Colin Firth

20. Februar 2011 22:46; Akt: 20.02.2011 23:47 Print

«Und dann lebte sie noch 30 Jahre!»

von Ward Verroecken - In «The King’s Speech» spielt Colin Firth den stotternden König George VI. Im Interview verrät Firth, wie er mit dieser Herausforderung umgeht.

«The King’s Speech» startet am 17. Februar 2011 in den Deutschschweizer Kinos.
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«The King’s Speech» beruht auf wahren Begebenheiten. Kannten Sie die Geschichte des stotternden Königs (Video) schon vor den Dreharbeiten (Video)?
Colin Firth: Ich wusste fast gar nichts über ihn. Ich verfolge das Tun der königlichen Familie nicht wirklich und hatte kein spezielles Interesse an dieser Zeit. Aber die Geschichte dieses Mannes empfinde ich als absolut fesselnd, auch seinen Widerwillen gegen seine Position. Ein unwilliger Anführer oder jemand, dessen grösste Ängste gewissermassen in Vorzüge umgewandelt werden, hat etwas Archetypisches. Die Geschichte ist sehr gut aufgebaut und fast romantisch. Im Zentrum steht eine Freundschaft. Dank meiner Eltern kannte ich einige Details. Meine Mutter erzählte mir von dem stotternden König und drückte ihre Bewunderung dafür aus, dass er seine Aufgabe mit Würde ausführte. Ich wusste auch, wie jung er bei seinem Tod war und dass dann seine Frau Elizabeth Königin wurde. An diesen Teil der Geschichte erinnere ich mich.


Wurde die echte Elizabeth, uns bekannt als Queen Mum, je in diesem Zusammenhang kontaktiert?
Ja, das wurde sie. Bevor David Seidler das Skript verfasste, schrieb er vor vielen Jahren an die Queen Mum. Er bat um ihre Zustimmung, diesen Film zu machen. Aber sie bat darum, diesen Film nicht zu ihren Lebenszeiten zu realisieren, da ihre Erinnerungen an die Ereignisse noch zu schmerzhaft seien. Und dann lebte sie noch für weitere 30 Jahre! Aber er hielt sein Wort. Ihre Antwort erzählt auch eine Geschichte, denn offenbar war es äusserst schwierig damit umzugehen.


Sie erhielten für diese Rolle (Video) bereits einen Golden Globe, den BAFTA und den SAG Award. Sehen Sie sich auf dem Höhepunkt Ihrer Karriere?
Ich bekomme die besten Möglichkeiten. Vielleicht liegt das an meinem Alter. Meine Rollen haben echte Tiefe, da sie eine Vergangenheit haben. Sie leben bereits ein halbes Jahrhundert und gehen damit um. Trotzdem sind sie noch nicht zu alt, um eine Zukunft zu haben. Ich spiele keinen der 103 Jahre alt ist. Interessanterweise haben beide Figuren («King’s Speech», «A Single Man») etwas gemeinsam. Es ist spannend zu sehen, dass jemand in der Hälfte seines Lebens erkennen kann, dass es nicht immer so weitergehen muss oder dass es vorbei ist.


Sie gelten auch als der grosse Oscar-Favorit. Sind solche Preise für Sie persönlich von Bedeutung?
Das ist abhängig davon, wie man wichtig definiert. Sicher, die Vorstellung, einen grossen, glänzenden Preis zu erhalten bringt das Kind in einem hervor, das belohnt werden möchte. Dass der Preis von Leuten aus dem Business kommt, kann einem nicht gleichgültig sein. Man hat immer einen Teil in sich, der die Verletzungen früherer Tadel spürt.
Ist Ihnen das je passiert?
Nicht jedem gefällt was man tut, das ist in 30 Jahren unvermeidbar. Manchmal lag der Fehler bei mir oder das Ganze funktionierte einfach nicht. Teilweise stimmten die Honorierungen auch nicht mit den eigenen Anstrengungen überein. Wenn Menschen einen für die eigene Anstrengung loben wollen, ist das natürlich unwiderstehlich. Wenn man mich fragt, ob es auch wichtig sei, sage ich möglicherweise. Aber es kann nie wichtiger sein als der Grund aus dem man etwas tut. Sonst entwickelt sich das zu einer Schwäche.