Kinostarts der Woche

09. Januar 2019 19:19; Akt: 09.01.2019 19:19 Print

Wenn ein Strassenjunge seine Eltern verklagt …

von Mohan Mani - «Capharnaüm» ist ein berührendes Jugenddrama mit einem grossartigen Hauptdarsteller – zu sehen ab Donnerstag im Kino.

Der Trailer zu «Capharnaum – Stadt der Hoffnung». (Video: Youtube/Filmcoopi)
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«Ich will meine Eltern verklagen», sagt der zwölfjährige Zain (stark: Zain Al Rafeea) beim Anruf aus dem libanesischen Jugendgefängnis ins Live-TV. Offensichtlich hat er einen Menschen erstochen und ein Gerichtsprozess soll nun die Schuldfrage klären. Doch Zain fordert Gerechtigkeit: «Ich will, dass die Erwachsenen hören, was ich zu sagen habe. Ich habe Leute satt, die nicht für ihre Kinder sorgen können.» Er meint damit auch jene Gewalt, Beleidigungen, Schläge mit der Kette, der Röhre und dem Gürtel, die sein Leben zur Hölle machten, sodass er sich zur Tat gezwungen sah.

Kein Betroffenheitskino

So schlimm Zains Leidensweg auch klingt, die Regisseurin Nadine Labaki erzählt ihn mit grossem Einfühlungsvermögen. Die Ausgangsidee eines Jungen, der seine eigenen Eltern verklagt, scheint extrem, lässt aber aufhorchen. Die einleitenden Gerichtsszenen befremden, aber spätestens mit dem Eintauchen in Zains Leben in den dreckigen Strassen Beiruts gerät man in einen Sog aus Staunen, Entsetzen, unwiderstehlichem Charme und stellenweise gar feiner Ironie. Immer mehr wächst einem der Junge ans Herz, man fiebert und leidet mit ihm mit und hofft auf ein Happy-End. Doch seine Welt ist Chaos pur, wie es auch der Filmtitel beschreibt. So gesehen ist «Capharnaüm» (zu Deutsch: Chaos) nicht einfach Betroffenheitskino wie gehabt, sondern ein fiktives Drama, das dank authentischen Laiendarstellern und Originalschauplätzen immer wieder dokumentarische Züge annimmt. Stark.

Ebenfalls ab Donnerstag im Kino: «Robin Hood»

Die klassische Geschichte von Robin of Loxley (Taron Egerton), der nach jahrelangen Kreuzzügen in seine englische Heimat zurückkehrt und gegen den skrupellosen Sheriff von Nottingham kämpft, braucht man nicht gross nachzuerzählen. Sie wurde ja schon von Walt Disney kindergerecht, mit Kevin Costner selbstironisch und mit Russell Crowe hochdramatisch verfilmt.

Dynamische Pfeilbogen-Action

Die Neuverfilmung von Serienregisseur Otto Bathurst lebt einerseits von der darstellerischen Präsenz von «Kingsman 1&2»-Star Taron Egerton, andererseits von hervorragend orchestrierten Actionszenen. Insbesondere die Pfeilbogen-Action erfährt dank dem Können von Stunt-Choreograf Simon Crane und den beiden Meisterbogenschützen Steve Ralphs und Lars Andersen eine ganz besondere Dynamik, die sich von klassischen Errol-Flynn-Duellen von anno dazumal abhebt. Die inhaltlichen Bezüge zur Neuzeit sind zwar lobenswert, wirken letztlich allzu konstruiert.