Schweizer Inzest-Drama

25. November 2018 19:19; Akt: 27.11.2018 16:35 Print

Lena träumt vom Sex mit ihrem Bruder

Thomas Imbach hat sich mit seinem Film «Glaubenberg» an ein delikates Thema gewagt: Inzest. Das forderte seinen jungen Darstellern einiges ab.

Wenn sich Geschwister zu nahe kommen: Der Trailer zu «Glaubenberg». (Video: Frenetic Films)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Teenager Lena verliebt sich zum ersten Mal. So weit, so normal. Doch es ist nicht irgendwer, den sie begehrt. Es ist ihr eigener Bruder Noah. Das ist die Ausgangslage von Thomas Imbachs Drama «Glaubenberg», das jetzt im Kino läuft. Damit packt der 55-jährige Regisseur ein absolutes Tabuthema an.

Umfrage
Magst du Schweizer Filme?

Zwar lässt er seine Protagonistin Lena nur in ihren Träumen Sex mit dem Bruder haben. Aber das allein ist schon brisant genug. In einer Szene muss sich ihr Lover Enis ein T-Shirt des Bruders anziehen, damit sie auf Touren kommt. Als Zuschauer sind einem solche Szenen einfach unangenehm. Imbach deutet im Vorspann an, dass die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht. Inwieweit er diese selbst erlebt hat, lässt er aber offen.

«Das verbotene Thema ist spannend»

Für die anspruchsvolle Rolle hat er Laiendarsteller gecastet. Seine Hauptdarstellerin Zsofia Körös hat er an der Kantonsschule Zürich Nord gefunden. Es war ihr erstes Mal vor der Kamera. Und dann gleich zu so einem heiklen Thema. «Ich kannte Inzest auch nur als Tabuthema, oder besser gesagt beschäftigte es mich nicht, weil ich nie damit konfrontiert wurde. Ich konnte aber verstehen, warum dieses verbotene, unangenehme Thema spannend für einen Film ist», sagt die 19-Jährige im Interview.

Weniger unangenehm als erwartet waren für die junge Zürcherin die Sexpassagen. «Die Liebesszenen sehen im Film intimer aus, als sie es eigentlich waren. Vor dem Dreh wurde alles genau abgesprochen, deshalb war es nicht so dramatisch für mich. Viel dramatischer finde ich es, die Szenen in einem Kinosaal mit anderen anzuschauen», sagt Zsofia.

«Will nicht darauf reduziert werden»

Ähnlich ging es ihrem Co-Star, dem Studenten Francis Meier, der Noah spielt. «Grundsätzlich waren die Liebesszenen nicht schwierig. Aber natürlich war es herausfordernd, eine intime Szene zu drehen, aus der auch eine gewisse Geschwisterliebe zu lesen ist», sagt der 22-Jährige über die delikaten Parts. Auch er kam zufällig und ohne professionelle Ausbildung zu «Glaubenberg».

Eine gute Freundin, die für den Film die Kostüme machte, vermittelte ihn an Thomas Imbach. Der Zürcher kommt allerdings aus einer prominenten Familie: Francis' Vater ist der Yello-Musiker und Künstler Dieter Meier (73). Dass es nun in der Promo zu «Glaubenberg» auch darum geht, stört Francis nicht: «Das ist okay so. Ich bin damit aufgewachsen. Aber natürlich will man nicht konstant darauf reduziert werden.»

«Glaubenberg» läuft jetzt in den Deutschschweizer Kinos.

(cat)