Zurich Film Festival

15. September 2011 10:22; Akt: 15.09.2011 10:54 Print

Polanski holt in Zürich seinen Preis ab

Zwei Jahre nach seiner Festnahme am Zurich Film Festival kommt Roman Polanski nun als freier Mann zurück in die Limmatstadt. Der Regisseur wird seinen Ehrenpreis höchstpersönlich entgegennehmen.

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Die Veranstalter des Zürcher Filmfestivals kündigen an, dass am 27. September der 76-jährige Star-Regisseur Roman Polanski mit dem «Goldenen Auge» für sein Regie-Lebenswerk geehrt werde. Doch so weit kommt es nicht: Ein Polizist aus dem Kanton Aargau, der eine Einladung ans Zurich Film Festival erhalten hatte, googelt den Namen des Filmemachers und stösst so auf seine Vergangenheit. Der Polizist gibt daraufhin den Namen Polanski ins Schweizer Fahndungssystem «Ripol» ein und bemerkt, dass dieser weltweit zur Verhaftung ausgeschrieben ist. Er informiert das Bundesamt für Justiz (BJ). Die Schweiz informiert mit einem «dringenden Fax» an das US-Büro für internationale Angelegenheiten über die geplante Einreise des Filmregisseurs. Das BJ fragt dabei gezielt an, ob der Haftbefehl von 1978 noch gelte. Das US-Büro für internationale Angelegenheiten alarmiert daraufhin die Staatsanwaltschaft in Los Angeles, die «ein ausdrückliches Haftersuchen» für Polanski an Bern übermittelt. Der polnisch-französische Doppelstaatsbürger wird von den USA seit seiner Flucht nach Frankreich 1978 wegen sexuellen Missbrauchs einer 13-Jährigen im Jahre 1977 gesucht. Seit 2005 ist Polanski international zur Verhaftung ausgeschrieben. Roman Polanski wird bei seiner Einreise in die Schweiz im Auftrag des Bundesamtes für Justiz durch die Kantonspolizei Zürich am Flughafen in Kloten verhaftet. Er sitzt in Winterthur in Auslieferungshaft. Polanskis Anwälte (im Bild Hervé Temime) reichen beim Bundesstrafgericht Beschwerde gegen den Auslieferungshaftbefehl ein. Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf hingegen verteidigt das Vorgehen ihres Bundesamtes bei der Festnahme. Mit einer Warnung Polanskis hätte man Amtspflichten verletzt. Das Bundesstrafgericht weist die Beschwerde gegen den Auslieferungshaftbefehl ab und verwehrt Polanski die Haftentlassung wegen Fluchtgefahr. Die USA ersuchen die Schweiz formell um die Auslieferung des Starregisseurs. Nach einer Anhörung Polanskis wird das Bundesamt für Justiz über die Auslieferung entscheiden. Das Bundesamt für Justiz weist das Haftentlassungsgesuch von Polanski ab. Grund: Hohe Fluchtgefahr. Polanskis Anwälte legen beim Bundesstrafgericht Beschwerde gegen den negativen Haftentlassungsentscheid des BJ ein. Das Bundesstrafgericht heisst die Beschwerde gut und gibt damit grünes Licht für seine Freilassung aus der Auslieferungshaft gegen eine Kaution von 4.5 Millionen Franken. Nach 70 Tagen Haft in Winterthur darf Polanski in sein Chalet in Gstaad einziehen. Er kann dort arbeiten, das Grundstück darf er aber nicht verlassen. Starregisseur Roman Polanski wird nicht an die USA ausgeliefert – der 76-Jährige ist ein freier Mann. Die Schweizer Regierung erklärte, die amerikanischen Behörden hätten vertrauliche Zeugenaussagen zu Polanskis Prozess nicht vorgelegt. Daraus könnte hervorgehen, dass Polanski seine Strafe mit einer 42-tägigen Inhaftierung zur psychiatrischen Begutachtung bereits abgesessen habe. Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf sagte, neben Zweifeln an der Darstellung des Sachverhalts im Auslieferungsgesuch spiele auch das Vertrauen eine Rolle, das Polanski in die Schweiz setzen durfte. Der Regisseur sei seit 2006 Chaletbesitzer in Gstaad und in der Schweiz nie behelligt worden. Er sei im begründeten Vertrauen in die Schweiz gereist, keine rechtlichen Nachteile erwarten zu müssen.

