Kinostarts der Woche

27. Juni 2019 12:59; Akt: 27.06.2019 12:59 Print

Haustiere vs. Aussteiger vs. Kriegsopfer

von Mohan Mani - Die Filme «Pets 2», «Le grand bain – Ein Becken voller Männer» und «They shall not grow old» treten ab Donnerstag im Kino gegeneinander an.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Animation-Fortsetzung «Pets 2» erzählt eigentlich drei Geschichten: Einerseits muss der Jack-Russell-Terrier Max mit einem neuen Mitbewohner klarkommen, mit dem er nie und nimmer gerechnet hätte … und bei einem Landausflug tut Max alles, um den Neuankömmling Liam zu beschützen. Anderseits muss sich zuhause in Manhattan die Spitz-Dame Gidget für eine Rettungsaktion als Katze verkleiden. Und dann wäre da noch der Hase Snowball, der in bester Superhelden-Manier einen weissen Zirkustiger retten will, der von einem schwarzen Direktor, seinem noch schwärzeren Äffchen und schwärzesten Wölfen gejagt wird.

Fortsetzung für Kids

So sehr die «Pets»-Animationskomödien auch am Marketing-Reissbrett konstruiert sind – Landliebe-Story 1 für alle, City-Story 2 für die Mädchen und City-Story 3 für die Jungs –, so unterhaltsam kommt das Familienabenteuer im Gesamtpaket daher. Insbesondere Kinder werden an dieser Fortsetzung wie schon im Sommer 2016 bei Teil Eins ihre helle Freude haben, während sich erwachsene Begleitpersonen da und dort etwas mehr dramaturgischen Feinschliff à la Pixar wünschten.

Parodierte Tierverhaltensweisen

Am besten ist der jüngste programmierte Illumination-Studios-Hit immer dann, wenn er sich selbst nicht ganz ernst nimmt, den Tieren freie Bahn lässt und typische Tierverhaltensweisen parodiert. Wenn etwa Gidget die Unterschiede zwischen Katzen und Hunden lernt und sich zuletzt auf einem Saugroboter durch die Menge chauffieren lässt, dann lacht der ganze Kinosaal mit.

Ebenfalls ab Donnerstag: «Le grand bain – Ein Becken voller Männer»

Da im Kino fast alle Träume in Erfüllung gehen, schliesst sich der schwerst depressive Mitvierziger Bertrand (Mathieu Amalric) einem Team männlicher Synchronschwimmer an. Jeder seiner neuen Schwimmkollegen (u.a. Guillaume Canet, Benôit Poelvoorde und Jean-Hugues Anglade) nutzt das Training, um auf die eine oder andere Weise vor den eigenen Problemen zu fliehen. Gemeinsam fühlt Mann sich stark und plant gar eine Teilnahme an der internationalen Synchronschwimm-WM.

Flucht vor dem Alltag

So vorhersehbar und insbesondere im Mittelteil etwas langatmig die Story ist, sie macht nicht zuletzt wegen der handverlesenen Rollenbesetzung mit französischen Stars Spass. Die Story erinnert nicht nur an die britische Erfolgskomödie «The Full Monty», sondern fast noch mehr an die thematisch ähnlich gelagerte Tragikomödie «Swimming with Men». Letztlich geht’s in allen Filmen um die Flucht vor dem Alltagstrott. So gesehen spendet auch «Le grand bain» viel Hoffnung und Trost.

Eindringlich: «They shall not grow old»

Unglaublich, aber wahr: Nach Jahren als blutrünstiger Splatter-Movie-Macher und oscargekrönter «The Lord of the Rings»-Geschichtenerzähler erfindet sich der Neuseeländer Peter Jackson nun als Dokumentarfilmer neu. Schwarzweissaufnahmen führen direkt zum 4. August 1914, als Grossbritannien dem Deutschen Reich den Krieg erklärte. Und dann plötzlich … werden die Schwarzweissbilder mit dem Beginn der eigentlichen Kriegsgreuel farbig, gestochen scharf und leinwandfüllend. Ähnlich wie bei Steven Spielbergs «Saving Private Ryan»-Intro wird man direkt an den Ort des Geschehens katapultiert und erlebt die Bestie Krieg anhand aufwendig nachbearbeiteter Archivaufnahmen so eindringlich wie noch nie. Eine Erfahrung, die selbst nach dem Kinobesuch lange nachhallt: höchst unbequem, aber teuflisch gut.

Mehr Kino-Infos am Donnerstag in der «20 Minuten»-Printausgabe.