«The Revenant»

04. Januar 2016 16:23; Akt: 04.01.2016 16:23 Print

Leo, jetzt muss endlich der Oscar her!

Allein die Szenen, wie Leonardo DiCaprio von einem Bären verdroschen wird, sind unglaublich. Falls Sie im Januar nur einmal ins Kino gehen wollen, dann bitte zu «The Revenant».

Der Trailer zu «The Revenant». Quelle: Youtube.com
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Es gibt Szenen, die brennen sich tief ins popkulturelle Gedächtnis ein. Etwa, wenn Norman Bates in «Psycho» die Hauptfigur nach nicht mal der Hälfte des Films in der Dusche abschlachtet, oder die minutenlange Vergewaltigungsszene von Monica Bellucci in «Irreversible». Erbarmungslos. Kompromisslos. Unvergesslich.

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In diesen Kanon dürfte auch Leonardo DiCaprios unglaubliche Begegnung mit einem Grizzlybären Einzug halten. Perfekt animiert, wirkt der ungleiche Kampf zwischen Tier und Mensch so realistisch, dass man sich im Kinosessel vor Schmerz windet. Die Kamera ist ganz nah dran, wenn DiCaprio alias Hugh Glass in den Wäldern Missouris fast zu Tode massakriert wird. Nicht ein-, sondern gleich zweimal. Es sind Szenen, in der einem der Mund offen steht.

Realitätsnah und brutal

Der Film gilt als einer der ganz heissen Oscar-Anwärter. Schon letztes Jahr war Regisseur Alejandro González Iñárritu mit «Birdman» der grosse Abräumer beim wichtigsten Filmpreis der Welt.

«The Revenant» basiert auf dem gleichnamigen Roman von Michael Punke und erzählt die relativ simple Geschichte eines Menschen, der von Rache angetrieben einen unglaublichen Lebenswillen entwickelt. Im frühen 19. Jahrhundert verdingt sich Hugh Glass – übrigens eine reale Figur – als Jäger und Wildnisforscher. Als er von einem Bären schwer verwundet wird, zieht seine Kompanie aus Angst vor einer Indianer-Attacke weiter. Lediglich zwei Männer sollen bis zu Hughs erwartetem Tod zurückbleiben und ihn begraben. Doch die machen sich aus dem Staub und lassen ihn allein zurück. Hugh Glass überlebt – und macht sich auf die Suche nach den Verrätern.

Der Streifen besticht mit epischen, fast mediativen Aufnahmen der amerikanischen Wildnis, deren Erhabenheit im Kontrast zur Rohheit der Wilderer steht, der Enge ihrer Herzen, sowie den harten Lebensbedingungen zu jener Zeit. Gedreht wurde an Original-Schauplätzen – und nur mit natürlichem Licht, was einen für Hollywood untypischen Realismus möglich macht. Der Mexikaner Iñárritu, dessen «Birdman» mit einem einzigen sichtbaren Take auskam, setzt auch im neusten Werk auf wenige Schnitte, vor allem im Kampf Mann gegen Mann, was den Western zu einem brutalen und rohen Erlebnis macht. Das hallt noch eine Weile nach.

Zu cool für den Oscar?

Denn als Zuschauer spürt man die Kälte, die Nässe, den Schmerz und die generelle Ohnmacht, der Hugh ausgeliefert ist, in den eigenen Knochen. Und das ist auch das grosse Verdienst von DiCaprio. Die Kamera fängt sein verhärmtes Gesicht immer wieder in Nahaufnahme ein, meilenweit entfernt vom öffentlichen Image des Frauenschwarms DiCaprio, der eine Horde Models auf seiner Jacht um sich schart.

Es ist eine absolut Oscar-reife Leistung. Dass er für die Verleihung im kommenden Februar nominiert wird, gilt als so gut wie sicher. Aber wird es endlich mehr? Der 41-Jährige war bereits viermal nominiert, den Preis gewonnen hat er noch nie. Als er 2014 wieder einmal leer ausging, dazumal für «The Wolf of Wall Street», ortete «Vanity Fair» das Problem darin, dass DiCaprio zu cool sei und zu coole Typen spiele. Diese würden keine Oscars gewinnen. Hugh Glass aber ist quasi die Antithese zum gelackten Börsenmakler Jordan Belford. Damit hat DiCaprio nun die allerbesten Chancen, endlich jene Anerkennung zu bekommen, die längst überfällig ist.

«The Revenant» startet am 7. Januar im Kino.

(cat)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jonalu am 04.01.2016 16:55 Report Diesen Beitrag melden

    Die blinde Jury

    Leo ist ein Ausnahmetalent. Das er noch keinen Oscar bekommen hat (von Gilbert Grape über Shutter Island, Beach etc), zeigt wie wertlos und subjektiv diese Auszeichnung ist (ähnlich dem Nobelpreis)

    einklappen einklappen
  • WARSICS am 04.01.2016 16:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    überfällig

    überfällig. Nicht erst seit WOLF. Auch in Django uva schon verdient als Nebenrolle.

  • Helge Schneider am 04.01.2016 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Gilbert Grape Irgendwo in Iowa

    Vorgestern gesehen und gedacht, warum kein Oscar für Leo? Nur schon für diese Rolle hätte er ihn sicherlich verdient gehabt!

Die neusten Leser-Kommentare

  • fabian mustair am 05.01.2016 08:20 Report Diesen Beitrag melden

    Leo ist zu gut fuer Oscars

    er kriegt keinen Oscar, weil er zu gut ist um in die gleiche Schachtel geworfen zu werden wie ein Nicolas Cage (sorry).

  • Leofan am 05.01.2016 07:28 Report Diesen Beitrag melden

    Leo vor! Noch ein Tor!

    Einige seiner vorhergehenden Schauspielleistungen wären ihn schon wert gewesen. Spontan fällt mir da Shutter Island, Blood Diamond, Gangs of New York und Departed ein. Ich kapier die Oscarjury nicht. Sind die bisschen FIFAmässig drauf? Geld einstecken und dann wird gewählt.

  • laber am 05.01.2016 03:01 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber nicht

    Falls Leo weiter solche tolle Filme wäre es besser wenn er den Oscar nicht gewinnt. In 30 Jahren kann er ihn dann für sein Lebenswerk erhalten.

  • Swisshoopz am 05.01.2016 01:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    True

    LDC wird irgendwann mal einen Lebenspreis bekommen, aber einen Oscar glaube ich kriegt er auch dieses Jahr nicht. Aber ihm ist es auch sicher egal, solang die Gage und der Internet Ruhm stimmt. Ich persönlich mag zwar LDC, finde aber auch, dass noch keine Rolle weltbewegend war.

  • Mario M. am 05.01.2016 00:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oscar Oscar, hört doch auf!

    Warum schreien alle für einen Oscar für di Caprio? Denkt ihr wirklich er ist traurig dass er noch keinen Oscar bekommen hat? Denkt ihr es ist sein Ziel einen Oscar zu erhalten? Denkt ihr denn wirklich ein guter Schauspieler kann man damit messen, ob und wieviele Oscars er erhalten hat? Echte Künstler jagen keinen Auszeichnungen hinterher, di machen einfach gerne ihre Kunst, sei es Film oder Musik etc und lieben es, wenn es ihnen am Schluss gefällt und es das ist was sie tun wollten und nicht was in ein Raster passen muss um irgend einer Jury zu gefallen