Vergewaltigungsvorwürfe

31. Mai 2016 09:27; Akt: 31.05.2016 09:32 Print

Polen prüft Auslieferung von Polanski erneut

Das Verfahren gegen den Regisseur soll nochmals aufgerollt werden. Der polnische Justizminister will Berufung einlegen.

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Wurde in Krakau verhört: Roman Polanski nach einem Besuch beim Stadtrat von Krakau. (15. Januar 2015) Richter Dariusz Mazur bei der Anhörung im Bezirksgericht Krakau. (30. Oktober 2015) Sie wurde 1977 als 13-Jährige von Roman Polanski vergewaltigt, nun hat sie ihre Autobiografie geschrieben: Samantha Geimer 2008 an einer Premiere eines Dokumentarfilms über das Polanski-Verfahren. Die Zeit danach empfand sie als noch schlimmer als die Tat an sich: Samantha Geimer als Teenager. Vor Gericht: Roman Polanski am 29. März 1977 in Los Angeles. Er flüchtet vor der US-Justiz nach Frankreich, wo er Staatsbürger ist und deshalb nicht an die USA ausgeliefert werden kann. Ihr wird bis heute vorgeworfen, ihre Tochter verschachert zu haben: Samantha Geimers Mutter Susan Gailey begleitet sie an die Premiere des Dokumentarfilms über den Fall Polanski, Mai 2008. Die Schweiz schreitet ein: Am 26. September 2009 wird der Regisseur bei seiner Einreise in Zürich aufgrund eines internationalen Haftbefehls von 2005 verhaftet. Er hätte am Zurich Film Festival den Preis für sein Lebenswerk erhalten sollen. «Free Polanski»: Aus der Filmszene werden Proteste laut. (26. September 2009) Die Kameras sind bereit: Die Medien positionieren sich vor dem Bezirksgefängnis in Winterthur, wo Polanski am Trügerisches Idyll: Am Hinter dem Vorhang: Polanskis Sohn Elvis schaut aus dem Fenster des Gstaader Chalets. (5. Dezember 2009) Überwacht: Der Filmemacher auf seinem Balkon in Gstaad. (24. April 2010) Am 12. Juni 2010 lehnen die Schweizer Behörden den Auslieferungsantrag an die USA ab und heben Polanskis Hausarrest auf. Im September 2010 holt der Filmemacher den Preis ab, der ihm zwei Jahre zuvor am Zurich Film Festival hätte überreicht werden sollen. Fototermin: Polanski Ende Mai 2013 in Cannes bei der Promotion seines neuen Films «Venus in Fur». Inzwischen ist er 80 Jahre alt: Der Filmemacher mit seiner Frau, der französischen Schauspielerin Emmanuelle Seigner, am 27. August 2013 in Paris.

Die US-Justiz wirft Roman Polanski vor, eine 13-Jährige vergewaltigt zu haben: Der Regisseur an einer Pressekonferenz in Katowice, Polen. (24. Mai 2016)

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Polen will das Auslieferungsverfahren gegen den Regisseur Roman Polanski an die USA wieder aufrollen. Justizminister Zbigniew Ziobro kündigte im polnischen Rundfunk an, dass er gegen ein Urteil eines Gerichts in Krakau, das die Auslieferung im vergangenen November abgelehnt hatte, vor dem Obersten Gericht in Berufung gehen werde. Der Oscar-Preisträger Polanski ist polnischer und französischer Staatsbürger, er lebt in Frankreich.

Die US-Justiz wirft dem inzwischen 82-jährigen Regisseur vor, 1977 in Kalifornien die damals 13-jährige Samantha Geimer vergewaltigt zu haben. Polanski bekannte sich damals wegen Sex mit einer Minderjährigen schuldig und sass dafür zunächst 42 Tage im Gefängnis, bevor er auf Kaution frei kam.

Vor der Urteilsverkündung floh der Filmemacher nach Europa. Er kehrte seitdem nicht mehr in die USA zurück, weil er fürchtete, dass die Strafe trotz einer Übereinkunft mit der Staatsanwaltschaft höher als vereinbart ausfallen würde.

In Zürich festgenommen

Vor einigen Jahren waren die US-Justizbehörden in der Schweiz mit einem Auslieferungsantrag gescheitert. Zwar nahmen die Schweizer Behörden Polanski auf US-Anweisung 2009 in Zürich fest und stellten ihn in seinem Chalet in Gstaad unter Hausarrest. Nach zehn Monaten wurde Polanski aber wegen Unklarheiten im Auslieferungsgesuch wieder freigelassen.

Minister Ziobro, der die Entscheidung der polnischen Justiz offiziell an die US-Behörden übermitteln muss, hatte sich in der Vergangenheit bereits für eine Auslieferung Polanskis ausgesprochen. Ziobro gehört der konservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) an.

(ij/afp)