Seit 60 Jahren

30. Juni 2011 12:19; Akt: 01.07.2011 09:19 Print

Der letzte Schrei der Filmgeschichte

Was haben «Distant Drums» (1951), «Star Wars» (1977), «Toy Story 3» (2010) und Spiele wie «Quake Live» gemeinsam? Einen Ton mit dem klingenden Namen «Wilhelm Scream».

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Das schnelllebige Geschäft Hollywoods lebt auch von seinen Neuerungen und Innovationen. Umso bemerkenswerter ist es, wenn ein kleines, aber feines Filmdetail seit 60 Jahren dasselbe geblieben ist. Die Rede ist vom «Wilhelmsschrei», der 1951 zum ersten Mal in einem Kinostreifen eingesetzt wurde und seither in so unterschiedlichen Werken wie dem Indiana-Jones-Abenteuer «Raiders of the Lost Ark» (1981), «Lord of the Rings: The Two Towers» (2002) oder «Machete» (2010) eingesetzt wurde.

Eine Geschichte voller Missverständnisse

Der Name «Wilhelm Scream» beruht dabei auf einem Missverständnis. Als Ben Burtt, der 1977 für die Soundeffekte von «Star Wars» verantwortlich war, auf das Soundfile stiess, verortete er die Premiere des Schreis bei «The Charge a Feather River» («Der brennende Pfeil») von 1953. In dem Western wird ein Rekrut namens Wilhelm von Indianern beschossen und heult getroffen auf. Später stellte sich aber heraus, das der Schrei schon in «Distant Drums» («Die Teufelsbrigade») anno 1951 zu hören war, als ein Soldat in den Everglades-Sümpfen von einem Alligator angefallen wird.

«Star Wars»-Sounddesigner Burtt verwendete fortan den Schrei in mehreren Filmen, machte den Laut zu einem Running-Gag und steckte die Film-Giganten George Lucas, Steven Spielberg und Quentin Tarantino mit seiner Macke an. Ausserdem forschte er nach, aus welcher Kehle er entsprungen ist. Ausgestossen hat ihn seinen Recherchen zufolge ein Schauspieler und Sänger namens Shebb Wooley, der in «Distant Drums» eine kleine Nebenrolle als Rekrut Jessup übernommen hatte und darüber hinaus für die Aufnahmen einiger Soundeffekte eingeteilt war.

«Aaaaaaaarrrrrrrrgggggghhh!!» in über 300 Filmen

Wooley starb 2003 und seine Witwe Linda Dotson sagte zwei Jahre später der «Times»: «Er hat immer Witze darüber gemacht, wie grossartig er in Filmen schreien und sterben konnte. Ich wusste, dass seine Schreie in einigen Filmen, den älteren Western, vorkamen. Aber ich wusste nichts von ‹Star Wars› und dem Rest. Das hätte ihn umgehauen. Er hätte gesagt: ‹Ich mag alt sein, aber ich spiele immer noch in den Filmen mit.›» Der Titel des Artikels lautet lustig lautmalerisch: «Aaaaaaaarrrrrrrrgggggghhh!!»

Bis 2008 soll der Schrei in 216 Filmen vorkommen, inzwischen ist von über 300 Verwendungen die Rede. Mittlerweile haben YouTube-User eine Sammlung des Wilhemsschreis angelegt, eine Punk-Band hat sich nach dem Laut benannt und eine kostenfreie «Wilhelm Scream App» für das iPhone gibt es auch schon. Der Ton kann natürlich auch im Netz gratis heruntergeladen werden und wird rege in Computerspielen eingebaut. Auch nach 60 Jahren ist die Schmerzäusserung nicht totzukriegen: Hören Sie also das nächste Mal genau hin, wenn auf der Kino-Leinwand einer seinen finalen Abgang macht.


Eine Sammlung von Filmen mit dem Wilhelmsschrei. Quelle: YouTube

(phi)