Verzweifelte Imagepflege

04. November 2010 11:53; Akt: 04.11.2010 13:03 Print

Da nützt alles Fassadenklettern nichts

von Oliver Baroni - Da hängt er also höchstpersönlich am höchsten Gebäude der Welt: Tom Cruise. Wie viele andere Hollywoodstars besteht er darauf, seine eigenen Stunts zu drehen. Wieso eigentlich?

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Willkommen am Burdsch Chalifa in Dubai, mit seinen 828 Metern das höchste Gebäude der Welt. Und siehe da! Da hangelt tatsächlich jemand an der Aussenfassade herum! Es ist ... ... kein Geringerer als ... ... Hollywoodstar Tom Cruise ... ... der damit im wahrsten Sinne des Wortes einen Höhepunkt seiner Schauspielkarriere erreicht hat. Es gibt nicht wenige Hollywood-Schauspieler, die - wie Tom Cruise - es vorziehen, ihre Stunts selber zu machen ... In den «Bourne»-Filmen war Matt Damon verpflichtet, die meisten Stunts selbst zu drehen - was er auch ohne mit der Wimper zu zucken tat ... ausser die Wasser-Szenen, denn Damon hat laut Eigenangaben eine panische Angst vor dem Ertrinken. Als er die traditionsreiche Rolle des Superagenten James Bond aufnahm, beschloss Daniel Craig der Figur ein urtümlicheres, härteres Image zu verpassen. Dazu passte, dass er viele der Stunts selbst vollzog. In «Quantum of Solace», etwa, sprang er aus der dritten Stock auf das Dach eines fahrenden Busses. Ohne Double. «Lord of the Rings»-Regisseur Peter Jackson bezeichnete Viggo Mortensen und zwei weitere Stuntmen als «die wandelnden Verwundeten» aufgrund der vielen Verletzungen, die sie bei den Schwertkampfszenen erlitten. Viggo insistierte, die Authentizität seiner Darstellung des Aragorn könne nur erreicht werden, wenn er sämtliche Stunts selbst ausführte. Keanu Reeves wurde verboten, eine der gefährlicheren Stunts in «Speed» selbst auszuüben, nämlich von einem fahrenden Auto auf einen Bus aufzuspringen. Doch Keanu übte heimlich die Szene und vollzog am Drehtag den Stunt bevor der Regisseur eingreifen konnte. Jason Statham liebt es, seine Auto-Stunts selbst zu erledigen. Für «Crank» musste er auf einem Motorrad durch L.A. rasen - nur mit einem Spital-Nachthemd bekleidet. Hätte es einen Unfall gegeben, hätte das nicht nur üble Schürfungen gegeben, sondern auch einiges an Erklärbedarf. Christian Bale: In «Rescue Dawn» hängte er sich von einem Helikopter. Ein Klacks im Vergleich zu «The Machinist», für den er 30 Kilo abspeckte. Selbst in Harrison Fords jüngstem «Indiana Jones»-Film machte er 90% aller Stunts selbst. Nicht schlecht für einen 65-Jährigen! Dass Sylvester Stallone viele Stunts selbst erledigt, liegt auf der Hand. Etwas anderes würden ihm seine Fans kaum verzeihen. In Sachen Gefährlichkeit sind die Stunts aus der Stummfilm-Ära bis heute unerreicht. Die Stars von anno dazumal hatten keine Doubles, zumal sie ... ..., wie der legendäre Buster Keaton in «Steamboat Bill Junior», gleichzeitig Drehbuchautoren und Regisseure waren. Den Fassaden-Stunt in «Safety Last» - und etliche weitere - überlebte Harold Lloyd wie durch ein Wunder. Er starb schliesslich 1971 im Alter von 77 Jahren an Prostatakrebs. Wohl der Einzige, der es mit den Stummfilm-Stars aufnehmen kann ist Jackie Chan – die Legende unter den Action-Schauspielern. In seiner Karriere hat der aus Hong Kong stammende Kung-Fu-Star etliche Knochenbrüche, Schnittwunden, Prellungen und Verbrennungen erleiden müssen. Während dem Dreh zu «Police Story» wurde er um Haaresbreite querschnittgelähmt. Wäre sein wohl gefährlichster Stunt schief gegangen, gäbe es heute keinen Jackie Chan mehr: In «Who Am I?» benutze er eine wenige Meter breite, 45 Grad schiefe Fensterfläche als Rutsche – ganze 21 Stockwerke hinunter. Trotzdem ist es aus filmischen Gründen aber so gut wie nie notwendig, dass Stars ihre Stunts selbst ausführen. Daniel Craig gibt einen glaubwürdigen James Bond ab primär aufgrund seiner schauspielerischen Leistung; nicht weil er viele der Stunts selbst übernimmt. Stars wie Viggo Mortensen berufen sich auf die Authentizität, die von selbst gedrehten Stunts ausgeht. Doch man darf annehmen, dass es den meisten Stars darum geht, ein Image aufrecht zu erhalten, beziehungsweise ihren Fans zu gefallen. Genau hier hat Tom Cruise ein Problem: Jackie Chan ist Kult, weil er sein eigener Stuntman ist. Tom Cruise – obwohl er seit jeher seine mitunter sehr gefährlichen Stunts selbst ausübt ... ... wird für immer der Sofa-Hüpfer von der Oprah-Winfrey-Show sein.

