RAF-Attentat

15. September 2008 12:46; Akt: 16.09.2008 14:52 Print

Schleyer-Mord: Was weiss Regisseur Uli Edel?

Macht Uli Edel Werbung für seinen Film oder weiss er mehr, als die Polizei erlaubt? Der Regisseur des Kinofilms «Der Baader Meinhof Komplex» will erfahren haben, wer 1977 Martin Schleyer ermordet hat.

Der Trailer zum Film. Quelle: YouTube
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Es ist mehr als 30 Jahr her, dass die Bundesrepublik vom «Deutschen Herbst» erschüttert wurde: Der Terror der Roten Armee Fraktion (RAF) zwischen September und Oktober 1977 war eine der grössten Krisen des nördlichen Nachbarlandes. In dieser Zeit wurde die Lufthansa-Maschine «Landshut» nach Mogadischu entführt, drei RAF-Mitglieder begingen in Haft Selbstmord und Martin Schleyer wurde entführt und getötet. Wer den damaligen Arbeitgeberpräsidenten erschoss, ist bis heute unklar.

Das gilt aber offenbar nicht für Uli Edel: Der Regisseur des neuen Kinofilmes «Der Baader Meinhof Komplex» will wissen, wer hinter den tödlichen Schüssen steckt: Hat der Filmemacher bei seiner Recherche mehr herausgefunden, als die deutschen Behörden in über 30 Jahren? Die Informationen habe er von den Ex-Terroristen selbst: Mit fünf, sechs von ihnen habe er Kontakt gehabt, aber auch versprochen, ihre Namen nicht zu nennen.

Wenn Terroristen aus dem Nähkästchen plaudern

«Neben Klatsch, wer in der RAF mit wem schlief oder wie viele Millionen sie wirklich aus den Banken geholt hatten, erfuhr ich auch, wie die Massaker genau abliefen oder was die Staatsanwaltschaft nach 30 Jahren nicht klären konnte, etwa wer Martin Schleyer wirklich erschossen hatte», verriet der «Last Exit Brooklyn»-Regisseur dem deutschen Magazin «Focus». In dem neuen Streifen wird das Geheimnis aber nicht gelüftet: «Da ich es aber nicht beweisen konnte, nur diese Aussage hatte, konnten wir es nicht verwenden.»

Ohne Weiteres haben seine Quellen aber nicht ausgepackt: Erst der schnöde Mammon brachte die damals so idealistischen Gefängnisinsassen zum Singen. «Sie waren sehr skeptisch. Und alle wollten bezahlt werden. Einige boten sich zudem als Berater an. Als ich das strikt ablehnte, kam es auch zu Drohungen, sie würden dann in den Medien verbreiten, was ich über sie verfilmt hätte, sei totaler Quatsch», berichtet Edel im «Focus».

Zerstörung des Mythos?

Mit so viel Chuzpe hatte der Exil-Amerikaner nicht gerechnet. «Diese coole Selbsteinschätzung ihrer Macht in den Medien hat mir erst mal die Sprache verschlagen.» Angst davor, Werbung für die Sache der RAF zu machen, hat der 61-Jährige jedoch nicht. «Die Mythologisierung, vor der immer alle warnen, die ist doch längst passiert. Wenn es um etwas geht, dann um die Zerstörung dieses Mythos», verteidigte sich der Regisseur.

«Der Baader Meinhof Komplex» kommt am 2. Oktober in die Schweizer Kinos. Der zweieinhalbstündige Film beruht auf dem gleichnamigen Buch des Ex-«Spiegel»-Chefredaktors Stefan Aust von 1985. In den Hauptrollen sind unter anderem Moritz Bleibtreu («Lammbock», spielt Andreas Baader) und Martina Gedeck («Elementarteilchen», spielt Ulrike Meinhof) zu sehen. Auch der Schweizer Bruno Ganz ist mit von der Kino-Partie, sowie etliche bekannte deutsche Akteure wie Jan Josef Liefers, Alexandra Maria Lara, Heino Ferch, Jasmin Tabatabai und Anna Thalbach.


Ein weiterer Trailer. Quelle: YouTube