Nach Missbrauchsvorwürfen

07. März 2020 06:43; Akt: 07.03.2020 10:53 Print

Biografie von Woody Allen wird nicht veröffentlicht

Der Verlag Hachette verzichtet auf die Veröffentlichung der Autobiografie von Woody Allen. Das Werk war wegen Missbrauchsvorwürfen gegen den US-Filmemacher umstritten.

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Woody Allen (84) gehört zu den erfolgreichsten Regisseuren unserer Zeit. Doch seit längerem überschatten Anschuldigungen sein Schaffen. Seine Adoptivtochter Dylan Farrow (28), hier auf einem Bild aus dem Jahr 1988, wirft ihm seit Jahren vor, sie als Kind sexuell missbraucht zu haben. Beweise für den Missbrauch konnten nie erbracht werden, Dylan Farrows Hilferufe wurden nie wirklich gehört. Nun, im Kontext der #MeToo-Bewegung, wird sie ernst (beziehungsweise ernster) genommen. Natalie Portman (36) brachte mit ihrer Aussage in einem Interview den Stein ins Rollen, als sie sagte: «Ich glaube dir, Dylan.» Als Schauspielerin (50) von Dylan Farrows Fall hörte, entschuldigte sie sich öffentlich in einem Interview mit «The New Yorker».« Ich muss zugeben, dass ich eine junge, naive Schauspielerin war, als ich mich entschied, mit Woody Allen zu arbeiten», sagt sie. Ihre Entschuldigung: «Ich habe nicht über den Tellerrand hinausgeschaut. Es tut mir schrecklich leid!» Einen Schritt weiter geht (22), der in Woody Allens neuem Streifen «A Rainy Day In New York» mitspielt. Er spendet seine ganze Gage an Organisationen, die sich gegen sexuelle Gewalt an Frauen einsetzen. Auf Instagram schreibt er: «Aus vertraglichen Gründen kann ich nicht alles sagen. Nur so viel: Ich will nicht von diesem Film profitieren.» (34) wirkte in Allens Film «To Rome With Love» (2012) mit. Heute bereut sie die Rolle. «Hätte ich damals gewusst, was ich heute weiss, hätte ich niemals zugesagt», sagt sie der «New York Times». Sie fügt an, dass sie seither nie mehr mit Woody Allen gearbeitet habe und das auch nie mehr tun werde. (35) arbeitete mehrmals mit Woody Allen zusammen. Sie spielte eine Hauptrolle in «Vicky Cristina Barcelona» (2008) und ist auch Teil des Casts von «A Rainy Day In New York». «Woody gab mir meine ersten wichtigen Filmrollen, dafür bin ich ihm dankbar», schreibt Hall auf Instagram. Doch die Statements von Dylan Farrow hätten ihr die Augen geöffnet. «Ich bereue meine Entscheidungen, es tut mir leid», lässt Hall verlauten. Auch sie spendet ihre gesamte Film-Gage an die «Time's Up»-Bewegung. «In Woody Allens Film ‹To Rome With Love› mitzuspielen, war mein grösster Fehler, ich schäme mich dafür», schreibt (30) auf Facebook. Sie hätte lange nicht zu ihrer Stimme gefunden, weil man zu einem Woody-Allen-Film ja nicht nein sagen könne. Heute wisse sie: «Ich habe die falsche Entscheidung getroffen, es war ein schrecklicher Fehler.» «Ich muss das einfach loswerden: Ich habe mit Woody gearbeitet und weiss, dass er schuldig ist», schreibt Griffin Newman (28), der ebenfalls in «A Rainy Day In New York» mitspielt, auf Twitter. Warum hat er die Rolle überhaupt angenommen?« Meine Eltern waren so stolz, dass ich mit Woody Allen arbeite», sagt er. Seine Gage spendete Newman an die Organisation RAINN, die sich gegen Vergewaltigung und Missbrauch einsetzt.

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Die wegen der Missbrauchsvorwürfe gegen Woody Allen umstrittene Autobiografie des US-Filmemachers erscheint nun doch nicht. Die Entscheidung sei nicht einfach gewesen, teilte eine Sprecherin des Verlags Hachette am Freitag mit. Nach «intensiven Gesprächen» in den vergangenen Tagen sei aber schliesslich beschlossen worden, das Werk nicht wie geplant am 7. April auf den Markt zu bringen. Allen werde die Rechte an «Apropos of Nothing» zurückerhalten.

Am Donnerstag hatten dutzende Angestellte von Grand Central Publishing, das zu Hachette gehört und die Autobiografie auf den Markt bringen wollte, gegen die geplante Veröffentlichung demonstriert. Dylan Farrow, die nach eigenen Angaben in den 90er Jahren als Siebenjährige von Allen missbraucht wurde, begrüsste die Entscheidung im Kurzbotschaftendienst Twitter. Sie sei «sehr dankbar», schrieb die 34-Jährige.

Druck von Adoptivsohn

Allens Adoptivsohn Ronan Farrow, der sich schon vor langer Zeit mit dem Regisseur überworfen hat, hatte gedroht, nicht mehr mit Hachette zusammenzuarbeiten. Die Verlagsgruppe hat seinen Bestseller «Catch and Kill» (auf Deutsch: «Durchbruch: Der Weinstein-Skandal, Trump und die Folgen») veröffentlicht.

Farrows Buch basierte auf seinen Recherchen zu den Missbrauchsvorwürfen zahlreicher Frauen gegen den früheren Hollywood-Mogul Harvey Weinstein. Farrow hatte damit einen Beitrag zur Aufklärung des Skandals geführt, der die #MeToo-Bewegung gegen sexuellen Missbrauch ins Rollen gebracht hatte.

Im Zuge der #MeToo-Bewegung war auch Allen erneut mit den Missbrauchsvorwürfen seiner Adoptivtochter Dylan konfrontiert worden. Die Vorwürfe waren in den 90er Jahren in zwei getrennten Verfahren untersucht worden. Allen wurde letztlich nicht angeklagt. Unterstützt von ihrer Mutter, der Schauspielerin Mia Farrow, und ihrem Bruder Ronan bekräftigte Dylan 2018 aber ihre Vorwürfe gegen den Filmemacher, die der mittlerweile 84-Jährige stets zurückwies.

(sda)