«Spanglish»

06. April 2005 14:07; Akt: 07.04.2005 09:31 Print

Culture Clash in Beverly Hills

Eine Mexikanerin heuert bei einer US-Familie als Haushälterin an. Die US-Komödie «Spanglish» beschreibt auf sympathische Weise das Problem des Zusammentreffens verschiedener Kulturen und Wertvorstellungen.

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Es sollen fast 40 Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten sein, die inzwischen «Spanglish» reden, den neuen Sprachendialekt aus der Mischung von Englisch und Spanisch. Und es spricht viel dafür, dass bei dem grossen Einwanderungsdruck aus dem Süden diese Entwicklung noch sehr viel mehr Dynamik gewinnen wird - durchaus mit offenem Ausgang. Da Hollywood in der Stadt liegt, die mehr als jede andere US-Metropole von Latinos geprägt ist, ist die filmische Beschäftigung mit dem Stoff nahe liegend.

Mit dem dreifachen Oscar-Preisträger James L. Brooks präsentiert ein besonders hochkarätiger Filmemacher seine unterhaltsame Sicht auf die Begegnung zweier Kulturen und Sprachen in der Komödie «Spanglish», die ab dem 7. April in die Kinos kommt. Erzählt wird die Geschichte der attraktiven Mexikanerin Flor, die mit ihrer sechsjährigen Tochter Cristina der wirtschaftlichen Misere ihrer Heimat entflieht und Unterkunft im spanischsprachigen Viertel der Riesenstadt Los Angeles findet. Dort kann sich Flor fast wie zu Hause fühlen.

Ihre schnell heranwachsende Tochter allerdings findet sich auch sprachlich in der neuen Heimat zurecht. Dazu ist Flor eine Schönheit, die bei jungen Männern Begehrlichkeiten weckt. Um sich ihrer geliebten Cristina nicht zu entfremden, nimmt sie eine Tätigkeit als Haushälterin im Reichen-Viertel Beverly Hills an. Dort lebt die Familie Clasky: Vater John ist gefeierter Koch und Besitzer eines Edelrestaurants, Mutter Deborah ist eine hyperaktive Frau, die kürzlich ihren Job als Werbedesignerin verloren hat. Den Frust lässt die Blondine sowohl an ihrem Mann, den Kindern Bernice und Georgie wie auch ihrer Mutter Evelyn aus, die mit im Haus lebt.

Die Kunst der niveauvollen Unterhaltung

Flor und Deborah sind ganz unterschiedliche weibliche Geschöpfe, äusserlich wie innerlich. Von diesem Spannungsverhältnis lebt der Film, daraus versucht er mal besser, mal auch etwas bemüht Funken zu schlagen. Mit Adam Sandler ist zwar ein derzeitiger Topstar in der Rolle des Kochs John zu sehen. Aber es sind Paz Vega als Flor und Tea Leoni als Deborah, die den Film dominieren und auch durchaus sehenswert machen. Für die Spanierin Vega ist es der erste Hollywood-Auftritt. In ihrer Heimat ist sie seit 2001 ein Star. Damals zeigte sie ihr Talent und ihre nicht unbeträchtlichen Reize in dem Film «Lucia und der Sex», der auch in der Schweiz Beachtung fand.

Tea Leoni ist schon in etlichen US-Filmen zu sehen gewesen, sie ist die Idealbesetzung für eine emanzipierte Oberschichtfrau. Sowohl Flor wie Deborah haben Temperament, die eine eher in der sanften, die andere in der eher neurotischen Version. Für Sandler bleibt da nicht viel Raum, wenngleich er am Ende dann doch etwas glänzen darf. Regisseur Brooks, der auch das Drehbuch schrieb, beherrscht die Kunst der niveauvollen Unterhaltung ähnlich perfekt wie in seiner Erfolgskomödie «As Good As It Gets» aus dem Jahr 1997.

Auch wenn einige Klischees nicht ausgespart werden und die Figur der Deborah fast schon etwas boshaft überzeichnet wirkt, ist von der ersten Minute an zu sehen, dass da einer sein Handwerk bestens versteht. «Spanglish» macht auf sympathische Weise mit einem Problem bekannt, mit dem auch die meisten europäischen Zuschauer längst konfrontiert sind: Dem Zusammentreffen verschiedener Kulturen und Wertvorstellungen. Oft genug ist das ja auch ein Zusammenstoss, der längst nicht so vergnüglich verläuft wie im Kino und diesem amüsanten Import aus Hollywood.

(ap)