«The Iron Lady»

09. Februar 2011 14:19; Akt: 09.02.2011 14:46 Print

Die eiserne Streep

Das erste Standbild von Hollywoodstar Meryl Streep als Premierministerin Margaret Thatcher sorgt in Grossbritannien für Begeisterung – und Besorgnis.

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Das erste Standbild aus «The Iron Lady» beweist: Meryl Streep gleicht tatsächlich der eisernen Lady fast aufs Haar. Hier die echte Margaret Thatcher in einem offiziellen Porträt aus ihrer ersten Amtszeit. In Grossbritannien war zunächst aber Erstaunen darüber geäussert worden, dass eine Amerikanerin die Premierministerin mimen würde. Für solche Rollen hätte doch eine Helen Mirren das Vorrecht ... ... schliesslich hatte Mirren in «The Queen» (2006) Königin Elizabeth II. so erfolgreich dargestellt. In «The Queen» spielte Michael Sheen Premierminister Tony Blair. Sheen hat Blair bereits drei Mal dargestellt: In «The Deal» (2003), «The Queen» (2006) und «The Special Relationship» (2010). Michael Sheen stellte einmal mehr eine historische Figur dar in «Frost/Nixon» (2008) ... ... der Neuinszenierung des berüchtigten Interviews zwischen dem ehemaligen US-Präsident Richard Nixon und dem englischen TV-Mann David Frost anno 1977. Während viele Kritiker monierten, Nixon-Darsteller Frank Langella gleiche eher Nixons sovietischem Widersacher Brezshnew als dem US-Präsidenten, bekam er trotzdem gute Noten für seine Darstellung, da er Tonfall und Mimik haargenau traf. Auch Anthony Hopkins stellte in «Nixon» (1995) den 37. Präsidenten der USA dar. «Thirteen Days» ist ein Polit-Thriller aus dem Jahr 2000, der sich mit den 13 Tagen der Kubakrise aus der Sicht der Amerikaner beschäftigt. Die Hauptpersonen des Films sind der politische Berater John F. Kennedys, Kenny O'Donnell, gespielt von Kevin Costner (r.), Präsident John F. Kennedy selbst, dargestellt von Bruce Greenwood, und dessen Bruder Robert 'Bobby' Kennedy, gespielt von Steven Culp (l.). «Ein Leben, falschunterschätzt», so der Untertitel zu «W.», in dem Josh Brolin Präsident George W. Bush darstellt. Denzel Washington stellte schon mehrmals zeitgeschichtliche Figuren dar. Den Bürgerrechtler Malcom X im gleichnamigen Film (1992), etwa ... ... oder den südafrikanischen Freiheitskämpfer Steve Biko in «Cry Freedom» (1987). Morgan Freeman mimte den südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela in «Invictus» (2009). In «Gandhi» (1982) spielte Ben Kingsley den politischen und geistigen Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung. Madonna spielte 1996 in «Evita» die First Lady Argentiniens und zweite Frau des Präsidenten Juan Peron. Forest Whitaker mimte 2006 Idi Amin, den Diktator Ugandas. Der Schweizer Schauspieler Bruno Ganz spielte Adolf Hitler in «Der Untergang» (2004). Der deutsche Diktator wurde etliche Male dargestellt, unter anderem von Robert Carlyle in «Hitler: The Rise of Evil», Alec Guinness in «Hitler: The Last Ten Days», Anthony Hopkins in «Der Bunker» oder Armin Mueller Stahl in «Gespräch mit dem Biest». Tom Cruise spielte in «Valkyrie» (2008) den Hitler-Attentäter Claus von Stauffenberg. Für mehrere Oscars nominiert sind Colin Firth und Helena Bonham-Carter. Sie spielen in «The King's Speech» den britischen König George VI. und seine Königin Elizabeth. In «The Young Victoria» spielte Emily Blunt die britische Königin Victoria. Gemäss Hollywood-Insidern soll Charlize Theron in «Diana: Closely Guarded Secret» Prinzessin Diana von Wales darstellen.

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Der erste Filmstill aus «The Iron Lady» beweist: Meryl Streep gleicht tatsächlich der eisernen Lady fast aufs Haar. «Die Aussicht, den bedeutenden Einschnitt in die Weltgeschichte zu untersuchen, welche diese aussergewöhnliche Frau verursacht hat, ist eine gewaltige und aufregende Herausforderung», liess die Oscar-Gewinnerin in einem Statement verlauten. Sie werde die Rolle mit «demselben Eifer, derselben Leidenschaft und Detailversessenheit angehen, wie die echte Lady Thatcher es tun würde».

Späte Reue?

Bewusst wählte Streep diese ehrfürchtigen Worte – nicht zuletzt wollte sie gewisse Stimmen in Grossbritannien besänftigen, die sich etwas befremdet zeigten ob der Vorstellung, dass eine US-Amerikanerin die britische Premierministerin darstellt. Dabei: «Was gibt es da auszusetzen?» fragt der «Guardian Online» und erinnert daran, dass Streep bereits ein Holocaust-Opfer, eine Whistleblowerin von Nuklear-Geheimnissen, eine angsteinflössende Magazin-Chefredaktorin und eine Mutter gespielt habe, deren Kind vielleicht oder vielleicht auch nicht von einem Dingo entführt wurde.

Vielmehr wurden Befürchtungen aus dem konservativen politischen Lager Britanniens laut, Streep könne der eisernen Lady ein zu sehr menschliches Antlitz geben, was sich dann gemäss Drehbuch in Reuegefühle der Ex-Premierministerin gegenüber vielen ihrer taffen Regierungsentscheide äussern würde. Laut Insiderberichten soll der Film Thatcher als verwirrte 80-Jährige darstellen, die vom Geist ihres verstorbenen Ehemannes Dennis Thatcher heimgesucht wird.

«Linke Phantasterei»

Gemäss der «Daily Mail» verlautete aus Familienkreisen Thatchers, der Film von «Mamma Mia!»-Regisseurin Phyllida Lloyd höre sich «als eine Art linksgerichtete Phantasterei» an. Gemäss Filmemacher wird «The Iron Lady» ein «überraschendes und intimes Porträt einer aussergewöhnlichen und komplexen Frau» sein, «welche die Schranken von Geschlecht und Klasse durchbrach und es schaffte, dass ihre Stimme in einer männerdominierten Welt gehört wurde».

Spannend wird der Biopic über Margaret Thatcher allemal. Das vorläufig letzte Wort hat Hauptdarstellerin Meryl Streep: «Ich kann nur hoffen, dass mein Durchhaltevermögen halbwegs so gut wie ihres ist».

(obi)