • unicorn am 26.07.2018 19:08 Report Diesen Beitrag melden

    wie, wo, wann

    Wieso sollte eine frau in ihrem leben nicht sexy sein UND ernst genommen werden können?! Kommt immer auf das wie, wo und wann darauf an. Im job seriös gekleidet und angepasst, aber im ausgang auch mal mit hübschem kleid und hohen schuhen. Hauptsache man ist bei jeder gelegenheit selbstbewusst und weiss wie man sich geben will/muss, dann geht alles.

  • Puppi am 26.07.2018 19:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sex only if she really really wants!

    Wir brauchen nicht sexy zu sein für die Männer, das ist definitiv der falsche Weg!

  • Roland S. am 26.07.2018 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    Hört mit dem gendern auf

    Man sollte aufhören, immer alles in Männer und Frauen aufzuteilen. Supergirl war ein tolles Produkt aus Frauenhand, während Star Wars gründlich abgestürzt ist.

  • Scilla am 26.07.2018 18:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir werden sehen

    Naja, mal schauen. Kate von Lost konnt ich jedenfalls nicht ausstehn.

    • Rolf stalder am 26.07.2018 18:22 Report Diesen Beitrag melden

      Was werden wir sehen?

      Sie verwechseln Schauspieler mit fiktiven Figuren - mal überlegen, wieviel das Sinn macht?

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