Kinostarts der Woche

19. Juni 2019 21:27; Akt: 19.06.2019 21:27 Print

Von Schönen, Bösen und Begabten

von Mohan Mani - Das Lustspiel «Long Shot», das Slasher-Movie «Brightburn» und das Gefühlsdrama «Au bout des doigts» starten am Donnerstag im Kino.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Seine Liebe zur 1990-er Jahre Kultband «Boys II Men» lässt in der Komödie «Long Shot» den soeben arbeitslos gewordenen Enthüllungsjournalisten Fred Flarsky (Seth Rogen) an einem Live-Auftritt teilnehmen. Just dort trifft der Gebeutelte auf seine Ex-Flamme Charlotte Field (Charlize Theron), die ihn vor Jahren mal als Babysitterin hütete. Die Charlotte von einst ist inzwischen zur US-Aussenministerin geworden. Aber mit seinem direkten Humor und haufenweise Erinnerungen an gute alte Zeiten voller jugendlichem Idealismus beschwört Fred bei Charlotte ungeahnte Gefühle herauf. Als sie wenig später für die US-Präsidentschaft kandidiert, holt sie sich «ihren» Fred als Redenschreiber ins Wahlkampfteam. Doch die neue Politkarriere stockt, bevor sie überhaupt in Gang kommt. Denn die Affäre zwischen Fred und Charlotte macht bald die Runde und bremst den Aufstieg ins Weisse Haus massiv.

Zuerst Verkrachen, dann verlieben

Gleich zu Beginn stellt der «Warm Bodies»-Regisseur Jonathan Levine mit einer Wurf-aus-dem-Fenster-Szene klar, dass in seiner Beziehungskiste so fast alles Unmögliche möglich ist. Und so kommt's, dass sich Charlize Theron und Seth Rogen trotz oder gerade wegen ihres verschiedenen Charakters herrlich ineinander verkrachen, aber auch verlieben dürfen.

Witzige Oneliner-Sprüche

Die Komödie «Long Shot» ist derber als «Pretty Woman», direkter als «Notting Hill» und weit weniger distinguiert als etwa «The American President». Aber das Lustspiel macht gerade wegen der talentierten Rollenbesetzung und witziger Oneliner mächtig Spass. Da sieht man sogar über die eine oder andere Geschmacklosigkeit hinweg.

«Brightburn» – ebenfalls ab Donnerstag im Kino

Nach einem unerfüllten Kinderwunsch wird Tori Breyers (Elizabeth Banks) dank der Ankunft eines mysteriösen Jungen doch noch Mutter. Brandon ist zu Beginn ein Segen: intelligent, begabt, neugierig. Erst als Pubertierender offenbart sich seine dunkle Seite.

Wenig Schocks, viel Leerlauf

Während aktuell angesagte Action-Comics ihre Heldengeschichten episch ausbreiten, begnügt sich dieser Badboy-Trip mit einer Laufzeit von nur gerade 90 Minuten. So wird nie erklärt, warum Brandon böse ist und in wessen Auftrag er handelt. Der Junge wirkt auch weniger furchteinflössend wie andere Horrorkinder. Es bleibt ein langatmiges Slasher-Movie mit nur wenigen gelungenen Schocksequenzen (Stichwort: Splitterglas-Auge) und viel Leerlauf. Schade, dass der «Guardians of the Galaxy»-Profi James Gunn die Regie dem spannungstechnisch überforderten Newcomer David Yarovesky überlassen hat.

Auch ab Donnerstag: «Au bout des doigts»

Unglaublich, aber wahr: Am Pariser Bahnhof Gare du Nord steht ein öffentliches Klavier, an dem jeder Passant sein Können demonstrieren kann. So auch der junge Mathieu (Jules Benchetrit), der mit seinem Spiel die Aufmerksamkeit von Pierre Geithner, Leiter des Pariser Konservatoriums, auf sich zieht. Es kommt, wies kommen muss: Pierre nimmt Mathieu unter seine Fittiche und trimmt ihn mit Hilfe einer Professorin (versiert auch auf Französisch: Kristen Scott Thomas) zum renommiertesten Klavierwettbewerb des Landes.

Musikalischer Feelgood-Schmus

Trotz vorhersehbarem Handlungsverlauf punktet dieses Gefühlsdrama insbesondere musikalisch. So widerspiegelt die Auswahl der Stücke die jeweilige Gefühlslage der Hauptfigur. Feelgood-Schmus hin oder her – letztlich hätte man sich schon etwas mehr Originalität gewünscht.

Mehr Kino-Infos in der «20 Minuten»-Printausgabe vom Donnerstag.