Kinostarts der Woche

04. Dezember 2019 14:16; Akt: 04.12.2019 15:41 Print

Regentage in New York oder Autisten in Paris?

von Mohan Mani - Mehr Lust auf Woody Allens Liebeskomödie «A Rainy Day in New York» oder die ZFF-Entdeckung «Hors normes»? Ab Donnerstag im Kino.

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Eigentlich wollten Ashleigh (Elle Fanning) und ihr Freund Gatsby («Call Me By Your Name»-Star Timothée Chalamet) ein romantisches Wochenende in New York verbringen. Doch dann erhält Ashleigh vom bekannten Filmregisseur Roland Pollard (Liev Schreiber) die Zusage für ein Interview in der Studentenzeitung. Doch kaum in Manhattan angekommen, trennen sich die Wege der Verliebten: Während Ashleigh dem leicht depressiven Regisseur, dem betrogenen Drehbuchautor Ted Davidoff (Jude Law) und schliesslich dem vereinsamten Filmstar Francisco Vega (Diego Luna) auf den Fersen bleibt, stolpert Gatsby in Film-Dreharbeiten, wo er mit der draufgängerischen Chan (Selena Gomez) prompt eine Kussszene drehen soll.

Unverbrauchte Rollenbesetzung

Es ist doch immer wieder unglaublich, aus welch’ simplen Ausgangsideen der Autor und Regisseur Woody Allen immer wieder die schönsten Liebeskomödien zaubert. «A Rainy Day in New York» zählt zwar nicht zu seinen besten Arbeiten, ist aber höchst unterhaltsam und profitiert ganz von der Spielfreude ihrer unverbrauchten Besetzung. Andere Szenen und Dialogpassagen sind überlang und längst nicht mehr so geschliffen wie auch schon. Zudem wagt sich Allen mit der Figur eines Midlife-Crisis-Filmemachers, der dank einer jungen Frau wieder neue Lebenslust tankt, gerade in #MeToo-Zeiten auf riskantes Terrain. Aber letztlich überwiegt die Freude an einer charmanten Liebeskomödie, die zeigt, wie man sich nicht nur, aber auch im Big Apple schnell mal aus den Augen verlieren kann.

Ebenfalls ab Donnerstag im Kino: «Hors normes – alles ausser gewöhnlich»

Seit 20 Jahren leben Bruno (Vincent Cassel) und Malik (Reda Kateb) in einer eigenen Welt – zusammen mit autistischen Kindern und Jugendlichen. Als Verantwortliche zweier gemeinnütziger Organisationen bilden sie junge Menschen aus benachteiligten Verhältnissen zu Betreuern aus. Denn sie wollen denjenigen helfen, die als Härtefälle durch sämtliche soziale Maschen Frankreichs fallen und von allen Institutionen abgelehnt werden.

Eindringliches Gesellschaftsdrama

Nicht zuletzt die Rollenbesetzung mit echten Autisten macht dieses Gesellschaftsdrama noch eindringlicher. Das «Intouchables»-Regieduo Olivier Nakache und Eric Toledano bietet keine geglätteten «Rain Man»-Bilder, sondern harten Lebensalltag pur. Nur schon die krasse Einstiegssequenz gibt von Beginn weg den Tarif bekannt. Unbedingt sehens- und mitfühlenswert.

Mehr Kino-Infos in der «20 Minuten»-Printausgabe vom Donnerstag.