Kernschmelze

14. März 2011 13:22; Akt: 13.04.2011 13:23 Print

Hollywood spielt den GAU schon lange vor

Dass man sich bei Bildern explodierender AKW an Kinofilme erinnert, ist kein Zufall: Immer wieder thematisierte die Filmindustrie die Auswirkungen atomarer Verstrahlung.

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1979 kam in den USA mit «The China Syndrom» ein Klassiker zum Thema in die Kinos. Mit Jane Fonda, Jack Lemmon und Michael Douglas in den Hauptrollen wird ein Unfall in einem Kernkraftwerk gezeigt, der beinahe zu einer Kernschmelze führt. Brisanz erhielt der Film durch den Reaktorunfall im Kernkraftwerke Three Mile Island, der knapp zwei Wochen nach dem Kinostart erfolgte.

Menschlich noch brisanter war 1983 Mike Nichols' nach einer wahren Begebenheit gedrehter Film «Silkwood» mit Meryl Streep als Chemie-Technikerin. Diese arbeitet in einer Brennelementefabrik, in der es immer wieder zu Unfälle mit radioaktiven Stoffen kommt, die von den Verantwortlichen heruntergespielt werden.

Karen Silkwood beginnt sich, sekundiert von ihrer Freundin Dolly (Cher), in der Gewerkschaft zu engagieren und Beweise zu sammeln. Sie stirbt unter ungeklärten Umständen auf dem Weg zum Treffen mit einem Reporter, dem sie ihre Unterlagen übergeben will.

Tschernobyl

In Deutschland wurde 2006 der Schulbuchklassiker «Die Wolke» von Gudrun Pausewang verfilmt. Nach einem Störfall in einem Kraftwerk kommt es zum GAU. Die Schülerin Hannah (Paula Kalenberg) versucht daraufhin, zu ihrem kleineren Bruder zu gelangen, doch der kommt auf der Flucht mit dem Fahrrad ums Leben und Hannah selbst wird kontaminiert.

In «Innocent Saturday» von Aleksandr Mindadze, der im Wettbewerb der Berlinale lief, versucht der junge Parteifunktionär Valerij am Samstag, 26. April 1986, Tschernobyl nach dem dramatischen Reaktorunfall zu verlassen; er scheitert jedoch an den Parteioberen, die an diesem scheinbar ruhigen Wochenende den Alltag beschwören.

Lieber Krieg als Unfall

Insgesamt scheinen Filmemacher aber Atomwaffen gegenüber Kernkraftwerken zu bevorzugen: So bündelt sich Japans Atomangst in der Erschaffung des Übermonsters Godzilla, das seit seinem ersten Filmeinsatz 1954 in 27 weiteren Werken zu sehen war.

Entstanden durch Atomtests der US-Amerikaner an der japanischen Küste, zeigt sich das bis zu 100 Meter hohe Ungetüm dabei meist als eine Art Dinosaurier, bisweilen mit der Fähigkeit, selbst einen nuklearen Strahl auszusenden.

Bereits im Mutter-Streifen «Godzilla» verwüstet der Saurier 1954 Tokio. 1998 griff auch Roland Emmerich in Hollywood den Mythos mit seinem «Godzilla»-Film auf - wobei hier die Mutation von Echseneiern französischen Atomtests geschuldet ist.

Apokalypse

Weniger mit der Auswirkung eines Atomkriegs auf Echsen als auf die Menschen beschäftigt sich 1959 «On the Beach» mit Gregory Peck, Ava Gardner und Fred Astaire. In einer vom Atomkrieg zerstörten Welt ist nurmehr für kurze Zeit in Australien ein Überleben möglich.

Widrigkeiten der anderen Art hat Scott Carey zu vergegenwärtigen, als er in «The Incredible Shrinking Man» 1957 in eine atomare Wolke gerät und sukzessive auf Atomgrösse schrumpft.

1965 (und 1983 bei der Neuverfilmung) zeigte «The Day After» die Vorgeschichte eines Szenarios, in dem die beiden Supermächte zum Atomschlag ausholen, bis hin zum Krieg selbst und dessen Folgen.

(sda)