04. März 2008 12:12; Akt: 04.03.2008 12:31 Print

Millionenschwerer US-Film feiert in Basel Weltpremiere

Er ist Schweizer, sechsfacher Oscar-Preisträger und der einzige Europäer auf Hollywoods berühmten «Walk of Fame». Sein neuester Film feiert Sonntag in Basel Weltpremiere.

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Der Filmproduzent Arthur Cohn stellt am Sonntag in Basel seinen neuen Film «The Yellow Handkerchief» vor. Die Produktion mit William Hurt in der Hauptrolle ist im US-Bundesstaat Louisiana entstanden.

Mit einem Budget von 16 Millionen Dollar und einer Drehzeit von neun Wochen ist «The Yellow Handkerchief» eines von Cohns ambitioniertesten Filmprojekten. Regie führte der in London lebende Inder Udayan Prasad.

Wer ist Arthur Cohn?

Der Basler Filmproduzent Arthur Cohn ist die international bekannteste Schweizer Persönlichkeit im Filmbereich. Er hat bisher sechs Oscars gewonnen, mehr als jeder andere Produzent weltweit.

Er ist der einzige europäische Filmproduzent, der auf dem legendären «Walk of Fame» in Los Angeles verewigt ist. Das offizielle Hollywood hat ihn mehrmals als «den bedeutendsten Filmproduzenten ausserhalb den USA» bezeichnet.

Schweizer Oscargewinner

Die offizielle Schweiz jedoch hat ihn lange nicht zur Kenntnis genommen, obwohl er 1985 für den in Genf gedrehten Politthriller «Dangerous Moves» mit Michel Piccoli für die Schweiz einen Oscar als bester nicht-englischsprachiger Film erhielt.

Seinen ersten Oscar gewann Cohn für «Sky Above - Mud Below», einen Film über Eingeborene in Neu-Guinea. Ein weiterer Oscar folgte für «Il giardino dei Finzi Contini» des italienischen Meisters Vittorio de Sica.

Internationale Stars

Die Hauptrollen spielen die Hollywood-Stars William Hurt, bekannt etwa aus «Kiss of the Spider Woman» oder «Syriana», und Maria Bello, bekannt etwa aus dem Film «World Trade Center».

Kameramann ist der Brite Chris Menges, der unter anderem in Sean Penns Dürrenmatt-Verfilmung «The Pledge» die Kamera führte und sich mit dem Südafrika-Film «A World Apart» auch als Regisseur einen Namen gemacht hat. Für «Mission» und «The Killing Fields» gewann Menges Oscars als Bester Kameramann.

Gemeinsames Erinnerungsstück

«The Yellow Handkerchief» (Das gelbe Taschentuch) ist die Geschichte eines introvertierten und desillusionierten Mittvierzigers (Hurt), der nach sechs Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird. Er hatte im Streit mit seiner Frau (Bello) einen Mann umgestossen, der dabei unglücklich hinfiel und starb.

Zu seiner Frau, mit der er glückliche Jahre in einem Hausboot auf dem Mississippi verbracht hatte, war die Beziehung nach seiner Einlieferung ins Gefängnis abgebrochen. Den Gedanken, zu ihr zurückzukehren, gibt er deshalb schnell auf.

In einem Imbisslokal kommt er mit einem Teenager-Pärchen (Eddie Redmayne, bekannt aus «The Good Shepherd», und Kristen Stewart aus «Panic Room») ins Gespräch, das ihn in seinem Auto mitnimmt. Die Reise, auf der das ungleiche Trio allmählich Vertrauen zueinander fasst, geht eher ziellos quer durch Louisiana.

Wird der wortkarge Ex-Sträfling zu seiner Frau zurückfinden, die als Zeichen der Versöhnung ein gelbes Taschentuch - ein früheres gemeinsames Erinnerungsstück - vor ihr Hausboot gehängt hat?

Romantisches Roadmovie

«The Yellow Handkerchief», entstanden nach einer Kurzgeschichte von Pete Hamill, ist ein romantisches Roadmovie. «Es ist eigentlich dasselbe Thema, das mich immer wieder fasziniert», sagt Cohn im Gespräch mit der Nachrichtenagentur «SDA». «Der Film zeigt, dass man, was auch immer passiert, die Hoffnung nie aufgeben soll.»

Gespannt sein auf den Film dürfte man auch in Japan, wo der gleiche Stoff vor 30 Jahren schon einmal verfilmt worden ist. Yoji Yamadas «Shiawase no kiiroi hankachi» gilt heute in Japan als Klassiker seines Genres und ist dort einer der zehn erfolgreichsten Filme aller Zeiten.

Im Unterschied zum japanischen Film ist Cohns Neuadaptation an Originalschauplätzen entstanden. Gedreht wurde mit einer 80-köpfigen Crew an über 40 verschiedenen Orten in Louisiana, auch im staatlichen Hochsicherheitsgefängnis «Angola» in den berüchtigten Mississippi-Sümpfen.

«Der Film ist, trotz vieler Aussenaufnahmen, eine intime Geschichte, die vom Spiel der Darsteller lebt», betont der Produzent, der an jedem Drehtag am Set war, und auch den Film- und Tonschnitt intensiv mitprägte. «Ein Produzent gehört zu seinen Leuten», betont Cohn, der mit «The Yellow Handkerchief» seinen nunmehr zwanzigsten Film produzierte.

(sda)