Neue Filme über Attentate

11. Oktober 2018 20:48; Akt: 11.10.2018 20:48 Print

Darf man Breivik diese Bühne geben?

Gleich zwei Filme arbeiten das Massaker auf der norwegischen Insel Utöya auf, das 69 zumeist Jugendlichen das Leben gekostet hat. Moralisch sind die Projekte fragwürdig.

Der Trailer zum neuen Netflix-Film «22 July» über das Massaker in Norwegen. (Video: Netflix)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Am 22. Juli 2011 ereignete sich die unfassbare Tragödie. Der Rechtsterrorist Anders Behring Breivik (39) lässt im Osloer Regierungsviertel eine Bombe detonieren. Acht Menschen sterben. Zwei Stunden später setzt er auf der Insel Utöya seinen Rachefeldzug fort.

Umfrage
Was hältst du davon, dass Breiviks Massaker filmisch thematisiert wird?

Er jagt und erschiesst Jugendliche und Betreuer im Sommercamp der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. 69 von ihnen sterben. Das jüngste Opfer ist erst 14.

Unvorstellbares vorgestellt

Die Narben in Norwegen werden wohl viele Generationen lang nicht verheilen. Breivik agierte gnadenlos, schoss sich tot stellenden Menschen aus nächster Nähe in den Kopf. Die Angst der Opfer, die im Kugelhagel um ihr Leben rannten, ist unvorstellbar.

Doch genau dieses Trauma haben jetzt gleich zwei Filmemacher visualisiert. Sieben Jahre nach den Anschlägen empfinden das viele Norweger als zu früh.

72 Minuten Terror

In «U – July 22», der derzeit in einigen Schweizer Kinos läuft, dramatisiert Regisseur Erik Poppe (58) das Massaker auf der Insel nahe Oslo in einer einzigen Einstellung. Die Kamera folgt dabei stets der jungen Hauptfigur Kaya, die in dem Chaos ihre Schwester sucht.

72 Minuten dauert die Sequenz im Film, genauso lange wie der echte Anschlag von 2011. Das ist filmisch gut gelungen, wirft aber ethische Fragen auf. Darf man den Massenmord an Kindern zur Unterhaltung des Publikums – und darum geht es bei Spielfilmen letztendlich immer – zeigen?

Breivik im Fokus

Dass es diesbezüglich viel Kritik geben würde, sah Poppe natürlich voraus. Er erzählt den Anschlag deshalb bewusst aus Sicht der Opfer. Der Täter Breivik ist nur ganz kurz in einer Einstellung zu sehen.

Anders beim zweiten Projekt. Neu zeigt Netflix den Spielfilm «22 July» von Paul Greengrass (63), der sich dem Thema umfassender widmet. Breivik spielt bei ihm eine zentrale Rolle, der Anschlag selbst nimmt aber nur die ersten 30 Minuten des Films in Anspruch.

Nachbeben des Anschlags

Die folgenden zwei Stunden beschäftigen sich mit den Nachwirkungen der Tragödie. Parallel zeigt Greengrass den schweren Weg eines Opfers zurück ins Leben und den Gerichtsprozess, der Breiviks vergiftete Ideologie erklärt und im Schuldspruch endet.

Damit gibt er allerdings den verqueren Ansichten Breiviks einmal mehr die grosse Bühne, nach der sich der Terrorist so sehr sehnt.


Der Trailer zu «U – July 22». (Video: Praesens Film)

(cat)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • James am 11.10.2018 22:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahrheit

    Es ist passiert, also muss man es auch erzählen dürfen.

  • Bd am 11.10.2018 21:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Attentat für Hollywood

    Alle grossn Terroranschläge wurden verfilmt Boston, 9/11, von Englad, von der IRA, denn Roten Brigaden etc etc.

  • Dober am 11.10.2018 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    guter Film

    habe gestern auf Netflix dehn Film geschaut. Wirklich gut, und geht nicht nur um das Massaker, sonder auch um dehn Prozess und die Opfer

Die neusten Leser-Kommentare

  • James am 11.10.2018 22:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahrheit

    Es ist passiert, also muss man es auch erzählen dürfen.

  • Bd am 11.10.2018 21:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Attentat für Hollywood

    Alle grossn Terroranschläge wurden verfilmt Boston, 9/11, von Englad, von der IRA, denn Roten Brigaden etc etc.

  • Dober am 11.10.2018 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    guter Film

    habe gestern auf Netflix dehn Film geschaut. Wirklich gut, und geht nicht nur um das Massaker, sonder auch um dehn Prozess und die Opfer