«Rango»

02. März 2011 19:31; Akt: 02.03.2011 19:37 Print

Chamäleon als Held im Wilden Westen

Hollywoods jüngster Animationsplausch ist einerseits eine aberwitzige Westernparodie, anderseits die Neuerfindung eines totgeglaubten Filmgenres.

«Rango» - Kinotrailer.
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Trotz seiner unbestrittenen Talente ist das Chamäleon Rango (US-Stimme: Johnny Depp) weit davon entfernt, der Held zu sein, der er so gern wäre. Der Alltag in seinem Glasterrarium ist öde. Bis Rango wegen einer Strassendelle aus einem Auto geworfen wird und sich erstmals in der Wüsteneinöde bewähren muss. Der Heimatlose strandet in einer geheimnisvollen Stadt im Wilden Westen, die dubiose Figuren an sich gerissen haben. Doch Rango pokert hoch, tötet einen Killer-Falken und wird prompt zum neuen Sheriff erkoren, der schnellstmöglich neue Wasservorräte erschliessen muss.

Frei nach dem Motto «Ay, caramba!» inszenierte der «Pirates of the Caribbean»-Regisseur Gore Verbinski eine gekonnte Hommage an die klassischen Wildwestfilme von John Ford bis Sergio Leone. Viele Gags erinnern auch an die Chevy-Chase-Komödie und «The Magnificent Seven»-Persiflage «Three Amigos!», in der sich drei Schauspieler als Westernhelden beweisen müssen. Anders als erwartet ist «Rango» aber nicht bloss die nächste Gag-Parade in Animationsfilmform. Vielmehr erfindet sich der Streifen immer wieder neu. So erweist der Drehbuchautor John Logan in einer Szene nicht nur dem Gonzo-Journalisten Hunter S. Thompson und in einer anderen Sequenz dem «A Fistful of Dollars»-Star Clint Eastwood die Reverenz, sondern (etwa in der Wasserfrage) auch Roman Polanskis Thriller-Klassiker «Chinatown». Solche inhaltliche und formale Spielereien verpassen «Rango» einen eigenen Charme und viel Spannung, der sich letztlich insbesondere Westernfans nur schwer entziehen können.