Schweizer Filmer Simon Jaquemet

02. November 2018 21:12; Akt: 02.11.2018 21:15 Print

«Ich habe den Sog der Freikirchen gespürt»

Simon Jaquemets neuer Film spielt im Umfeld der Schweizer Freikirchen. Was er bei seiner Recherche erlebt hat, verrät er im Interview.

Der Trailer zu «Der Unschuldige» von Simon Jaquemet. (Video: Ascot Elite)
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«Chrieg» machte ihn 2014 schlagartig zum Shootingstar der Schweizer Filmszene. Das rohe Drama um eine Handvoll Jugendlicher, die wie Gesetzlose in der Schweizer Bergwelt leben, schlug auch international hohe Wellen. Entsprechend gross sind die Erwartungen an Simon Jaquemets (40) neuen Film «Der Unschuldige». Er handelt von einer Wissenschaftlerin im Bann der Freikirche, die von ihrer Vergangenheit eingeholt wird.

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Hast du schon mal einen Freikirchen-Gottesdienst besucht?

Simon, hast du im direkten Umfeld der Freikirchen recherchiert?
Ja. Ich bin während eines Jahres fast jeden Sonntag an Gottesdienste in verschiedenen Freikirchen gegangen und habe sowohl mit Aussteigern als auch mit Mitgliedern und Priestern gesprochen. Dabei habe ich versucht, auch richtig mitzumachen. Ich habe die Kraft gespürt und verstanden, die in einer Gruppe von radikal gläubigen Menschen entstehen kann. Oft habe ich selbst den Sog gespürt, mich in diesen Glauben fallen zu lassen.

Was war die krasseste Erfahrung?
Einmal war ich im Hallenstadion, und auf Anweisung des Predigers sind Tausende Gläubige einander in die Arme gefallen. Dabei wollte ich dann doch nicht mitmachen und bin abseits gestanden. Aber ich habe mich noch selten so allein gefühlt wie in dem Moment.

Wie denkst du jetzt über die Freikirchen?
Die Erfahrungen, die ich bei diesen Recherchen gemacht habe, waren extrem vielschichtig. Sie reichten von Besuchen in sehr liberalen Kirchen, mit denen ich weitgehend einverstanden war und mich wohlgefühlt habe, bis zu Momenten, in denen radikale christliche Prediger gegen Andersgläubige gehetzt haben.

Wie realistisch ist dein Film?
Er ist kein Porträt über die vielschichtige Landschaft der Schweizer Freikirchen. Ich spitze bewusst zu, und die Kirche in meinem Film müsste man als christliche Gemeinschaft bezeichnen, die die Grenze zur Sekte definitiv überschreitet. Mir geht es eher um die Mechanismen der Manipulation – wie Leuten der Boden der Realität unter den Füssen weggezogen wird.

Du durftest den Film am renommierten Filmfestival in Toronto zeigen. Was bedeutet dir das?
Es ist eine riesige internationale Anerkennung. Scheinbar war «Der Unschuldige» der erste Schweizer Film überhaupt, der die Weltpremiere in Toronto gefeiert hat. Das Festival an sich habe ich wie im Traum erlebt. Ich war stark erkältet und litt schwer unter dem Jetlag.

Ella Rumpf wurde dank «Chrieg» berühmt und ist superhip im Business. Wusstest du das also vor allen anderen?
Mir war von Anfang an klar, dass Ella ein riesiges Talent ist, dazu sehr intelligent und einerseits unglaublich hübsch, aber auch ein Charakterkopf. Ich finde es natürlich sehr schmeichelhaft, wenn ich als Entdecker von Ella gesehen werde. Ich bin mir aber sicher, dass sie ihren Weg so oder so gemacht hätte.

«Der Unschuldige» läuft jetzt in den Deutschschweizer Kinos.

(cat)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • GläubigohneKirche am 02.11.2018 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    dass dieses Thema beleuchtet wird. Der Glaube in extremen Gruppierungen kann tatsächlich krank machen.

  • Helion am 02.11.2018 21:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leben und leben lassen

    Solange sie andere Meinungen und Lebensweisen tolerieren, toleriere ich sie auch.

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  • judihui am 02.11.2018 22:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeifinger-Werk

    Toll, ein neuer Schweizer Film, der Probleme wälzt, die niemanden betreffen! Die Leute aus Freikirchen, die ich kenne, sind glücklich damit. Wieso kann man die nicht in Ruhe lassen? Echt, ich bin Atteist und mag diese Menschen ehrlich sehr! ich finde diese Zeifinger-Weke diseer Subventionskultur so was von daneben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sepp Tratsch am 03.11.2018 18:42 Report Diesen Beitrag melden

    Der zweite Josef

    Wenn mir im hier und jetzt eine Maria erzählt, sie hatte eine unbefleckte Empfängnis (schwanger ohne Sex) und ihr Ehemann bestätigt dies. Was soll ich glauben? Zwei Möglichkeiten: 1. Er ist wieder da. 2. Vielleicht war da noch ein zweiter Josef. Wählt selbst aber denkt daran, dass das Christentum auf einer identischen Situation vor 2000 Jahren aufbaut.

