Kinostarts der Woche

05. Juni 2019 22:04; Akt: 05.06.2019 22:04 Print

Von X-Men, Flüchtigen und Wohnungsmieten

von Mohan Mani - «X-Men: Dark Phoenix», das Jugendabenteuer «Roads» und die Gentrifizierungsdoku «Push» kämpfen ab Donnerstag um Kinofans.

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Bei einer lebensgefährlichen Mission im Weltall verliert Jean Grey (Sophie Turner) im Action-Comic «X-Men: Dark Phoenix» fast ihr Leben, als sie ein kosmisches Wesen absorbiert, das sie mit extrem starken Mutantenkräften ausstattet. Nach ihrer Rückkehr auf die Erde lassen sich die Mächte in ihr nicht bändigen. Jean verliert immer mehr die Kontrolle über sich und fügt jenen Schmerzen zu, die sie am meisten liebt. Und so sehen sich die X-Men und –Women erstmals mit einer Feindin aus den eigenen Reihen konfrontiert.

Ernstere «X-Men»-Tonart

«Wer sind wir? Sind wir einfach das, was andere wollen? Müssen wir uns einem Schicksal fügen, das ausserhalb unserer Kontrolle liegt? Oder können wir uns weiterentwickeln und etwas Besseres werden?» – Solche Fragen der menschlichen Existenz thematisiert der «X-Men: Dark Phoenix»-Autor und Regisseur Simon Kinberg hintergründig. Dies führt erzählerisch zu einer ernsteren Tonart als frühere «X-Men»-Spektakel.

Selbstverliebter Prof. Xavier

Anderseits gelingt es dem Bildersturm immer wieder, einzelnen Figuren in einem neuen Licht zu präsentieren. Nebst Jean Grey, die in früheren Jahren mal von Famke Janssen gespielt wurde, erfährt man hautnah, wie selbstverliebt der X-Men-Übervater Professor Charles Xavier (James McAvoy) mittlerweile geworden ist. Solch' spannenden Einzelszenen steht haufenweise Füllmaterial gegenüber, das man in anderen Marvel- und «X-Men»-Kinohits schon besser präsentiert bekam – von der esoterischen Grundbotschaft ganz abgesehen.

«Roads»: Gemeinsam auf Achse

Der 18-jährige Gyllen (Fionn Whitehead) aus London hat das Wohnmobil seines Stiefvaters entwendet und ist dem Familienurlaub in Marokko entflohen, als er zufällig auf den gleichaltrigen William (Stéphane Bak) aus dem Kongo trifft, der versucht, die Grenze nach Europa zu überwinden, um dort seinen verschollenen Bruder zu suchen. In diesem Moment grösster Verlorenheit werden die beiden Jungs zu Verbündeten.

Innige Bubenfreundschaft

Nach seinem One-Take-Drama «Victoria» erweist sich Sebastian Schipper erneut als versierter Geschichtenerzähler. Nicht nur harmonieren die beiden Hauptdarsteller perfekt, sondern auch manche Szene (wie etwa Moritz Bleibtreu als deutscher Hippie) hätte schnell peinlich werden können. Nicht aber hier: Angetrieben von jugendlicher Abenteuerlust bahnt sich das ungleiche Paar seinen Weg durch Marokko, Spanien und Frankreich bis nach Calais – wobei die Bubenfreundschaft gleich mehrmals auf die Probe gestellt wird.

Doku ab Donnerstag: «Push – Für das Grundrecht auf Wohnen»

Was haben Metropolen wie Toronto, Uppsala, Seoul, Berlin-Kreuzberg oder New York gemeinsam? – Überall – auch hierzulande – schnellen die Mietzinse in die Höhe und drängen Langzeitmieter aus ihren Wohnungen. Finanziert wird der Rausschmiss häufig mit Pensionskassengeldern und anderen Fonds, die Mietwohnungen zur Kapitalanlage machen.

Zwar einseitig, aber facettenreich

Die facettenreiche Doku des schwedischen Regisseurs Fredrik Gertten folgt Leilani Farha, der UNO-Sonderberichterstatterin für das Recht auf angemessenes Wohnen. Dabei befragt sie den Wirtschaftswissenschafter und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, die Soziologin Saskia Sassen und den Journalisten und Autor von «Gomorrha» Roberto Saviano. Gerne hätte man auch den Standpunkt grosser und im Film zitierter Investmentgesellschaften wie Blackstone gehört. Aber diese liess den Interviewtermin mit Farha kurzfristig platzen. Schade drum.