Kinostarts der Woche

17. April 2019 20:15; Akt: 17.04.2019 20:15 Print

Justizkrimi, Gruseltrip oder Gaunercoup gefällig?

von Mohan Mani - Ab Donnerstag spielen «Der Fall Collini» mit Elyas M'Barek, «The Curse of la Llorona» und «The King of Thieves» mit Michael Caine im Kino.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Über 30 Jahre lang hat der 70jährige Italiener Fabrizio Collini (Franco Nero) unbescholten in Deutschland gearbeitet und dann tötet er im Justizdrama «Der Fall Collini» anscheinend grundlos den angesehenen Grossindustriellen Hans Meyer (Manfred Zapatka) in dessen Berliner Hotelsuite. Und jetzt soll ihn ausgerechnet Anwalt Caspar Leinen (Elyas M‘Barek) verteidigen. Dieser hat via Collinis Tochter Johanna (Alexandra Maria Lara) eine Vorgeschichte und möchte den Fall wegen Befangenheit abgeben. Da ihm dies verwehrt wird und Collini eisern schweigt, entwickelt sich Caspars erster grosser Fall zum Himmelfahrtskommando.

Eine emotionale Achterbahnfahrt

Der «Fack ju Göhte»-Publikumsmagnet Elyas M’Barek scheint auf den ersten Blick bestimmt nicht die richtige Wahl, um in der Verfilmung von Ferdinand von Schirachs Bestsellerroman die männliche Hauptrolle zu spielen. Doch weit gefehlt: M’Barek drückt der Figur seinen eigenen Stempel auf, während Franco Neros Schweigen immer unerträglicher wird. Aber wenn er dann mal endlich sein Maul aufreisst, dann entwickelt dieser tatsachenbasierte (!) Justizkrimi nicht zuletzt wegen eingestreuter Rückblenden eine Dynamik, der man sich nur schwer entziehen kann. Hollywood hat schon viele Male aufgezeigt, dass Recht längst nicht immer mit Gerechtigkeit gleichzusetzen ist. Mit seinen wunderbaren Cinemascope-Bildern, einer talentierten Besetzung und dramaturgischer Cleverness wird der Collini-Mordprozess immer mehr zur emotionalen Achterbahnfahrt.

Ebenfalls ab Donnerstag im Kino: «The Curse of la Llorona»

Die verwitwete Sozialarbeiterin Anna will im Gruseltrip «The Curse of Llorona» einer Frau, deren zwei Kinder Spuren von Misshandlung aufweisen, das Sorgerecht entziehen. Bevor Anna jedoch eingreifen kann, sind die Kids tot. Von der verzweifelten Mutter erfährt die allein erziehende Anna, wer wirklich hinter dem ganzen Spuk steckt.

Extrem vorhersehbares Schauermärchen

Nach Poltergeistern («The Conjuring 1-3»), Puppenterror («Annabelle 1-3») und einer dämonischen Nonne («The Nun») gehört die Leinwand nun der «Weinenden»: ein Geist, der aus dem Jenseits zurückkehrt, um anderen Müttern die Kinder abzujagen. Aus der simplen und extrem vorhersehbaren Prämisse entfaltet sich ein Schauermärchen, wie man es schon zu oft gesehen hat. Trotz fähiger Schauspieler und Schocks im Zehnminutentakt sowie einer gekonnten Geräuschkulisse fehlen die neuen Ideen. Und dass die Kirche mit ihrem Weihwasser einmal mehr zur Bekämpfung des Bösen herangezogen wird, ist ebenfalls ein alter Hut.

Weitere Kino-Premiere: «The King of Thieves» mit Michael Caine

Um nicht rastend zu rosten, planen vier betagte Herren (u.a. Michael Caine, Michael Gambon und Jim Broadbent) in ihrem Lieblingspub den grossen Diamanten-Coup, den sie einen Tag vor Karfreitag im Jahre 2015 in die Tat umsetzen. Notabene nicht als eingespieltes «Ocean’s Eleven»-Team, sondern ganz ohne Waffen, dafür mit handwerklichem Geschick und der letztlich ganzen Sympathie der Bevölkerung.

Pure Altstar-Verschwendung

So filmreif dieses Kriminaldrama auch klingt, es erweist sich als schier endloses Durchhaltestück. Hatte die thematisch ähnliche Michael-Caine-Komödie «Going in Style» noch Witz und Pepp, so ist davon hier nichts zu spüren. Echt schade um die Top-Besetzung.

Mehr Kino-Infos und Sternli-Bewertung am Donnerstag in der «20 Minuten»-Printausgabe.