Kinostarts der Woche

26. Dezember 2019 13:05; Akt: 31.12.2019 10:58 Print

Katzenjammer und Flüchtlingsdrama

von Mohan Mani - Das Erfolgsmusical «Cats», aber auch das Drama «Als Hitler das rosa Kaninchen stahl» laufen jetzt in den Schweizer Kinos.

Der Trailer zu «Cats».
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Als «bahnbrechender Kino-Event, der neue cinematografische Massstäbe setzt» wurde die erstmalige Verfilmung von Andrew Lloyd Webbers Musicalerfolg «Cats» unter der Regie von «The King’s Speech»-Macher Tom Hooper im Vorfeld angekündigt. Auch der Filmtrailer versprach ein weihnachtliches Schmankerl par excellence. Der fertige Film ist aber eine blanke Enttäuschung.

Als Live-Show war «Cats» 1981 auf der Höhe der Zeit. Die dünne Story um den Wettkampf mehrerer Vierbeiner um den Aufstieg in den Katzenhimmel, um als Junges wiedergeboren zu werden, faszinierte Kritik und Publikum gleichermassen und machte «Cats» zum weltweiten Kassenrenner. Was auf der Bühne gut funktionierte, langweilt als Kinofilm von Anfang bis Schluss.

Ein alter Hut

So wartet man rund 50 Minuten bis zum ersten Lieder-Ohrwurm («Memories»), den neuzeitliche Jukebox-Musicals (wie «Mamma mia!») Song auf Song servieren. Auch die von Beginn weg singenden Katzen in Miniatur-Menschengestalt sind mit ihren CGI-Schwänzen arg gewöhnungsbedürftig. Hat zuletzt die «The Lion King»-Verfilmung gezeigt, wie genial man heutzutage Tiere fotorealistisch animieren, singen und tanzen lassen kann, so wirkt das «Cats»-Filmmusical wie ein alter Hut. Es bleiben noch die Auftritte von Stars wie Taylor Swift, Rebel Wilson, Idris Elba bis hin zu Sir Ian McKellen und Dame Judi Dench, die sich in ihren Outfits kaum entfalten können. Diesem Möchtegern-Gefühlskitsch können wohl nur eingefleischte Musical- und Katzennarren noch was abgewinnen – alle anderen werden sich diesen Katzenjammer schenken … oder haben den Kinosaal schon vor Filmschluss verlasen.

Ebenfalls neu im Kino: «Als Hitler das rosa Kaninchen stahl»

Berlin 1933: Das Leben der neunjährigen Anna (grossartig: Riva Krymalowski) ändert sich radikal, als ihr jüdischer Vater Arthur (Oliver Masucci) nach Prag und anschliessend Zürich flieht, um den Nazis zu entkommen. Bald muss Anna alles zurücklassen – selbst ihr geliebtes rosa Stoffkaninchen – und muss sich in der Fremde mit Mutter Dorothea (Carla Juri) und Bruder Max (Marinus Hohmann) einem neuen Leben voller Herausforderungen und Entbehrungen stellen.

Nazis und Holocaust kindgerecht thematisiert

Nach ihrem filmischen Überflieger «Der Junge muss an die frische Luft» verfilmte Caroline Link auch den Romanklassiker von Judith Kerr mit viel inszenatorischem Gespür für die Welt der Kinder. Immer wieder findet sie Bilder, Dialoge und Situationen, um schwere Themen wie den Nationalsozialismus oder Holocaust kindgerecht zu streifen. Wenn sich Anna zwischen Stofftieren entscheiden oder mehrmals von ihrem Zuhause verabschieden muss, dann treffen solche Szenen mitten ins Herz.

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