Fifa im Kino

23. Mai 2014 07:01; Akt: 23.05.2014 15:10 Print

Blatters Millionen-Movie

In Cannes feierte der Film «United Passions» Premiere. Der Streifen über die Fifa hat rund 30 Millionen Franken gekostet. Der grösste Teil davon stammt aus der Verbandskasse.

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Ungewohnter Besuch auf dem roten Teppich: Am Filmfestival von Cannes schritt Sepp Blatter am 18. Mai wie ein Hollywoodstar zum Eingang. Mit breitem Lächeln stand der Fifa-Boss minutenlang winkend neben Gérard Depardieu. Kein Wunder: Es war die Premiere von «United Passions». Der Streifen feiert die 110-jährige Geschichte der Fédération Internationale de Football Association und das Entstehen der Fussball-Weltmeisterschaft.

Darauf ist der Fifa-Boss stolz. Und das lässt er sich etwas kosten. Wie die «Handelszeitung» berichtet, bestritt die Fifa 24 Millionen Franken der Produktionskosten. Sie betragen laut britischen Medienberichten insgesamt 30 Millionen Franken. Eine offizielle Bestätigung des Betrages gibt es von der Fifa nicht. Nur so viel: Zum 100-Jährigen Jubiläum sei man mit dem Konzept auf die Fifa zugekommen. «Wir sahen es als gute Gelegenheit, der Welt zu zeigen, wie wir den Fussball global entwickelt haben», so ein Sprecher zu 20 Minuten. Man wolle das Investment mit Gewinnen durch den Film wieder hereinholen.

Zum Vergleich: Für Löhne gab die Fifa im Jahr 2013 insgesamt 102 Millionen Dollar aus. Das Entwicklungsprogramm Football for Hope, mit dem armen Kindern über den Fussball eine Perspektive im Leben gegeben werden soll, fördert der Weltfussballverband mit etwa 6 Millionen. Dabei strich Blatter dieses Projekt einmal als enorm wichtig heraus. «Hoffnung ist etwas Schönes, doch nun geht es darum, eine reelle Wirkung zu erzielen. Hierzu gehört die konsequente und sorgfältige Umsetzung dieser Projekte», so der 78-Jährige.

Nicht ganz uneigennützig

Ganz uneigennützig war die Beteiligung Blatters am Film offenbar denn auch nicht. Wie die Zeitung «Daily Mail» berichtet, hat der Fifa-Chef zahlreiche Änderungen am Skript verlangt, nachdem er das Geld für den Streifen gesprochen hatte.

Kritische Szenen über Korruption seien etwa gestrichen worden, stattdessen erhielt der Fifa-Präsident ein paar Auftritte mehr, heisst es. Blatters Rolle übernimmt der britische Charakterdarsteller Tim Roth. Gérard Depardieu spielt im Film von Regisseur Frédéric Auburtin die Hauptrolle des früheren Fifa-Präsidenten und Erfinders der Fussball-WM, Jules Rimet. Auch die Hollywood-Darsteller Sam Neill und der deutsche Schauspieler Thomas Kretschmann haben Rollen in dem Film ergattert.


(laf)