  • Corina am 03.11.2018 18:18 Report Diesen Beitrag melden

    Grundsätzliche Dinge hinterfragen

    Dazu gehört auch die Bibelfälschung. Menschen "beten" etwas völlig "falsches" an und ihnen ist nicht bewusst, was sie selbst sind.

  • Pfister am 03.11.2018 17:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gnade

    Von 10 Leuten sterben statistisch 10. Es ist mir ein Rätsel, dass soviele Menschen sich heute nicht mehr mit dieser Tatsache auseinandersetzen. Die Bibel sagt ganz klar , dass jeder Mensch Sündenvergebung hat, egal was er auf dem Kerbholz hat, die einzige Voraussetzung dafür ist , dass er diese Gnade(das Gegenteil von Lohn)auch annimmt indem das er an Jesus Glaubt Der Verbrecher links am Kreuz hat keine gute Taten begangen und nichts vorzuweisen, aber er wurde gerettet weill er genau dies geglaubt hat.

  • jpk uepplizi am 03.11.2018 16:49 Report Diesen Beitrag melden

    einziger wahrer Glaube

    die vielen relegionen sind menschen gemacht und halten einem nur vom wahren glauben an den alleinigen, erlebbaren heiligen Gott der bibel ab, die von Gott den menschen eingegeben wurde. und immer mehr originale werden gefunden, die das wort Gottes klar bestätigen.

    • F. M. am 03.11.2018 18:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @jpk uepplizi

      Die Bibel ist also nicht vom Menschen gemacht? Interessante Ansicht, das dass von jeder Religion behauptet wird ignorieren sie?

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  • Heidi Heidnisch am 03.11.2018 16:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dogmatismus

    Gott ist in allem, überall, in jedem Nanopartikel. Existenz ist Gott, und auch alles, das noch nicht existiert. Wie soll das möglich und überhaupt denkbar sein, sie/ihn/es in eine begrenzte Religion oder sogar Splittergruppe, hineinzwängen zu können? Es gibt keine alleinseeligmachende Version des Gottesempfindens (auch meine Version ist es nicht). Dogmatismus war/ist/wird sein die Ursache allen Leidens!

    • Thinkabout am 03.11.2018 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heidi Heidnisch

      Und was Sie hier predigen, ist Pantheismus, eine Irrlehre.

    • Heidi Heidnisch am 03.11.2018 16:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Thinkabout

      Logische Beweisführung nebst der Behauptung wäre nützlich für die Wahrheitsfindung...

    • Thinkabout am 03.11.2018 18:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heidi Heidnisch

      Sofern Sue wirklich wollen, finden Sie die Wahrheit, die Jesus Christus höchstpersönlich ist, in der Bibel.

    • Denk mal darüber nach am 03.11.2018 18:29 Report Diesen Beitrag melden

      @Thinkabout

      Jeder darf glauben was er möchte. Und es ist armselig etwas zu kritisieren und pauschal zu verurteilen, ohne konkret auf einen Punkt einzugehen. Und was sagen Sie zu Bibelfäschungen? Aber klar, das trifft bei Ihnen natürlich nicht zu. "Alles was ich nicht will, das man mir tut, das füg' ich auch keinem anderen zu", dazu brauch ich keinen Gott, denn den trage ich in meinem Herzen und somit IST JEDER Gott in dem Sinne, wenn das dem Menschen bewusst wird.

    • Barak am 03.11.2018 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Thinkabout

      Wieso sollte ein Mensch, welcher vor über 2000 Jahren gelebt hat die Wahrheit sein? Vielleicht ist ja Zeus die Wahrheit und wir kommen alle nach Walhalla, woher nimmt man diese Arroganz zu behaupten, was die Wahrheit ist, ohne jeglichen Beweis?

    • Heidi Heidnisch am 03.11.2018 19:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Thinkabout

      Schon nur due Diskrepanz zwischen Altem und Neuem Testament (Zahn um Zahn vs Liebe Deinen nächsten wie Dich selbst), lässt mich die Bibel mit äusserster Skepsis betrachten. Nichts einzuwenden hingegen habe ich gegen die Botschaft der Liebe, die der Tantriker und Yogi Guru Isa vertreten hat, und die unterschwellig noch heute zu spüren ist.

    • Thinkabout am 03.11.2018 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Heidi Heidnisch

      Das alte Testament beinhaltet den ersten Bund Gottes mit den Menschen, wo noch Opfer notwendig waren zur Vergebung der Sünden. Mit Jesus und seinem Opfertod am Kreuz zur Vergebung unserer Sünden wurde die Trennung zu Gott endgültig aufgehoben, der neue Bund. Der Weg zu Gott ist jetzt frei, durch Jesus den Mittler und Erlöser. Jeder, der ihn aufnimmt, an ihn glaubt, ist nicht mehr unter der Knechtschaft Satans, sondern ein Kind Gottes. Dies geschieht im Herzen durch Glauben und den Geist, nicht im Kopf. Und ist allein Gnade. Weitere Ausführungen sprengen leider den Rahmen hier.

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