Schweizer Film

09. Februar 2016 05:44; Akt: 10.02.2016 18:25 Print

Eine Prise Heimatkitsch – und die Kassen klingeln

von Andreas Hauri - «Heidi», «Schellen-Ursli» oder «Mein Name ist Eugen»: Schweizer Filme mit deutlichem Folklore-Anstrich sind erfolgreicher als andere. Eine Expertin erklärt.

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Ein Film auf Erfolgskurs: Seit dem Kinostart im Dezember 2015 lockte «Heidi» von Regisseur Alain Gsponer alleine in der Deutschschweiz über 400'000 Besucher ins Kino. Mit Deutschland und Österreich zusammen sind es gar über 1,7 Millionen Zuschauer – was «Heidi» zum erfolgreichsten Schweizer Film aller Zeiten macht.

Im Dezember lag der Heimatfilm sogar noch vor «Star Wars: The Force Awakens» in den Schweizer Kinocharts. Dass es Alp-Öhi mit dem Science-Fiction-Epos aufnehmen könnte, darauf hätte hierzulande und bei all dem Hype, der um «Star Wars» gemacht wurde, wohl niemand gewettet. Doch auch «Schellen-Ursli» von Regisseur Xavier Koller knackte in der Deutschschweiz bereits die 400'000er-Marke.

Für Filmemacher «sichere Werte»

Woher kommt dieser Erfolg der urchigen, ur-schweizerischen Geschichten im Film? Schlägt das Herz der hiesigen Kinobesucher tatsächlich so stark für Folklore?

Filmwissenschaftlerin Marcy Goldberg zeigt sich über die üppigen Besucherszahlen von «Heidi» oder «Schellen-Ursli» wenig überrascht: «Diese Filme sind typische Kinder- und Familienfilme. Sie sprechen also ein breites Publikum an. Und sie basieren auf klassischen Kinderbüchern, die schon seit Jahrzehnten beliebt sind», sagt die Expertin gegenüber 20 Minuten, «aus Produktionssicht sind das zweifellos sichere Werte.»

Bei Hollywood abgeschaut

Aus der Rangliste der erfolgreichsten Schweizer Filme seit 1976 des Bundesamts für Statistik geht hervor, dass der Heimat-Kontext ein Garant dafür ist, die Kinokassen zu füllen. Auf der Liste findet man auch die Lausbubengeschichte «Mein Name ist Eugen», die RS-Komödie «Achtung, fertig, Charlie!», den Horrorstreifen «Sennentuntschi» oder den historisch-kritischen «Verdingbub». Ein Ausreisser ist Wilhelm Tell: «Tell» mit Mike Müller in der Hauptrolle floppte 2007 auf der Kinoleinwand.

Ältere, bestehende Geschichten abzuarbeiten, sei ein Phänomen, das man sich von den USA abgeschaut habe, sagt Goldberg. «In den letzten zwanzig Jahren sind in Hollywood etliche Filme gedreht worden, die aus Serien entstanden sind. Darunter viele Kinderbuchklassiker und Disney-Geschichten.» Sieht man die Dinge aus dieser Perspektive, ist «Heidi» im Grunde nichts anderes als «Superman», nur eben schweizerisch: Etwas realitätsfremd zwar, aber äusserst beliebt.

Neuere Stoffe angehen

Die Kritiker indes sind sich nicht einig, wie sehr man die zwei jüngsten Heimat-Klassiker auf der Kinoleinwand loben soll. Schon im August 2015, lange vor dem Kinostart von «Heidi» meldete sich die «WoZ» zu Wort und bemängelte, dass der Film im Grunde doch «generalstabsmässige Folklore vor gepützelter Kulisse» sei.

Die «NZZ» hingegen liess den Schriftsteller Alex Capus im Dezember 2015 darüber fachsimpeln, ob die Musterschülerin Heidi oder nicht doch eher der widerborstige Schellen-Ursli zu uns Schweizern passt. Immerhin sind Heimatfilme identitätsstiftend, wie man sagt. Capus entschied sich für den Schellen-Ursli. Die «NZZ am Sonntag» wiederum sprach sich für andere Geschichten aus, die die heimischen Produktionen angehen sollten. Das heisst: Weniger Folklore, dafür mehr «aktuelle, brachliegende Themen» behandeln. Der Fifa-Skandal etwa oder die turbulente Vergangenheit des Finanzplatzes Schweiz.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ssiowasch Sadat am 09.02.2016 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heidiii Heidii

    Aus langeweile schaute ich mir gestern den Heidi Film im Kino an. Ich bin Türkischer Herkunft und fühlte während des Films eine Sehnsucht nach den Alpen, ich musste ungefähr 4-mal weinen! Ein superfilm welcher orginal schweizerfeeling vermittelt! Ich liebe die Schweiz!!

  • Ikiarbeitiaufbaustell am 09.02.2016 06:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heimatfilme

    boomen meistens in Zeiten wo Chaos und sozialer Unfrieden herrscht.

  • Beat Meier am 09.02.2016 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Heimatkitsch

    Fuer mich gibt es gar keinen Heimatkitsch aber jede Menge Globalisierungsunsinn Mainstreaming und Hipster out-of-the box Pseudocoolness.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mel S am 09.02.2016 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heidi forever

    Der Film ist aber auch großartig. Wir haben extra eine Loge genommen weil ich wußte wie es heraus kommen wird. Nach dem ersten Schluchzen nach 5 Minuten gab's kein Halten mehr. Bruno Ganz ist der Öhi wie er im Buche steht.

  • Ssiowasch Sadat am 09.02.2016 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heidiii Heidii

    Aus langeweile schaute ich mir gestern den Heidi Film im Kino an. Ich bin Türkischer Herkunft und fühlte während des Films eine Sehnsucht nach den Alpen, ich musste ungefähr 4-mal weinen! Ein superfilm welcher orginal schweizerfeeling vermittelt! Ich liebe die Schweiz!!

  • MMy am 09.02.2016 07:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "si si alli so nett"

    Tradition und Folklore ist halt heute wieder gefragt. Auch unsere junge Generation bewegt sich weg vom "Punk" und "Globus Kravall" hin zu anständigen, netten Bürgern. Dies ist sicher nicht schlecht, birgt aber auch ein paar Gefahren.

  • Steff am 09.02.2016 06:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die intakte Schweiz

    Der Grund wird sein, das sich sehr viele Schweizer nach der intakter Schweiz sehnen, wie es noch bis vor 20 Jahren grösstenteils war und dies halt nur im Film nochmals ansehen möchten.

  • Ikiarbeitiaufbaustell am 09.02.2016 06:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heimatfilme

    boomen meistens in Zeiten wo Chaos und sozialer Unfrieden herrscht.