«Trainspotting 2»

27. Juli 2016 13:14; Akt: 27.07.2016 13:14 Print

Greift Ewan McGregor erneut zur Heroin-Spritze?

von Schimun Krausz - 20 Jahre nach «Trainspotting» dreht Danny Boyle die langerwartete Fortsetzung seines Kultfilms. Ein erster Trailer ist da – und mit ihm auch eine Menge Fragen.

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Simon «Sick Boy» Williamson (Jonny Lee Miller), Mark «Rent Boy» Renton (Ewan McGregor), Thomas «Tommy» MacKenzie (Kevin McKidd) und Daniel «Spud» Murphy (Ewen Bremner) standen im Zentrum des schottischen Kultklassikers «Trainspotting» von Danny Boyle. Weil seine Figur an den Folgen einer HIV-Infektion gestorben ist, ist Kevin McKidd in «Trainspotting 2» nicht mehr dabei; seinen Platz auf dem Marketing-Material nimmt Schläger Francis «Franco» Begbie (Robert Carlyle) ein. Jonny Lee Miller (43): Ein Hollywood-A-Lister wurde aus dem Engländer nie, doch mit der Rolle des Jordan Case in der fünften Staffel von «Dexter» und aktuell als Sherlock Holmes in «Elementary» hat sich Miller in den letzten Jahren wieder ins Gespräch gebracht. Ewan McGregor (45): Seit «Trainspotting» ist der Schotte kaum aufzuhalten. 1999 war er erstmals als Obi-Wan Kenobi in den «Star Wars»-Prequels zu sehen, 2001 spielte er mit Nicole Kidman im Musical «Moulin Rouge!», 2005 folgte der Michael-Bay-Blockbuster «The Island» mit Scarlett Johansson und aktuell ist er mit dem Spionage-Thriller «Our Kind of Traitor» im Kino. Robert Carlyle (55): Wer kein Film-Crack ist, dem sagt der Name des Schotten wohl nicht wirklich etwas. Die Chancen, dass Sie ihn in einem Streifen entdecken, der spätnachts auf einem Privatsender wiederholt wird («The 51st State» oder «The Tournament» zum Beispiel), stehen ziemlich hoch. Schön, dass Carlyle nun wieder mal in einer vielbeachteten Produktion mitspielen darf. Ewen Bremner (44): Der Schotte hatte seither viele kleine Rollen in grossen Filmen wie «Snatch» (2000), «Pearl Harbor», «Black Hawk Down» (beide 2001), «Death at a Funeral» (2007), «Jack the Giant Slayer» und «Snowpiercer» (beide 2013). Und so sehen Spud, Renton, Sick Boy und Begbie heute aus. Warum sie 20 Jahre später wieder am Bahngleis stehen und finster dreinblicken, erfahren wir spätestens am 26. Februar, wenn «T2: Trainspotting 2» in die Deutschschweizer Kinos kommt.

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Der erste Teaser zu Regisseur Danny Boyles «Trainspotting 2» ist da und zeigt wenig, weckt aber gleichzeitig eine Menge Erwartungen und Erinnerungen.

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In Anlehnung an eine der vielen berühmten Einstellungen aus dem 1996er-Original fährt ein Zug durchs Bild und gibt schliesslich die Sicht frei auf Daniel «Spud» Murphy (Ewen Bremner), Mark «Rent Boy» Renton (Ewan McGregor), Simon «Sick Boy» Williamson (Jonny Lee Miller) und Francis «Franco» Begbie (Robert Carlyle).


(Quelle: Youtube/Sony Pictures Switzerland)

Keine «Porno»-Verfilmung

Respektive für «T2», wie Boyle das Sequel getauft hat – James Cameron, dessen zweiter «Terminator»-Streifen ebenfalls mit «T2» abgekürzt wird, scheint nichts dagegen zu haben. Über die Handlung des zweiten «Trainspotting»-Films ist nichts Konkretes bekannt, doch soll sie lose auf dem Buch «Porno» basieren, dem Nachfolge-Roman von «Trainspotting», ebenfalls geschrieben vom schottischen Autor Irvine Welsh (der erneut in die kleine Rolle des Mikey Forrester schlüpft).

Darin treffen die Charaktere des Originals neun Jahre später wieder aufeinander, wobei sie diesmal durch ihr Engagement im Porno-Business statt durch die Heroinsucht zusammengerottet werden. Da seit dem «Trainspotting»-Film aber nicht neun, sondern mittlerweile 20 Jahre verstrichen und die Figuren auch dementsprechend gealtert sind, hat Drehbuchautor John Hodge das Skript umgeschrieben und laut Boyle basiere der Streifen nun nur noch lose auf der Story von «Porno».

Damals und heute

Worum wird sich «Trainspotting 2» also drehen? Natürlich einerseits um die Leben von Renton, Spud, Sick Boy und Begbie zwei Dekaden später. Aber was das Original zu solch einem wichtigen Film gemacht hat, sind die Themen, in die die Story eingebettet ist.

Drogen:
Heroin ist es, was die Figuren antreibt. Am Ende von «Trainspotting» hängen die Hauptfiguren nach wie vor an der Nadel oder versorgen Süchtige mit Stoff. 20 Jahre später sind Drogen mindestens so aktuell – vielleicht sind Renton und die Jungs einfach auf Kokain umgestiegen, das hinterlässt keine lästigen Einstiche. Oder einige von ihnen sind tatsächlich clean und flüchten stattdessen auf andere Art vor der Realität, schliesslich gibt es heute das Internet mit all seinen Verlockungen.

