«Four Lions»

16. April 2011 15:07; Akt: 16.04.2011 15:14 Print

Dschihad für Dummies

von Birgit Roschy, AP - Wie frech darf eine Satire über islamistische Selbstmordattentäter sein, deren Regisseur das Drehbuch vorab von Imamen und angeblich sogar von einem Ex-Guantánamo-Häftling absegnen liess?

Der englische Trailer von «Four Lions». Quelle: YouTube
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Die britische Farce «Four Lions» beweist, dass da doch einiges geht. Der Film ist allerdings eine humoristische Gratwanderung und wird auch auf der Seite der ungläubigen «Kuffar» nicht jeden zum Lachen bringen. Dazu verursachen die fünf Dschihad-Deppen einfach zu viele Kollateralschäden.

Darf man islamistische Killer veräppeln, ohne den Spott mit einer pädagogischen Unterweisung über die Unterschiede zwischen Islam und -ismus zu versehen, damit ja keiner beleidigt ist? Die Furcht vor Reaktionen ist berechtigt: Der Roman «Die satanischen Verse» und die dänischen Mohammed-Karikaturen, um nur die bekanntesten Fälle zu nennen, haben nicht nur zu verbalen Protesten, sondern zu etlichen Toten geführt.

Politisch unkorrekte Veräppelung von Gotteskriegern

In Zeiten einer sich als Rücksichtnahme tarnenden Feigheit ist das Hauptverdienst dieses Films seine blosse Existenz. Tatsächlich geht es darin kaum um Religion; wer eine Bombe legen will, findet immer einen Grund. Auch Psychologie ist Regisseur Christopher Morris ziemlich wurst. Im Dokumentarfilm-Stil und mit Wackelkamera illustriert er lieber Pleiten, Pech und Pannen bei der Vorbereitung eines Attentats von fünf «homegrown»-Terroristen aus Sheffield. Den Slapstick rund um Terror-PR und die Praxis des Bombenbaus, begleitet von Flüchen gegen imperialistische Westler, die «Materialismus» und «Konsum» verfallen sind, könnte man sich so durchaus auch bei der verblichenen RAF vorstellen.

Die Gruppe besteht aus dem paranoiden Konvertiten Barry, der mit seinem Käppi und dem schütterblonden Fusselbart dem salafistischen Prediger Pierre Vogel ähnelt, sowie aus Faisal und Waj, zwei grenzdebilen Kindsköpfen. Später stösst Hassan dazu, der sich durch die Zündung einer Konfetti-Bombe bei einer öffentlichen Islam-Diskussion als unternehmungslustiges, neues Mitglied empfohlen hat. Der intellektuell fitteste Gotteskrieger ist Omar, obwohl er auf einem Afghanistan-Trip versehentlich Bin Laden ins Paradies befördert hat. Der liebevolle Familienvater mausert sich zur Identifikationsfigur für den Zuschauer.

Bombiger Slapstick mit murksenden Märtyrern

Anfangs gilt das Hauptaugenmerk der Chaoten der martialischen Pose. Doch schon der Dreh des Bekennervideo misslingt: Wenn sie sich mit Spielzeugkalaschnikow vor der Kamera in Positur setzen, platzt stets einer in die Aufnahme. Immerhin schaffen sie es, probeweise eine Mikrowelle und ein Schaf zur Explosion zu bringen. Dann gehts in Clownskostümen über Sprengstoffgürteln, zum Marathon nach London. Omars frommer Bruder missbilligt diese Pläne sehr, sperrt aber trotz aller Sanftmut gelegentlich seine Frauen ein. Spannend wirds, wenn sich die Anfänger zwischen Fanatismus und Logik verheddern und sich gegenseitig beschwören, «das Hirn auszuschalten».

In der Tradition der Monty Pythons ist das Treiben von einer absurden, mit Schrecken gepaarten Komik geprägt. Neben Schafen und Gotteskriegern kommen auch Zivilisten zu Tode. Der tiefschwarze Humor macht keine Gefangene, schliesslich sind auch in der Realität, nach 9/11 und den Anschlägen in Madrid und London, viele Tote zu beklagen. Immerhin sind die Märtyrer mit ihrer Murkserei, die letztendlich zur Selbstentleibung (wenn auch zur Unzeit) führt, heisse Anwärter auf den «Darwin-Award» - den Preis für die dümmste Methode, aus dem Leben zu scheiden. Das ist, zumal die Polizei im Film total versagt, für den Zuschauer ein gewisser Trost.


Der deutsche Trailer. Quelle: YouTube

«Four Lions», Satire, Grossbritannien 2010, 97 Minuten, FSK: 16, Regie: Christopher Morris, Darsteller: Riz Ahmed, Arsher Ali, Nigel Lindsay, Kayvan Novak, Adeel Akhtar u.a., Kinostart: 21. April