Kidman in Cannes

15. Mai 2014 12:04; Akt: 15.05.2014 12:25 Print

Totalabsturz für «Grace of Monaco»

von Catharina Steiner - Mit «Grace of Monaco» startete am Mittwoch das Filmfestival Cannes. Eine denkbar schlechte Wahl – selten wurde ein Streifen an der Côte d'Azur derart verrissen. Und das zu Recht.

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Der legendäre Filmemacher Billy Wilder sagte einst, ein guter Film brauche drei Zutaten. Erstens: eine gute Geschichte. Zweitens: eine gute Geschichte. Und drittens? Sie ahnen es. Dass es Olivier Dahans Biopic «Grace of Monaco» an einer solchen mangelt, ist nur eines der vielen Wehwehchen, an dem der diesjährige Eröffnungsfilm in Cannes – immerhin das wichtigste Filmfestival der Welt – krankt.

Grace Kelly, die kühle Hitchcock-Blondine, die vom endlosen Ehrgeiz des Vaters angespornt Hollywood eroberte und später alles zurückliess, um als Fürstin über das monegassische Volk zu herrschen, gäbe wahrlich genug Stoff für einen aufregenden Film her. Aber Dahan beschränkt sich auf bloss ein Jahr im Leben der Amerikanerin: 1962.

Kidman bleibt seltsam leidenschaftslos

Grace heisst mittlerweile Gracia, sie und Fürst Rainier (Tim Roth) leben mit ihren zwei Kindern im Fürstentum, das mit einer Staatskrise zu kämpfen hat. Der französische Präsident Charles de Gaulle droht damit, das Steuerparadies, das mitten in Frankreich liegt, dichtzumachen. Genau jetzt wäre eine starke Fürstin gefragt, doch Gracia tut sich mit ihrer Rolle als Repräsentantin schwer. Sie sehnt sich zurück nach Hollywood, und die Ehe mit Rainier hat mit einer aus dem Märchen herzlich wenig gemein.

Das ist die Ausgangslage von Dahans Film, der Grace Kelly als tieftraurige Gestalt zeichnet, die zwischen Pflichtbewusstsein und ihrem Anspruch auf persönliches Glück hin- und hergerissen ist. Das Ergebnis ist ein kitschiges, opulent inszeniertes Melodrama, das sich selbst viel zu ernst nimmt und immer an der Oberfläche verhaftet bleibt. Ein derartiger Stoff wäre wohl besser im Fernsehen aufgehoben gewesen. Auch Kidman, deren Gesicht immer wieder in extremer Nahaufnahme gezeigt wird, findet sich nicht in der Rolle der naiven Fürstin zurecht. Sie bleibt seltsam leidenschaftslos, als Zuschauer mag man nicht richtig Anteil an ihrem Schicksal nehmen.

«104-minütige Chanel-Werbung»

Auch die Kritiker an der Croisette, der weltberühmten Promenade, geben dem Film ein vernichtendes Urteil. Der britische «Guardian» etwa vergleicht den Film mit einer «104-minütigen Chanel-Werbung, aber ohne Subtilität und Tiefgang». Das führende Branchenblatt «Hollywood Reporter» geht mit dem Cannes-Opener ebenfalls hart ins Gericht. «Es hat schon fast etwas pervers Beeindruckendes, wie Dahan praktisch jedes Ziel verfehlt und jede Chance auslässt.» Bis jetzt beträgt die Zustimmung auf dem Kritiker-Barometer RottenTomatoes.com unterirdische 6 Prozent. Alle anderen vergeben dem Streifen schlechte Noten.

«Grace of Monaco» lässt Erinnerungen an einen anderen Film über das Leben einer Prinzessin abseits aller Märchenklischees wach werden, der Anfang dieses Jahres ebenfalls bei Publikum und Kritik durchfiel. In «Diana» thematisierte Oliver Hirschbiegel («Der Untergang») das Liebesleben von Prinzessin Diana nach deren Scheidung von Charles. Wie schon Hirschbiegel hat es nun Dahan mit einer verärgerten Adelsfamilie zu tun: Das Fürstenhaus von Monaco distanziert sich scharf von «Grace of Monaco» und spricht von «schwerwiegenden historischen Unwahrheiten».

Der Regisseur beruft sich auf sein Recht auf Fiktionalität und gibt an, dem Fürstenhaus mehrere Drehbuchversionen vorgelegt und Änderungswünsche aufgenommen zu haben. Dennoch: Fürst Albert und seine Schwestern lehnten es ab, an der Eröffnung des Filmfestivals am Mittwoch teilzunehmen.

«Grace of Monaco» läuft ab heute in den Schweizer Kinos.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Raphael am 15.05.2014 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Ms Botox

    Schade um Kidman, sie war mal eine richtig gute Schauspielerin. Jetzt kann sie ja kaum noch eine Miene verziehen..

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  • Bischi am 15.05.2014 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Ja aber...

    Warum habt ihr diesem Schund dann in der Printversion der 20 Minuten 4/5 Sternen gegeben? :-)

  • Susanne M. am 15.05.2014 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Ich meine,

    sie habe vor 2 oder 3 Jahren mal gesagt, dass sie jetzt auf Botox verzicht würde. Aus dem Vorsatz ist wohl nichts geworden. Ich bin schockiert über ihr Gesicht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pia am 15.05.2014 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wunderschön

    Ach bitte ja Grace Kelly war eine kühle Blonde, mit minimaler Gestik und Nicole K. ist die perfekte Besetzung! Wunderschön und spielt super! Wegen ein wenig Botox ein solches Geschrei, hallo bei Silikon sagt ja auch keiner was!schaut euch mal Filme mit der Grimaldi an ! Wunderschön aber kühler gehts nicht.

  • Monica am 15.05.2014 18:32 Report Diesen Beitrag melden

    Totalabsturz?

    Warten wir es einmal ab! Ich werde ihn ganz "heimlich" im Kino schauen! Alle Filme die zum vornherein zerrissen werden haben im Nachhinein erfolg!

  • daisy am 15.05.2014 17:50 Report Diesen Beitrag melden

    In einem fernen Land

    Nicole Kidman war mal sooo hübsch!! Wer's nicht glaubt oder schon vergessen hat, der soll mal Nicole Kidman + In einem fernen Land googeln, damals war sie einfach hinreissend! Natürlich Schön und Augen, die einen fesseln! Die über 10 Jahre, die seither vergangen sind, wären ja nicht das Problem, aber die 10 (20, 50, 100??) Botox-Behandlungen zu viel, sind es.....

  • Phil am 15.05.2014 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    Zuviel Botox....

    zu wenig Mimik. Ist bei den Hollywoodfrauen, welche in die Jahre kommen, ein weitverbreitetes Übel. Meg Ryan, Goldie Wawn, Nicole Kidman...... die Liste ist lang und die Schauspielerinnen eignen sich lediglich noch für B-Movies mit ihren unnatürlich reglosen Gesichtszügen.

    • Andrea D. am 15.05.2014 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      R.I.P

      Kidman ist die absolut beste Besetzung für einen Zombie-Film!

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  • danny am 15.05.2014 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    werden sehen

    Werde mir den Film zwar noch irgendwann mal ansehen. Aber eine Mimin ohne Mimik und dazu noch eine anscheinend selbstverliebte Handlung, kann nicht gut kommen.