Kinostarts der Woche

18. Oktober 2018 16:58; Akt: 18.10.2018 16:58 Print

Darf man sein Kind auf den Namen Adolf taufen?

von Mohan Mani - Sönke Wortmanns Komödie «Der Vorname», die Agentenparodie «Johnny English 3» und «The Guilty» laufen ab Donnerstag neu im Kino.

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Für den Literaturprofessor Stephan Berger (Christoph Maria Herbst) bricht eine Welt zusammen, als der jüngere Bruder Thomas (Florian David Fitz) seiner Frau Elisabeth (Caroline Peters) beim gemeinsamen Dinner bekanntgibt, dass er seinen Sohn auf den Namen Adolf taufen will. Für den Gastgeber Stephan ist der Abend wegen des Adolf-Hitler-Bezugs gelaufen, der befreundete Musiker René (Justus von Dohnányi) gibt sich diplomatisch. Aber spätestens mit dem Eintreffen von Thomas' schwangerer Freundin Anna (stark: Janina Uhse) gehts bald längst nicht mehr nur um einen Babynamen, sondern um weit gewichtigere Themen.

Der Vorname muss weg

Nur schon mit der Zurechtweisung eines Pizzakuriers (Serkan Kaya) gibt «Stromberg»-Star Christoph Maria Herbst gleich zu Beginn den Tarif seiner pseudointellektuellen Stephan-Figur bekannt. Der «Frau Müller muss weg»- und «Der bewegte Mann»-Macher Sönke Wortmann serviert auch die restliche Figurenzeichnung mit viel Witz und Tempo. So steht etwa Thomas für den neureichen Nachwuchs und Elisabeth für gutbürgerliche Kreise. Diese Charakterköpfe lässt Wortmann an einem einzigen Abend und innerhalb einer Wohnung aufeinanderprallen, wobei so manche Wahrheit jenseits eines simplen Babynamens ans Tageslicht kommt.

Französische Bühnen- und Filmvorlage

Wortmanns Lustspiel basiert auf dem französischen Bühnenstück und der anschliessenden Verfilmung «Le Prénom» aus dem Jahre 2012, es wurde jedoch witzig, präzise und zuweilen bitterböse an deutsche Gegebenheiten angepasst. Wer auf dialogstarke Komödien à la «Carnage» steht, der kriegt hier abgesehen von wenigen Storyschwächen (Stichwort: Familienhund) die volle Ladung aufgetischt. Bon appetit!

Ebenfalls neu im Kino: «Johnny English Strikes Again»

«Kein Problem, Commander! Wir erledigen die Mission nach alter Schule», sagt der reaktivierte Geheimagent Johnny English (Rowan Atkinson) an einer Stelle im Film. Und er meint damit nicht zuletzt auch die Tatsache, dass er den Anschluss an die digitalisierte Welt hoffnungslos verpasst hat. Doch man höre und staune: Mit seinen kompromisslos analogen Methoden wird English zur letzten Hoffnung des Geheimdienstes Ihrer Majestät – da mag die britischen Premierministerin (brillant: Emma Thompson) noch so resolut auftreten.

Analoge versus digitale Comedy

Nach einem amüsanten Erstling (2003) und einer enttäuschenden Fortsetzung 2011 erweist sich der dritte Johnny-English-Einsatz als witzigste James-Bond-Parodie. Die Hackerangriff-Story bietet den Filmemachern ausgiebig Gelegenheit, mit den Unterschieden der analogen und digitalen Welt zu spielen. Ein kleines Meisterstück ist gar eine Virtual-Reality-Sequenz in den Strassen Londons. Einzig die Computeranimationen sind etwas gar billig. Dem Spassfaktor tut dies aber keinen Abbruch.

Kino-Geheimtipp ab Donnerstag: «The Guilty – Den Skyldige»

In einem Wettlauf gegen die Zeit versucht der Polizist Asger (Jakob Cedergren) am Telefon, einer offenbar entführten Frau zu helfen. Im Gegensatz zu den ebenso auf ein räumliches Minimum beschränkten US-Thrillern wie «Buried» oder «Phone Booth» ist das dänische Regiedebüt von Gustav Möller nicht bloss an Spannung interessiert, sondern wandelt sich immer mehr zum Psychodrama. Bald klebt man an den Lippen des Antihelden Asger und möchte gar selbst eingreifen. Abgesehen vom vorhersehbaren Finale ist «The Guilty» ein intensives Kino-Kammerspiel in nur zwei Räumen.