Hollywood-Regisseur Marc Forster

10. August 2018 05:41; Akt: 10.08.2018 08:30 Print

«In dieser Welt kann es nicht genug Liebe geben»

Der Schweizer hat einen Disney-Film gedreht, der Erwachsene aufrüttelt. Vier Dinge, die wir von «Christopher Robin» lernen können.

Wir haben in Berlin mit dem Hollywood-Regisseur über seinen neuen Disney-Film gesprochen. (Video: Melanie Biedermann)
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Marc Forster (48) kennt man für schwere Indie-Filme wie «Monster's Ball», der Halle Berry 2001 eine kometenhafte Karriere samt historischem Oscar bescherte. Oder für seinen nicht minder schweren Bond-Beitrag von 2008, «Quantum of Solace».

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Seit der deutsch-schweizerische Regisseur vor knapp dreissig Jahren fürs Filmstudium in die USA ging, drehte er mit Hollywoodgrössen wie Johnny Depp und Kate Winslet («Finding Neverland»), Dustin Hoffman («Finding Neverland» und «Stranger Than Fiction») und Brad Pitt («World War Z») – die Stoffe variierten, blieben tendenziell aber komplex.

Nach viel Schwere gibt es Mindfulness mit Winnie the Pooh

Jetzt drehte Forster eine Fortsetzung zum Kinderbuch-Klassiker «Winnie the Pooh». Der Disney-Dreh ist Neuland für den Hollywood-Regisseur und dennoch auf vielen Ebenen eine Rückkehr zu seinen Ursprüngen.

«Christopher Robin» vereint den magischen Realismus von «Finding Neverland» mit dem Charakter-Chamäleon Ewan McGregor, der bereits 2005 in Forsters Thriller «Stay» als Hauptdarsteller dabei war. Mit Kameramann Matthias Königswieser und Drehbuchautor Alex Ross Perry holte der Regisseur zudem zwei der aufregendsten Hollywood-Talente ins Boot. Very Berry 2001.

Mehr als alles andere scheint Forster mit diesem Film aber sich selber ein bisschen wiedergefunden zu haben. Im Interview in Berlin erklärte er uns, warum es jedem guttun würde, sein inneres Kind etwas näher bei sich zu halten.


Der Trailer zum Film. (Video: Walt Disney)

1. Mit dem Erwachsenwerden schwinden Leichtigkeit und Mitgefühl
«Uns wird gesagt, dass wir als Erwachsene Verantwortung haben und seriöser sein müssen. Da geht das Spielerische verloren. Aber genau da kommt Empathie her», meint Forster. Nicht nur im Umgang mit anderen, sondern auch für uns selbst sei das essenziell. Die aktuelle Newslage – narzisstische Diktatoren und Angst-Gesellschaft – zeige, was fehle.

2. Menschlichkeit ist Herzenssache
«Als Menschheit sind wir alle miteinander verbunden. Diese Verbindung kommt aus dem Herzen heraus, nicht aus dem Kopf.» Poohs roter Pullover stehe für dieses Herz. «Wenn ich mir die Welt so ansehe, kann es nicht genug Liebe geben.»

3. Kinder sind oft weiser, als wir glauben
«Pooh ist sehr lustig, wie ein Kind.» Er trage aber gleichzeitig diese Weisheit in sich, meint Forster: «Er ist eine Figur, die sehr im Jetzt ist.» Wer lebt heute schon noch einfach in den Tag hinein und schaut, was passiert? Dabei ginge das durchaus auch im Rahmen eines geregelten Jobs und eines dicht getakteten Familienalltags. Im Moment zu leben bedeutet eben genau: in jedem Moment.


Eine Szene aus dem Film (Video: Walt Disney)

4. Wir haben oft zu wenig Zeit für Menschen, die wir lieben
Da nimmt sich auch der Regisseur selbst nicht aus. An das letzte Mal, als er wie Pooh seinen Tag mit Nichtstun verbrachte, kann er sich im Gespräch nicht erinnern. «Die Balance zu finden, ist schwierig.» Und auch hier hilft der Bär, indem er sein Bedauern deutlich aus- statt wie viele von uns unterdrückt. «Wir stützen uns auf unseren Intellekt, immer weniger auf unsere Gefühle», meint Forster. Letztere verstummen dann doch meistens unter Bergen von Arbeit und Weltlärm.

«Christopher Robin» läuft am 16. August in den Deutschschweizer Kinos an.


In China kommt der Film nicht ins Kino. Der Grund dafür sind Memes, in denen Staatspräsident Xi Jinping mit Winnie the Pooh verglichen wird. (Video: Tamedia/Glomex)

(mel)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andy am 10.08.2018 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    Spricht mir aus dem Herzen

    So toll! Wir sollten mehr nach Dingen streben, die wirklich wichtig sind im Leben, uns Freude bereiten, und unser inneres Kind nie verlieren. Ich freue mich auf den Film und bin stolz, dass die Schweiz mit diesem begabten Regisseur in Hollywood vertreten ist.

  • Ursula Kehrli am 10.08.2018 06:18 Report Diesen Beitrag melden

    Herzthema

    Wunderbar; haargenau solche Themen braucht die Welt jetzt. Vielen Dank Marc Forster

  • JTM 33 am 10.08.2018 06:48 Report Diesen Beitrag melden

    devils kitchen

    es kann nicht genug liebe geben, spricht der regisseur, der in der teufelsküche angestellt ist.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andy am 10.08.2018 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    Spricht mir aus dem Herzen

    So toll! Wir sollten mehr nach Dingen streben, die wirklich wichtig sind im Leben, uns Freude bereiten, und unser inneres Kind nie verlieren. Ich freue mich auf den Film und bin stolz, dass die Schweiz mit diesem begabten Regisseur in Hollywood vertreten ist.

  • Manfred Gysi am 10.08.2018 07:53 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte ans Ohr denken

    Leider hört man Knackser im Schnitt und alles nur auf dem linken Ohr. Bei solch einem Inti sollte der Ton doch ein wenig beachtet werden.

  • JTM 33 am 10.08.2018 06:48 Report Diesen Beitrag melden

    devils kitchen

    es kann nicht genug liebe geben, spricht der regisseur, der in der teufelsküche angestellt ist.

  • Ursula Kehrli am 10.08.2018 06:18 Report Diesen Beitrag melden

    Herzthema

    Wunderbar; haargenau solche Themen braucht die Welt jetzt. Vielen Dank Marc Forster