Kinostarts der Woche

03. Oktober 2018 18:51; Akt: 03.10.2018 18:51 Print

Deutsche Geschichte in Gemälden erzählt

von Mohan Mani - «Werk ohne Autor» ist ein kraftvolles Drama mit Thriller-Touch – zu sehen ab Donnerstag in den Kinos.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Dresden im Jahr 1937: Kurt Bamert (Cai Cohrs) ist sechs Jahre alt, als er von seiner jungen Tante Elisabeth May (Saskia Rosendahl) mittels freizügiger Schocktherapie an die moderne Kunst herangeführt wird. Als dieselbe Elisabeth wenig später vom Nazi-Doktor Carl Seeband (Sebastian Koch) zur Frau mit gespaltener Persönlichkeit abgestempelt wird und in der Gaskammer landet, prägt ihn dieses Trauma selbst noch im Erwachsenenalter.

Verliebt in Ellie

Als staatlicher Freskenmaler in der DDR verdient Kurt (Tom Schilling) zwar Geld, doch sein wahres Künstler-Ich fühlt sich zu höheren, freidenkerischen Sphären berufen. Als er sich in die Modestudentin Ellie (Paula Beer) verguckt, schliesst sich ein Kreis in einer Form, die er nie für möglich gehalten hätte.

Rein fiktive Geschichte

So schnell der Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck mit dem DDR-Drama «Das Leben der Anderen» im Jahre 2006 zu Oscar-Ruhm gelangt ist, so rasant endeten alle Ehren mit dem Top-Flop «The Tourist» aus dem Jahr 2010. Sein Künstlerdrama «Werk ohne Autor» orientiert sich zwar am Leben des Künstlers Gerhard Richter, erzählt aber eine rein fiktive Geschichte. So ist er nicht ans enge Korsett biografischer Daten gebunden, sondern kann sein Epos nach Herzenslust auf die Leinwand feuern.

Faszinierendes Künstlerdrama

In vielen Szenen erkennt man seine Freude am Kino: Donnersmarck inszeniert etwa den Abschied von Elisabeth, aber auch den künstlerischen Freisinn mit Bildern, die man nicht so schnell vergisst. Ob hupende Busse, wiederkehrendes Fingerspiel vor den Augen oder feine Ironie («Drei Liter»), dieses Künstlerdrama fasziniert trotz weniger Längen von Anfang bis Schluss. Das 188-minütige Ausharren lohnt sich unbedingt.

Ebenfalls ab Donnerstag im Kino: «A Star Is Born» mit Lady Gaga

Der alkoholsüchtige Country-Star Jackson Maine (Bradley Cooper) baut die Hobbysängerin Ally (Lady Gaga) zum Superstar auf … und verblasst selbst immer mehr in ihrem Schatten. Schon vier Mal wurde diese dramatische Love-Story verfilmt. Und doch fasziniert sie immer wieder von Neuem. «Hangover»-Star Bradley Cooper wählte sie für sein Regiedebüt und landete einen Volltreffer. Nur schon das langsame Kennenlernen der zwei Hauptfiguren auf einem typisch amerikanischen Riesenparkplatz ist ein filmischer Hochgenuss.

Grosse Hollywood-Gefühlskiste

Da die urspünglich für die Ally-Rolle vorgesehene Sängerin Beyoncé Knowles wegen ihrer Schwangerschaft absagen musste, sprang Lady Gaga ein und verkörpert die Figur trotz Superstar-Status mit einer überraschenden Bodenständigkeit. Im Zusammenspiel mit Bradley Cooper ensteht just jene Star-Chemie, die Filme dieser Art entweder obsiegen oder gnadenlos scheitern lässt. Fans grosser Gefühlskisten der Marke Hollywood kommen hier voll auf ihre Kosten.