«The Adjustment Bureau»

08. März 2011 14:13; Akt: 08.03.2011 16:05 Print

«Mindfucking» mit Milchbubi und Medusa

Mit dem romantischen Thriller «The Adjustment Bureau» startet nach «Inception», «Shutter Island» und der «Bourne»-Trilogie der nächste Paranoia-Film in unseren Kinos.

Der Filmtrailer. Quelle: YouTube
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Der ehrgeizige New Yorker Politiker David Norris verliebt sich nach seiner überraschenden Wahlniederlage in die Tänzerin Elise, die ihm Mut zuspricht - und verliert sie gleich wieder aus den Augen. Als er sie scheinbar zufällig im Bus wiedersieht und ein Rendezvous verabredet, geraten die unscheinbaren Anzugträger, die ihn beschatten, in gelinde Panik.

Was dann passiert, soll nicht verraten werden: Auch David darf ja nicht verraten, was er nach seiner ausserplanmässigen Ankunft im Büro entdeckt. Denn sonst würde er unverzüglich in die Irrenanstalt gesteckt. Fortan verläuft die Handlung im Stil jenes Witzes, nach dem ein Autofahrer im Radio die Warnung vor einem Geisterfahrer hört und darauf sagt: «Einer? Hunderte!»

Menschlicher Eigensinn contra himmlische Planwirtschaft

Es handelt sich hier also nicht nur um eine jener Megaverschwörungen mit angeschlossener Identitätskrise, wie sie Hauptdarsteller Matt Damon etwa in den «Bourne»-Thrillern und zurzeit auch Liam Neeson in «Unknown» meistern muss.

Regisseur George Nolfi, der bereits die Drehbücher zu «Ocean's Twelve» und «Bourne Ultimatum» verfasste, dreht die Schraube noch ein wenig fester. Die Anzugträger mit Hut - auf dieses Detail sollte man achten - sind Agenten im Dienste einer höheren Macht. Sie setzen alle Hebel in Bewegung, um zu verhindern, dass David Elise wiedertrifft. Doch der versucht, seinem vorherbestimmten Schicksal ein Schnippchen zu schlagen.

Für Paranoiker und alle, die es werden wollen, bietet dieser verspielte Romantik-Thriller ein ausgefeiltes Wahnsystem, das um die Frage kreist, was die Welt im Innersten zusammenhält. Als Vorlage diente eine Kurzgeschichte von Sci-Fi-Kultautor Philip K. Dick, der unter anderem auch «Blade Runner» und «Minority Report» inspirierte.

Elegante existentialistische Liebesgeschichte

Als Überbau dient eine metaphysische «Regulierungsbehörde» (»Adjustment Bureau»), deren Beamten auch mal schlampen und Gefühle zeigen. Visuell wirkt dieses «Mindfucking»-Abenteuer, fast ohne Special Effects gedreht, eleganter als etwa der pompöse Erfolgsthriller «Inception». So versucht David bei einem Parcours durch New Yorker Sehenswürdigkeiten seinen Kontrolleuren zu entwischen, indem er von einem Hintertürchen zum nächsten nahtlos zwischen den Welten wandelt. Grossartig ist die hyperreale Behördenarchitektur mit ihren Escher-Treppenspiralen und endlosen holzgetäfelten Bibliotheken.

Sehenswert ist erneut die brünette Britin Emily Blunt, die mit ihren Medusenaugen den Kurs des Helden neu bestimmt. Ein weiterer Hingucker ist Anthony Mackie als Davids melancholischer «Controller», der sich mit dem administrativen Hardliner - Altstar Terence Stamp - anlegt. Starpower und stilsichere Inszenierung lassen fast vergessen, dass die Handlung Logiklücken aufweist und auch psychologisch viel zu wünschen übrig lässt. Doch als existentialistische Liebesgeschichte ist «The Adjustment Bureau» dennoch zielführend.


Ein Film-Featurette. Quelle: YouTube

(sda)