Biopic «Rocketman»

18. Mai 2019 20:22; Akt: 18.05.2019 20:22 Print

Hollywood traut sich an schwule Sexszenen

von C. Steiner - Megastar, Paradiesvogel, musikalisches Genie und traurige Seele: Mit dem Biopic «Rocketman» setzt sich Elton John selbst ein Krönchen auf. Ein sehr unterhaltsames.

Der Künstler hinter der Maske: Taron Egerton als Elton John in «Rocketman». Quelle: Paramount Pictures
Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Messlatte für Filme über musikalische Genies liegt seit dem Megaerfolg von «Bohemian Rhapsody» hoch. Die Filmbranche reibt sich immer noch verwundert die Augen: Über 900 Millionen Dollar spielte das Drama über Queen-Sänger Freddie Mercury vergangenen Herbst ein. Oben drauf gab's vier Oscars.

Umfrage
Gehen Sie oft ins Kino?

Die Erwartungen an den Film «Rocketman», der am Donnerstag Weltpremiere am Cannes Film Festival feierte, sind entsprechend hoch. Zwar will das Biopic über Elton John ebenfalls gefallen. Es ist aber eindeutig wilder, exzentrischer und expliziter als «Bohemian Rhapsody».

Sex, Drogen, Bulimie

Der Film beginnt mit einem Paukenschlag: Elton John, weltweit gefeierter Popstar, checkt in eine Entzugsklinik ein, gekleidet in einen knallorangen Glitzerfummel. In einer Gruppensitzung gibt er bekannt, was ihm alles Probleme bereitet: Alkohol, Kokain, Sex, Bulimie. Ein Mann, den Millionen Menschen verehren, der sich selbst aber nicht lieben kann.

In Rückblenden erzählt Regisseur Dexter Fletcher in seinem Musical, wie aus dem kleinen Jungen Reginald Dwight eine der grössten Ikonen des Popgeschäfts wurde. Parallel zu seinem Aufstieg zeichnet er den privaten Absturz des Ausnahmekünstlers nach, den erst ein Alkoholentzug im Jahr 1990 bremste.

Elton Johns Klassiker tragen den Film

20 ikonische Songs bilden den Rahmen des Films, der sich in einer Art Diskokugel-Fantasie dem Phänomen Elton John annähert. In einer der beeindruckendsten Szenen, die den Moment von Johns Durchbruch im legendären Troubadour Club in Los Angeles dramatisieren, heben die Zuhörer zu den Klängen von «Crocodile Rock» wortwörtlich vom Boden ab. Die grösste Stärke des Films sind denn auch die zeitlosen Klassiker wie «Your Song» oder «Rocketman» aus der Feder des heute 72-Jährigen, der hier auch als Executive Producer fungierte.

Gleichgeschlechtlicher Sex

Vermutlich ist es auch dem Einfluss von John zu verdanken, dass sich erstmals ein grosser Studiofilm an eine explizite Sexszene zwischen zwei Männer traut. Taron Egerton (Elton John) und Richard Madden (als sein Manager und Liebhaber John Reid) sind vollkommen nackt, wenn sie sich im Bett wälzen und küssen. Die Szene endet mit dem Paar in der Missionarsstellung. Und ebnet hoffentlich den Weg für mehr gleichgeschlechtlichen Sex im Blockbuster-Kino.

«Rocketman» startet am 30. Mai in den Schweizer Kinos.