Riskantes Sexualverhalten:
Ungeschützter Sex und die damit einhergehende Gefahr einer Ansteckung mit HIV waren Thema in «Trainspotting» – wobei Krankheiten auch durch unsaubere Injektionsnadeln übertragen werden können. Die Präventionsarbeit hat die Leute in den vergangenen 20 Jahren sensibilisiert, doch wer ein riskantes Sexualverhalten an den Tag legt, handelt vielleicht auch heute noch gegen den gesunden Menschenverstand und pfeift aufs Kondom. Ob die Charaktere etwas aus Tommys Aids-Tod gelernt haben?

Schottischer Nationalstolz:
Einer der berühmtesten Sätze aus dem Original lautet: «It's shite being Scottish!» («Es ist beschi**en, ein Schotte zu sein!»). Als Grund gibt Renton an, dass Schottland von Engländern kolonialisiert worden sei, von «Wichsern». Das Thema ist heute aktueller denn je, schliesslich stimmten die Schotten erst vor knapp zwei Jahren über die mögliche Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich ab; gut 55 Prozent sprachen sich gegen eine Abspaltung aus. Nach dem Ja zum Brexit Ende Juni kündigte die schottische Regierung an, ein neues Unabhängigkeits-Referendum vorbereiten zu wollen – identifizieren sich die Schotten 2016 also mehr mit ihrem Land als noch 1996?

Popkultur:
Weniger ein Thema und mehr ein Stilmittel war der knallige 1990er-Musikvideo-Look, den «Trainspotting» hatte und der einen gewollten Gegensatz zur dreckigen Handlung darstellte. Aktuelle Videoclips haben keinen solch spezifischen Stil mehr, dieses Element wird Danny Boyle für «T2» also kaum mehr verwenden können. Neben dem Film ebenfalls zum Kult wurde dessen Soundtrack, der Rock-Klassiker (Iggy Pops «Lust For Life») mit dem 1996 schwer angesagten Britpop (Blurs «Sing») sowie Underground-Clubmusik (Underworlds «Born Slippy .NUXX») kombinierte. Rock-Klassiker funktionieren auch heute noch, aber Boyle kann sie unmöglich mit aktueller Pop- und Tanzmusik mixen – oder würden Sie in «T2» gerne Taylor Swift und Skrillex hören?

Abzuschätzen, wie «Trainspotting 2» wird, ist sehr schwierig. Dass der Film wie sein Vorgänger zum Kultfilm avanciert, darf bezweifelt werden. Aber Hauptdarsteller Ewan McGregor, dessen Karriere mit «Trainspotting» erst richtig in Fahrt kam, bezeichnete das Drehbuch kürzlich als «sehr, sehr, sehr gut». Und Kollege Carlyle verspricht: «Der Film wird euch zum Grübeln bringen. Ihr werdet euch fragen: ‹Verdammt, was ist bloss mit meinem Leben passiert?›» Man darf also gespannt sein.

«Trainspotting 2» (Sony Pictures) läuft voraussichtlich am 26. Februar in den Deutschschweizer Kinos an.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sergio am 27.07.2016 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    WARUM?

    Um Gottes Willen! Gab es denn einen zweiten Teil von Pulp Fiction? Oder Easy Rider? Nicht jeder Film muss stumpfsinniger weise kommerziell ausgeschlachtet werden. Lasst doch den Film wie er ist stehen, er ist schon ein Meisterwerk, mit einem zweiten Teil könnte ihr den Status nur vermiesen. Dann heisst es wie so oft "der erste war ja super, aber der zweite war einfach nur grottenschlecht". Es scheint dass alles ein Ende hat, nur die Fantasielosigkeit der Filmproduzenten offenbar nicht!

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  • Mario Theus am 27.07.2016 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Man wird Teil 1 nicht toppen können. Punkt aus, basta!

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  • Rex Aragon am 27.07.2016 14:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

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    macht süchtig!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pascal am 29.07.2016 00:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mutiger Versuch

    Ob das was wird. Sich für einen zweiten Teil an so einem Kult-Film aus zu probieren ist mutig. Es kann in beide Richtungen gehen. Grandios oder Sch...

  • Bobby Wagner am 28.07.2016 23:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig ...

    Einfach absolut unnötig Fortsetzungen von solchen Kultfilmen zumachen. Man Zerstört dadurch den Spirit/Drive/Zeitgeist von solchen Meisterwerken. Man stelle sich vor es gäbe ein Life of Brian 2, Ritter der Kokosnuss 2 ...

  • Mc Gregory am 28.07.2016 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    Vorfreuede

    Fortsetzungen sind oft schon fast mode und kommen nur selten an den ersten Teil ran. Aber diesmal freue ich mich wieder mal so richtig darauf.

  • Mario Theus am 27.07.2016 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Man wird Teil 1 nicht toppen können. Punkt aus, basta!

    • Manu am 28.07.2016 23:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mario Theus

      Lieber eine Fortsetzung als eine Neuverfilmung wie das bei vielen Klassikern jetzt leider der Fall ist.

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  • Rex Aragon am 27.07.2016 14:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

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