Natascha Beller

28. August 2019 12:12; Akt: 28.08.2019 12:12 Print

«Ich wollte, dass die Männer sich ausziehen»

von C. Steiner - Regisseurin Natascha Beller hat eine schräge Komödie über Samenklau und Torschlusspanik gemacht. Die Szenen sind aus dem Leben gegriffen.

Der Trailer zu «Die fruchtbaren Jahre sind vorbei». (Video: Cineworx)
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Leila quatscht im Club mit einem Typen. Die beiden verstehen sich, flirten miteinander. Dann sagt sie ihm, wie alt sie ist. Und er dreht sich wortlos um und lässt sie stehen.

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Was ihrer Hauptfigur in «Die fruchtbaren Jahre sind vorbei» passiert, hat Regisseurin Natascha Beller (37) genau so erlebt. Aus dieser und vielen anderen Geschichten rund ums Daten mit über 30 hat sie eine schräge und temporeiche Komödie gemacht, in der Sperma geklaut wird, Mütter sich mit der neuen Rolle schwertun und Männer zu Sexobjekten degradiert werden.

Sehr unkonventionell, sehr unschweizerisch. Und sehr lustig. Wir haben mit der Tochter von Bauunternehmer und Reality-TV-Star Walter Beller, die neben ihrer Filmarbeit auch Gags für die SRF-Show «Deville Late Night» schreibt, über ihr Regiedebüt gesprochen.

Natascha, welche Frage kannst du nicht mehr hören?
Ob ich Kinder haben will. Das werde ich jetzt in allen Interviews gefragt. Das nervt mich.

Weil Männer das nie gefragt werden?
Genau. Das ist Sexismus, der immer noch stark verankert ist. Frauen mit Kindern werden auch gefragt, ob sie einen Filmjob annehmen können. Männer fragt das keiner.

Kennst du Frauen, die um jeden Preis ein Baby wollen?
Natürlich nicht so extrem. Im Film ist das sehr überspitzt. Aber ich habe eine Bekannte, die mit ihrem Freund nach zehn Jahren Schluss gemacht hat, weil er kein Kind wollte. Eine andere überlegt sich, mit ihrem schwulen Kollegen ein Kind zu zeugen, weil sie gerade keinen Mann findet. Das ist also ein Thema.

Was für Erfahrungen hast du beim Dating über 30 gemacht?
Ich war nicht lange single, bin schon lang in einer Beziehung. Für den Film ging ich aber mal zum Speed-Dating. Ich fand das wahnsinnig anstrengend. Man muss sich für 11 Männer jeweils neu verkaufen. Ich hatte früher aber auch schöne Dates.

Du wurdest aber mal im Club abserviert.
Ja, der Typ hat mich gefragt, wie alt ich bin. Ich sagte 32. Und dann ist er einfach abgehauen, ohne Ciao zu sagen. So kam auch die Idee zu diesem Film.

Warum hast du eigentlich keine Filmförderung bekommen?
Schwer zu sagen, die Absagen waren sehr unterschiedlich. Eins ist mir hängen geblieben. Ein älterer Herr fragte mich am Telefon, ob das Singlesein mit über 30 überhaupt ein Thema sei. Er hatte das Gefühl, das betreffe niemanden. Ich wusste gar nicht, was ich darauf antworten sollte.

Du zeigst viel Sex im Film. Wolltest du einen provokativen Film machen?
Nein, aber beim Thema Kinderzeugen gehört Sex nun mal dazu. Ich wollte die Sexszenen aber lustig inszenieren und nicht so kitschig. Erst im Schnitt habe ich gemerkt, dass es doch recht viel Sex im Film hat. Das finde ich aber okay.

Bei dir sind die Männer Sexobjekte und oft nackt. Musstest du die Schauspieler dazu überreden?
Lustigerweise nicht. Ich habe das bewusst umgekehrt, sonst ist es ja die Frau, die nackt sein muss. Ich wollte, dass das mal die Männer machen. Drei Sätze reden und sich dann ausziehen. Aber alle Schauspieler haben zugesagt.

«Die fruchtbaren Jahre sind vorbei», ab 29. August im Kino.