Starregisseur Roman Polanski wird nicht an die USA ausgeliefert – der 76-Jährige ist seit 12. Juli 2010, 11.30 Uhr ein freier Mann.

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Der polnisch-französische Regisseur Roman Polanski holt am diesjährigen Zurich Film Festival seinen Tribute-Award ab, den er vor zwei Jahren nicht entgegennehmen konnte. Dies bestätigt das Zurich Film Festival in einer Medienmitteilung.

Die USA hatten damals von der Schweiz die Auslieferung Polanskis gefordert, weil dieser 1977 eine Minderjährigen missbraucht haben soll. Der Regisseur wurde darauf bei seiner Einreise in die Schweiz verhaftet und später zu Hausarrest in seinem Gstaader Chalet verurteilt.

Im Juli 2010 wurde er freigelassen und seine Auslieferung abgelehnt. Die Schweizer Behörden hatten Zweifel an der Darstellung des Sachverhalts durch die USA, hiess es damals.

Am Dienstag, 27. September wird Polanski im Kino Corso den Ehrenpreis entgegennehmen. «Wir sind sehr stolz und geehrt, Roman Polanski nun endlich in Zürich empfangen zu können», freut sich die Festivalleitung. «Wir sind grosse Bewunderer seines Werks und freuen uns, ihm den Ehrenpreis für sein Lebenswerk überreichen zu dürfen.» Im Anschluss an die nun nachgeholte Verleihung des Preises am feiert ein Überraschungsfilm Weltpremiere, wie die Veranstalter ankündigten. Der Regisseur werde aber weder vor noch während des Festivals Interviews geben.

(lah/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Piggy Bank am 15.09.2011 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Schlage vor

    zu Polanskis Ehren einen eigenen Award zu kreieren: das zugedrückte goldene Auge.

  • Kurt Hofmann am 15.09.2011 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Kinderschänder

    Was hat dieser Kinderschänder in der Schweiz zu suchen? Nichts, aber auch gar nichts! Am besten gleich erneut verhaften und danach sicherstellen, dass er sich nicht wieder frei-kaufen kann und die Auslieferung auch wirklich stattfindet...

    einklappen einklappen
  • Hans Washeiri am 15.09.2011 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Na dann mal schön

    die kleinen Mädels in Sicherheit bringen...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Patrick Liker am 15.09.2011 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Ehre für die Schweiz !!

    Sich erst mal richtig mit der ganzen Geschichte über Polanski befassen, bevor hier wieder geurteilt wird, meine lieben Damen und Herren

  • Piggy Bank am 15.09.2011 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Schlage vor

    zu Polanskis Ehren einen eigenen Award zu kreieren: das zugedrückte goldene Auge.

  • Salzburg am 15.09.2011 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Us Justiz=Guantanamo

    die Schweiz ist kein Hund der Usa wir tun was wir wollen und dieser Mann hat sich mit seinem opfer schon versöhnt sie will nicht dass er verhaftet wird also lasst ihn endlich in ruhe,die Us Justiz will nur ein ''show trial'' veranstalten es geht gar nicht um gerechtigkeit

  • Fritz Müller am 15.09.2011 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    Schäme mich für unser Land...

    wäre er nicht reich und berühmt, würden sich alle hier beschweren. Sexualverbrecher bleibt Sexualverbrecher, egal wie berühmt und reich er ist.

  • kurt am 15.09.2011 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Opfer hat verziehen

    Das Opfer hat ihm schon lange verziehen. Das Problem ist schon lange gelöst...