Kinostarts der Woche

21. Februar 2019 11:39; Akt: 21.02.2019 11:39 Print

Von Homos, Heteros und Winzlingen

von Mohan Mani - «Boy Erased» mit Lucas Hedges, «Vice» mit Christian Bale und «Minuscule 2» spielen ab Donnerstag im Kino.

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«Fake it till you make it!» kriegen die Jungs im christlichen Umerziehungscamp zu hören. Zu deutsch etwa: «Täusch es vor, bist du es bist!» – Auch der 18-jährige Jared Eamons («Manchester by the Sea»-Star Lucas Hedges) muss auf Wunsch seiner streng religiösen Eltern (Russell Crowe/ Nicole Kidman) versuchen, sich während zwölf Tagen vom Homo zum Hetero umzupolen. Der Anstaltsleiter Victor Sykes (Autor und Regisseur Joel Edgerton) hat zwar selbst keinerlei psychologische Ausbildung, nötigt seine Jungs und deren Eltern dazu, möglichst lange an seinem privatwirtschaftlich finanziertem Therapieprogramm teilzunehmen. Und mangels Alternativen willigen die meisten Erziehungsberechtigten nur schon deshalb ein, weil sie mit der Homosexualität ihres Nachwuchses völlig überfordert sind.

Religiös motivierte Homo-Verteufelung

Was sich anhört wie eine düstere Science-fiction-Fantasie, ist in 36 US-Bundesstaaten noch immer legal und oft genug eine bittere Realität. Auch Garrard Conley zählte zu den minderjährigen Homosexuellen, welche unmenschliches Leid erfahren mussten. Seine Erinnerungen hat Conley in der New York Times und in Form des Bestsellers «Boy Erased» veröffentlicht. Dessen Verfilmung kommt erstaunlich nuanciert daher. Während andere Anstalts- und Gefängnisfilme die Qualen dramatisch zuspitzen und einem zentralen Bösewicht zuschreiben, wirkt dieses Schicksalsgeschichte in ihren leisesten Momenten am eindringlichsten. So erfährt man etwa ganz nebenbei, dass sich eine Figur das Leben genommen hat. Ein dramaturgisches Highlight ist Jareds Konfrontation mit seinem Vater, der sich spätestens dort bewusst wird, wieviel Leid die religiös motivierte Verteufelung jeglicher Form von Homosexualität in eigentlich nächst- und selbstliebenden Menschen anrichten kann.

«Vice»: Abrechnung mit US-Vize Dick Cheney

Nach seiner Finanzkrisen-Satire «The Big Short» knöpft sich der Regisseur Adam McKay den mächtigsten US-Vizepräsidenten aller Zeiten vor: Christian Bale verkörpert den Strippenzieher Dick Cheney auf bestechende Art. Die ebenso kurzweilige, wie leicht verständliche Inszenierung macht über weite Strecken hinweg Spass, spaltet aber mit zunehmender Laufzeit das Publikum. Zudem fördert die Groteske insbesondere für europäische Zuschauer nix Neues zutage. Die Abrechnung mit Trump, Fast & Furious nach dem Titelabspann ist aber lohnenswert.

«Minuscule 2»: Kunterbuntes Insekten Getröte

Seit der erste «Minuscule»-Langfilm zum Kinohit geriet, war eine Fortsetzung bloss eine Frage der Zeit. Die Kombination computergenerierter Glubschaugen-Insekten mit Realfilmszenerien funktioniert auch diesmal perfekt. Und dann ist da noch die Kommunikation mittels Tröt-Geräuschen, welche ihrerseits zum Handlungsverständnis beitragen. Alles in allem eine runde Sache.

Mehr Kino-Infos und Sternli-Bewertung am Donnerstag in der «20 Minuten»-Printausgabe.