Kinostarts der Woche

24. April 2019 14:00; Akt: 24.04.2019 14:00 Print

Auch Superhelden sind mal ratlos

von Mohan Mani - Nebst «Avengers: Endgame» gibts ab Donnerstag Julianne Moore als «Gloria Bell» und das mexikanische Drama «Nuestro tiempo».

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Wie oft kommt es im Genre der Action-Comics vor, dass ein Bösewicht einen so durchschlagenden Triumph feiert wie Thanos in «Avengers: Infinity War»? So lösten sich bei Filmschluss ein Grossteil aller beteiligten Superhelden und Geschöpfe im Universum auf. Der Bösewicht triumphiert. Die Helden verlieren. Mancher Fan hasste dieses Finale, steigerte es doch die Spannung auf die Fortsetzung ins Unermessliche. Ein kleiner Hoffnungsschimmer kam in einer zusätzlichen Szene im Titelabspann, die den Weg für Captain Marvel (Brie Larson) ebnete, die mittlerweile selbst in ihrem eigenen Kinofilm erfolgreich für Recht und Ordnung sorgt … und nun zur Wonder Woman, äh Retterin in der Not wird.

Cineastische Geldmaschine

Ohne zuviel zu verraten: «Avengers: Endgame» ist nicht einfach eine simple Fortsetzung von «Infinity War». Vielmehr versuchen die beiden langjährigen Marvel-Regisseure Anthony und Joe Russo, die Fortsetzung inhaltlich und formal von Teil Eins abzuheben. Dies gelingt mal besser, mal schlechter und wird den Fans gefallen. Angesichts sinkender Kinoumsätze ist dies um so wichtiger, zumal es just solche Event-Movies sind, welche nach haufenweise kommerzieller Enttäuschungen wieder die Kinosäle füllen – drei Stunden Laufzeit hin oder her. Und wenn sich alle «Infinity War»-Gucker nun ins «Endgame» vorwagen, dann ist auch dieses 22. Marvel-Opus eine cineastische Geldmaschine – für Marvel, für Disney (inklusive neue Streaming-Plattform) und fürs breite Kinovolk, das sich schon jetzt auf die nächste Phase des Marvel Cinematic Universe freut.

«Gloria Bell»: Dirty Dancing mit Julianne Moore

Weil es nicht eben einfach isst, als freigeistige, geschiedene Mittfünfzigerin einen neuen Lebenspartner zu finden, flirtet die Bürofrau Gloria (Julianne Moore) nachts auf Single-Parties und macht auch mal den Dancefloor unsicher. Als sie eines Abends Arnold (John Turturro) trifft, ist es Liebe auf den ersten Blick. Was als leidenschaftliche Romanze beginnt, wird für Gloria immer mehr zur emotionalen Achterbahnfahrt …

Ideal für die nächste Ladies Night

Der chilenische Regisseur Sebastián Lelio («Una mujer fantástica») verfilmte das US-Remake seines gekonnten Beziehungsdramas «Gloria» gleich selbst … und mit Julianne Moore in der weiblichen Hauptrolle, wie sie ihre Fans lieben. Inhaltliche Veränderungen gibt’s keine, aber statt Umberto Tozzi wird der Song-Oldie «Gloria» nun von Laura Brannigan gesungen. Fazit: Filmisch zwar kein grosser Wurf, aber beste Unterhaltung für die nächste Ladies Night.

Heimliche Affäre in «Nuestro tiempo»

Juan (Carlos Reygadas) und Ester (Natalia López) züchten in der weiten Landschaft Mexikos Kampfstiere. Das Ehepaar lebt mit seinen Kindern in perfekter Harmonie, bis Esther eine Affäre mit dem Pferdeflüsterer Phil (Phil Burgers) eingeht und diese vor Juan verheimlicht. Und da Juan und Ester eine offene Beziehung führen, in der man sich alles sagt, wird die heimliche Liaison zum möglichen Stolpertein.

Starke Bilder, besitzergreifende Liebe

Satte drei Stunden nimmt sich der Hauptdarsteller und Regisseur Carlos Reygadas Zeit, um sein Beziehungsdrama vor Augen zu führen. Das Ausharren lohnt sich nur schon wegen der prächtigen Bilder und starken Figuren – allen voran Reygadas selbst als zunehmend eifersüchtiger Ehemann, der Liebe immer mehr mit Besitz verwechselt.

Mehr Kino-Infos und Sternli-Bewertung in der «20 Minuten»-Printausgabe vom Donnerstag.