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Tom Cruise hat in Dubai im wahrsten Sinne des Wortes einen Höhepunkt seiner Schauspielkarriere erreicht: Während der Dreharbeiten zu seinem neuesten Film hangelte sich der Hollywoodstar an der Aussenfassade des 828 Meter hohen Burdsch Chalifa entlang, des höchsten Gebäudes der Welt.

Die Stunt-Szene an der Spitze des Wolkenkratzers war auf Fotos zu sehen, die lokale Medien am Dienstag 2. November 2010 veröffentlichten. Der Film «Mission: Impossible Ghost Protocol» soll im Dezember 2011 in die Kinos kommen.

Selbst ist der Mann

Tom Cruise ist Mitglied einer illustren Gruppe von Hollywood-Schauspieler, die es vorziehen, ihre Stunts selber zu machen: Matt Damon, Jason Statham, Sylvester Stallone oder allen voran Jackie Chan – sie alle sind furchtlose Vorreiter des Do-It-Yourself-Ethos.

Aus filmischen Gründen ist dies aber so gut wie nie notwendig. Daniel Craig gibt einen glaubwürdigen James Bond ab – primär aufgrund seiner schauspielerischen Leistung, nicht weil er viele der Stunts selbst übernimmt.

Stars wie Viggo Mortensen berufen sich auf die Authentizität, die von selbst gedrehten Stunts ausgeht. Doch man darf annehmen, dass es den meisten Stars darum geht, ein Image aufrechtzuerhalten beziehungsweise ihren Fans zu gefallen.

Burdsch Chalifa: Das höchste Sofa der Welt

Genau hier hat Tom Cruise ein Problem: Jackie Chan ist Kult, weil er sein eigener Stuntman ist. Tom Cruise wird für immer der Sofa-Hüpfer von der Oprah-Winfrey-Show sein –– obwohl er seit jeher seine mitunter sehr gefährlichen Stunts selbst ausübt.

Ob die Fassadenkletterei am höchsten Gebäude der Welt Cruise den Imagewechsel zum harten Kerl ermöglicht? Wohl kaum. Selbst am Burdsch Chalifa dürften alle Sicherheitsvorgaben erfüllt worden sein. Keine Versicherungsgesellschaft der Welt würde sonst den Dreh absegnen.

Bei den Stars aus der Stummfilm-Ära sah es noch anders aus. In Sachen Gefährlichkeit ihrer Stunts sind Buster Keaton und Harold Lloyd heute noch unübertroffen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sam am 08.11.2010 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Taipei 101

    Was ist aus dem Taipei 101 geworden, bis anhin immernoch das zweihoechste Gebaeude der Welt?

  • Carrie am 04.11.2010 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    Vielleicht..

    Vielleicht liegt Tom Cruise's "Image-Schaden" aber auch an der Presse, die es für nötig hält, jedes mal wenn es etwas von ihm zu berichten gibt, die Szene aus 'Oprah' wieder zu erwähnen. Klar, ich halte auch nichts von Scientology. Aber wenn ich an Tom Cruise denke, dann denke ich als aller erstes an 'Mission: Impossible'. Und ja, ich finde es cool, dass er und diverse andere Schauspieler ihre Stunts selber machen. Gerade weil es nicht nötig wäre.

  • Friedrich Horst am 04.11.2010 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    omg

    wieder mal ein typisch schlechter 20min-online artikel, der nur darauf aus ist, gegen irgendjemanden oder irgendetwas zu bashen und sich darüber lustig zu machen. zum glück schaffen es solche artikel meist nicht in die zeitung. ich dachte ja, wetten dass würde genügen, aber auf cruise rumhacken macht natürlich auch immer wieder spass.

Die neusten Leser-Kommentare

  • MDust am 10.11.2010 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    warum nicht?

    Wenn Tom Cruise gut gesichert ist und wird, warum soll er seine Stunts nicht selber machen? Solange die Sicherheit berücksichtig wird und es für die Filmemacher tollerierbar ist, dass der Schauspieler seine Stunts selber ausführt, ist es gut. Dadurch wirkt der Film viel echter, als wenn man ein Double einsetzt. Vor allem jetzt wo es "HD" gibt, kann man schneller erkennen, ob es der Schauspieler ist, oder nicht.

  • Sam am 08.11.2010 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Taipei 101

    Was ist aus dem Taipei 101 geworden, bis anhin immernoch das zweihoechste Gebaeude der Welt?

  • Carrie am 04.11.2010 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    Vielleicht..

    Vielleicht liegt Tom Cruise's "Image-Schaden" aber auch an der Presse, die es für nötig hält, jedes mal wenn es etwas von ihm zu berichten gibt, die Szene aus 'Oprah' wieder zu erwähnen. Klar, ich halte auch nichts von Scientology. Aber wenn ich an Tom Cruise denke, dann denke ich als aller erstes an 'Mission: Impossible'. Und ja, ich finde es cool, dass er und diverse andere Schauspieler ihre Stunts selber machen. Gerade weil es nicht nötig wäre.

  • Stimpy13 am 04.11.2010 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Adrenalin-Kick verschenken? NIEMALS!

    Wenn ich ein Schauspieler wäre und sich mir derartige Möglichkeiten bieten würden, täte ich bestimmt niemanden meine mir möglichen Stunts machen lassen. Und das wäre aus meiner Sicht eher etwas egoistisch, als nach Anerkennung bettelnd...

  • rakirakiraki am 04.11.2010 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    HEyy =)

    liest mal den text auf dem bild acht daniel craig xD. In «Quantum of Solace», etwa, sprang ER aus der dritten Stock auf das Dach eines fahrenden Busses. Ohne Double. Jetzt drohen kündigungen :D