Sex und Gewalt

05. Dezember 2018 21:21; Akt: 06.12.2018 09:14 Print

Diese Filme werden Sie lieben oder hassen

Zwei provokative Filme laufen jetzt in den Schweizer Kinos an. Der eine zeigt Sex von Schwerbehinderten, der andere Gewaltexzesse im Drogenrausch.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Touch Me Not»
Dieser experimentelle Film, in dem Realität und Fiktion verschmelzen, sorgte bei der Premiere an der Berlinale für wahlweise Kopfschütteln, Empörung oder Flucht aus dem Kinosaal. Die erste Einstellung im Streifen: Schamhaare im Close-up, dann ein Penis.

Umfrage
Sehen Sie sich die beiden umstrittenen Filme an?

Unangenehm zum Anschauen ist «Touch Me Not» von der ersten Minute an. Vielleicht erhielt er gerade deswegen den Hauptpreis am Filmfestival. Die rumänische Regisseurin Adina Pintilie erzählt von der Mittfünfzigerin Laura, die Angst vor Intimität und Berührungen hat und Abhilfe für ihr Problem sucht. Sie sieht einem Callboy beim Masturbieren zu, trifft sich mit der Transsexuellen Hanna, die Prostituierte und Therapeutin in einem ist, und versucht, ein verschüttetes Trauma mit einem Sexarbeiter zu lösen.

Porträtiert wird auch der körperlich Schwerstbehinderte Christian, der ganz offen über seine erfüllte Sexualität spricht und sich auch beim Liebesspiel mit seiner Frau filmen lässt. Der grosse Verdienst von «Touch Me Not» ist, dass sich unser Blickwinkel verändert. Wir sehen hängende Brüste und Pobacken, einen schwerbehinderten Menschen, der seinen Körper wirklich zu mögen scheint. Pintilie setzt ein Statement gegen unsere Vorstellung von Körperidealen und regt damit zum Denken an.

«Climax»
Regisseur Gaspar Noé ist der Meister der Provokation. Die minutenlange Vergewaltigungsszene von Monica Bellucci in «Irreversible» gilt als eine der explizitesten und unangenehmsten der Filmgeschichte. In «Love» liess der Argentinier dann seine Protagonisten echten Sex vor der Kamera haben – inklusive Ejakulation in Zeitlupe in die Kamera.

In seinem neuen Film «Climax» ist Sex weniger zentral als Gewalt. Eine Gruppe junger Tänzer trifft sich auf einem isolierten Fabrikgelände zu einer letzten Party. Bis zur Hälfte des Films bewegen sich schöne Körper rhythmisch zur Musik, die Stimmung ist ausgelassen, sexuelle Anziehung hängt in der Luft. Doch als eine Tänzerin die Sangria mit LSD versetzt, beginnt ein wahrer Höllentrip.

Die Tänzer verlieren jegliche Kontrolle. Keiner ist vor anderen oder sich selbst sicher. Je länger der Film dauert, desto unschärfer und verworrener werden die Bilder. Als Zuschauer hat man das Gefühl, selbst in diesem Höllenritt gefangen zu sein. Die Gewalt im Film ist exzessiv und bricht Tabus. Eine Frau etwa ersticht mit einem Messer das eigene Baby im Bauch, ein Bruder vergewaltigt seine Schwester. Ein moderner und energiegeladener Film für alle, die ihn aushalten.

«Touch Me Not» läuft im Kino. «Climax» startet am 6. Dezember.

(cat)