Kinostarts der Woche

02. Oktober 2019 21:43; Akt: 10.10.2019 08:03 Print

Von Kulten und Geklonten

von Mohan Mani - Der geniale Gruseltrip «Midsommar» und der Actionthriller «Gemini Man» spielen ab Donnerstag im Kino.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Trotz Beziehungskrise schliesst sich Dani (stark: Florence Pugh) im Gruseltrip «Midsommar» ihrem Studi-Freund Christian (Jack Reynor) und dessen Kollegen Mark (Will Poulter), Josh (William Jackson Harper) und Pelle (Vilhelm Blomgren) auf einem Sommertrip nach Schweden an. Die ganze Clique ist ans Mittsommerfestival eingeladen. Doch der anfänglich idyllische Eindruck der abgelegenen Gemeinschaft trügt, die freundlichen Dorfbewohner verhalten sich nach und nach merkwürdiger: Sie bereiten sich auf ein besonderes Mittsommer-Ritual vor, das nur alle 90 Jahre zelebriert wird. Was als puritanisches Fest der Liebe und Glückseligkeit beginnt, nimmt bald eine unheimliche Wendung, die das sonnengeflutete Paradies bis in die Eingeweide erschüttert.

Neue Optiken und Erzählformen

Schon mit seinem Langfilm-Erstling «Hereditary – Das Vermächtnis» empfahl sich Ari Aster als neue Regie-Hoffnung im Horrorfach. «Midsommar» geht hier gar noch einen Schritt weiter, verzichtet auf simple Effekthascherei zugunsten einer subtil aufgebauten Spannung, die von Beginn weg in ihren Bann zieht und dank der Mitternachtssonne fast gänzlich bei grellem Tageslicht spielt. Überhaupt findet Aster immer wieder neue Optiken und Erzählformen, um die Handlung originell voranzutreiben – da gehört auch immer wieder eine gesunde Portion Humor mit dazu. Just diese Ironie macht denn «Midsommar» letztlich auch zum Meisterwerk, das plötzliche Gewaltausbrüche selbst für empfindliche Gemüter zumindest ansatzweise goutierbar macht. Ein verstörender, teuflisch guter Trip des Grauens.

Ebenfalls ab Donnerstag im Kino: «Gemini Man»

«Wenn ich ein Ebenbild wollte, dann hätte ich Kinder gezeugt» sagt der Elite-Auftragskiller Henry Brogan (Will Smith) an einer Stelle im Film. Er staunt jedenfalls nicht schlecht, als er plötzlich einem jüngeren Klon seiner selbst begegnet, der ihn über den Haufen schiessen will. Der Rest ist ein Katz- und Mausspiel mit Guten, vermeintlich Guten und definitiv Bösen.

Freudenfest für Augenmenschen

Weit spannender als die 08/15-Story ist die Tatsache, dass der taiwanesische Regisseur Ang Lee diesen Actionthriller mit einer Auflösung von 120 Bildern pro Sekunde gedreht hat. Dies sorgt in Verbindung mit der 3-D-Optik für ein unglaublich detailliertes Kinoerlebnis. Das Bild ist deutlich schärfer und selbst kleinste Details sind klar erkennbar. Augenmenschen werden hier ihre helle Freude haben. Es bleibt die Gretchenfrage, weshalb inskünftig nicht jeder Streifen derart hell und klar daherkommen kann.

Mehr Kino-Infos in der «20 Minuten»-Printausgabe vom Donnerstag oder via Instagram: «YoutubeCinemani»