Macho-Branche

29. Juli 2014 06:53; Akt: 29.07.2014 06:53 Print

In Hollywood haben Frauen nichts zu melden

Ein Filmproduzent hat 2000 Blockbuster auf ihre Rollenverteilung analysiert. Das Ergebnis: In Hollywood regieren die Männer, Frauen sind nur schmuckes Beigemüse.

Bildstrecke im Grossformat »
In Hollywoods Traumfabrik haben die Männer das Sagen. Frauen sind meistens nur für die Ausstattung vor und hinter der Kamera zuständig, das belegen aktuelle Zahlen zur Frauenquote in der US-Filmbranche. Besonders in Schlüsselpositionen (Regisseure, Autoren und Produzenten) findet man nach wie vor viel mehr Männer als Frauen. Daran änderte offenbar auch Kathryn Bigelow nichts. Die Regisseurin gewann 2010 mit dem Kriegsdrama «The Hurt Locker» den Oscar für die beste Regie - als erste Frau überhaupt. Der britische Autor und Filmproduzent Stephen Follows veröffentlichte vor kurzem die schockierenden Ergebnisse seiner Studie zur Geschlechtertrennung in Hollywood auf seinem . 2000 Filme aus den letzten 20 Jahren nahm er unter die Lupe. Das Ergebnis: Nur 23 Prozent der Beteiligten waren weiblich. Der weiblichste Film der letzten zwanzig Jahre war übrigens «Mean Girls» von und mit Tina Fey. Rund 42 Prozent der Filmcrew waren weiblich. Ebenfalls 42 Prozent weibliche Crewmitglieder hatte der Film «The Sisterhood of the Traveling Pants». Und auch im Tanzstreifen «Honey» mit Jessica Alba bestand die Crew aus 42 Prozent Frauen. Dass es sich dabei mehrheitlich um Frauenfilme handelt, ist wenig erstaunlich. Laut der Studie findet man in Tanz- und Musicalfilmen mehr Frauen als in Science-Fiction-Produktionen, Actionfilmen oder Thrillern. Der männlichste Film aus den letzten zwanzig Jahren ist übrigens Steven Seagals «On Deadly Ground». Gerade mal zehn Prozent der Crew waren weiblich. Das Gleiche gilt für den Animationsstreifen «Robots». Bei dieser Produktion war nur jedes zehnte Cremitglied eine Frau. Die stereotype Geschlechtertrennung in den Filmgenres zieht sich also auch hier weiter. Eine der wenigen, die es in Hollywood sowohl als Schauspielerin wie auch als Autorin und Regisseurin geschafft hat, ist Julie Delpy. Doch ihr Weg war steinig. Dem sagte sie einmal, dass Regie bedeute, «Entscheidungen zu treffen, gut organisiert zu sein, rational. Es gibt immer noch eine Menge Leute, die glauben, dass Frauen darin von Natur aus nicht gut seien. Besonders in Hollywood. Aber viele Frauen glauben das auch selbst, weil ihnen eingeimpft wurde, dass sie so etwas nicht können.» Schauspielerin Geena Davis kämpft seit Jahren gegen die Diskriminierung der Frauen in der Filmbranche. 2007 gründete sie deshalb auch das Geena Davis Institiute of Gender in the Media.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Als Frau hat man es in der Traumfabrik Hollywood nicht leicht. Traditionell ist man schmuckes Beigemüse, ob als Bond-Girl, Geliebte oder Hausfrau. Zwar ist dies nicht immer der Fall, doch eine neue Studie zeigt: In der US-Filmbranche steckt die Gleichberechtigung von Mann und Frau noch in den Kinderschuhen. Besonders in grossen Blockbusterproduktionen sind Frauen kaum vertreten.

Der britische Autor und Filmproduzent Stephen Follows veröffentlichte die schockierenden Ergebnisse seiner Studie zur Geschlechtertrennung in Hollywood auf seinem Blog. 2000 Filme aus den letzten 20 Jahren nahm er unter die Lupe. Das Ergebnis: nur 23 Prozent der Beteiligten waren weiblich und ein Trend nach oben ist laut Follows nicht in Sicht. 2013 war der Frauenanteil mit 21,8 Prozent sogar geringer als 1994 mit 22,7 Prozent.

Interessant ist auch die Verteilung der Geschlechter auf die Arbeitsbereiche hinter der Kamera. In Sparten wie Make-up und Kostüm ging die Zahl der Frauen nach oben, bei technischen Berufen ging die Anzahl weiblicher Mitarbeiter zurück.

Wo sind die weiblichen Regisseure?

Erschreckend ist die Geschlechtertrennung in den kreativen Bereichen. Schlüsselpositionen wie Regisseur, Autor und Produzent blieben über die letzten 20 Jahre fest in Männerhand. Lediglich 5 Prozent der Regisseure, 11 Prozent der Autoren und 20 Prozent der Produzenten waren weiblich.

In den Filmgenres geht es Follows Studie zufolge ähnlich stereotypisch weiter: So findet man in Musical- und Tanzfilmen – wen wunderts – die meisten weiblichen Crewmitglieder, während es in Science-Fiction-Produktionen, Actionfilmen und Thrillern kaum Frauen hat.

Ähnliche Resultate lieferte auch 2013 der Celluloid Ceiling Report. Demnach wurden gerade einmal 6 Prozent der Top 250 Filme aus dem vergangenen Jahr von einer Regisseurin inszeniert, und das obwohl es als gutes Zeichen angesehen worden war, dass Kathryn Bigelow 2010 als erste Frau überhaupt für «The Hurt Locker» den Oscar für die Beste Regie erhalten hatte. Einen Aufschwung brachte das jedoch nicht. Der «Celluloid Ceiling Report» ermittelt seit 1998 die Frauenquote in der Filmbranche. Die Einstellung der männerdominierten Branche scheint festgefahren, und von einer angemessenen Frauenquote scheint Hollywood auch im 21. Jahrhundert weit entfernt.

«Frauen wird eingeimpft, dass sie so etwas nicht können»

Doch warum ist das so? Schauspielerin Julie Delpy, die auch als Drehbuchautorin und Regisseurin arbeitet, weiss warum. Dem Kulturspiegel sagte sie einmal, dass Regieführen bedeute, «Entscheidungen zu treffen, gut organisiert zu sein, rational. Es gibt immer noch eine Menge Leute, die glauben, dass Frauen darin von Natur aus nicht gut seien. Besonders in Hollywood. Aber viele Frauen glauben das auch selbst, weil ihnen eingeimpft wurde, dass sie so etwas nicht können.»

Eine engagierte Verfechterin der Frauenquote in Hollywood ist Schauspielerin Geena Davis. 2007 gründete sie das Geena Davis Institute on Gender in the Media und kämpft seither für die Gleichberechtigung von Frauen in der Filmbranche. Doch offenbar hat sich auch den neusten Zahlen zufolge kaum etwas hinter den Kulissen der Traumfabrik verändert.

(isa)