Realität pur

19. März 2015 23:42; Akt: 20.03.2015 12:24 Print

Wenn Doku-Serien wahre Verbrechen aufklären

Eine Reportage hat drei Morde eines Millionenerben aufgedeckt. Kein Einzelfall: Filme, die sich mit echten Kriminalfällen beschäftigen, haben Tradition.

Robert Durst verrät sich in «The Jinx» selbst (Quelle: Youtube).
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«Ich habe sie natürlich alle getötet», murmelt er in der letzten Folge. Und legt damit ein unfreiwilliges Geständnis ab. Jahrelang wurde Robert Durst verdächtigt, im Jahr 2000 seine damalige Freundin Susan Berman erschossen zu haben. Zudem verschwand die Ehefrau des Immobilienmoguls 1982 unter mysteriösen Umständen; 2003 trieb sein Nachbar leblos in der örtlichen Bucht – auf mehrere Plastiktüten verteilt.

Nun hat sich Durst also in «The Jinx» selber verraten. In der Doku-Serie des US-Senders HBO nimmt der 71-Jährige vor der Kamera Stellung zu den Geschehnissen – und wird gleichzeitig mit neuen Beweisen konfrontiert. Einen Tag bevor die letzte Folge ausgestrahlt wird, klicken in einem Hotel in New Orleans die Handschellen.

Johnny Depp und die «West Memphis Three»

Damit schreibt «Der Unglücksrabe», so der deutsche Titel, Fernsehgeschichte: Anders als fiktive Inszenierungen wie «True Detective» rollt die Reportage einen wahren Fall neu auf – und löst ihn sogar. Damit stellt die Serie sogar andere Dokumentationen, die sich ebenfalls mit echten Kriminalfällen beschäftigt haben, in den Schatten.

Joe Berlinger und Bruce Sinofsky beschäftigen sich in «Das verlorene Paradies – Die Kindermorde in Robin Hood Hills» in mehreren Teilen mit den Prozessen gegen drei Teenager, die 1993 unter Mordverdacht standen. Bekannt wurde das Trio als «West Memphis Three». Die Männer wurden 18 Jahre später aus der Haft entlassen, auch Hollywoodstar Johnny Depp hat sich für sie eingesetzt.

In «The Thin Blue Line» geht es um Randall Adams. Er erhielt eine lebenslange Gefängnisstrafe, weil er 1976 in Dallas einen Polizisten erschossen haben soll. Zu Unrecht, wie sich später herausstellte. Errol Morris hat sich des Falls 1988 angenommen und ihn verfilmt.

Fehlurteile und falsche Verdächtigungen

«Tod in Texas» (englischer Originaltitel: «Into the Abyss») begleitet zwei verurteilte Mörder – einer der beiden wartet auf die Todesstrafe. Regisseur Werner Herzog porträtiert die Angehörigen der Opfer, aber auch die Täter selbst.

Ken Burns schliesslich erzählt in «Central Park Five» die Geschichte von fünf afro- und südamerikanischen Männern, die 1989 der Vergewaltigung einer weissen Frau bezichtigt wurden. Ein Fehlurteil: Später gab ein überführter Sexualverbrecher die Tat zu.

Die Dokumentationen, so unterschiedlich die Inhalte auch sein mögen, wühlen auf. Zeigen erschütternde Tatsachen. Und bringen neue Fakten ans Tageslicht. Es sind Inhalte, die bestürzender sind als manche Hollywood-Produktion. Und dazu erst noch wahr.


«Das verlorene Paradies – Die Kindermorde in Robin Hood Hills»


«The Thin Blue Line»


«Tod in Texas»


«Central Park Five»

(scy)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Denker am 20.03.2015 00:06 Report Diesen Beitrag melden

    Ich frage mich....

    ... wie können die Täter mit ihrer Schuld leben? Ist da Stolz, Angst, Furcht, Scham oder was? Sind das alles Soziophaten? Das Gehirn eines Menschen ist wohl doch unergründlich.

  • Sheriff am 20.03.2015 00:11 Report Diesen Beitrag melden

    Die Wahrheit kommt ans Licht...

    ..mindestens einer, kennt immer die Wahrheit und den Täter. Der Mörder selbst und er muss damit Leben. Jede Tat, die ans Licht kommt, bedeutet Klarheit für die Angehörigen und das ist unendlich wichtig um irgendwann, in Frieden zu kommen, mit dem was war.

  • u.m. am 20.03.2015 04:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine Lösung ausser Bluff

    Solche fabrizierten Beweise sollte man mit Vorsicht geniessen. Auch die können falsch sein oder auf Irrtum beruhen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • razzil am 20.03.2015 07:59 Report Diesen Beitrag melden

    Moralisch Verwerflich

    Ich finde das Konzept ehrlich gesagt moralisch nicht in Ordnung. Bei der Sendung spielen Einschaltquoten eine grosse Rolle und Verbrechen aufklären um Einschaltquoten zu gewinnen ist nicht richtig. Dadurch werden unter Umständen beteiligte Personen schlecht dargestellt und ins falsche Licht gerückt. Karrieren von Beamten können wegen eines kleinen Fehlers zerstört werden. Ich glaube nicht, dass das ganze seriös sein kann. Vor millionen von Zuschauer zu einem Geständnis gezwungen zu werden ist die Folter des 21. Jahrhunderts.

    • obenohne am 20.03.2015 08:45 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte lesen

      Sie haben den artikel aber schon gelesen? Also wer jemanden umbringt, der gehoerthinter schloss und riegel, da ist finde ich fast alles legitim (folter natuerlich ausgeschlossen).

    • Egger Tanja am 20.03.2015 08:47 Report Diesen Beitrag melden

      @razzil

      Über die Effekthascherei kann man sicherlich diskutieren. Aber die hier beschriebene Verharmlosung finde ich erschreckend. Der "kleine Fehler" eines Beamten hat immerhin mehr als nur die Karriere eines anderen Menschen ruiniert. Unschuldig 18 Jahre oder länger im Gefängnis zu sitzen ruiniert wohl eher das ganze Leben. Da ist jedes Mittel recht, dass sie wenigstens nicht noch länger unschuldig leiden müssen.

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  • A_lex am 20.03.2015 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abwarten

    Wenn man die Aufnahme hört, klingt es eher ironisch... frei übersetzt etwa: " Jaaa klar habe ich alle getötet.." Wenn man sich die Interviewfragen vorstellt also kein Wunder... Jeder ist bis zur Verurteilung unschuldig!

  • Zuhörer am 20.03.2015 06:56 Report Diesen Beitrag melden

    Sowohl Täter als auch Opfer haben

    das Bedürfnis über solche Geheimnisse zu sprechen. Angst vor Konsequenzen, Versprechen zu schweigen und Schutz des Täters/des Täterkreises verhindern eine Offenlegung. Beide, Täter und Opfer leiden oft ein Leben lang unter der Last von Geheimnissen. Es ist eine grosse Entlastung, wenn sie diese Ereignisse mitteilen können.

  • Wp am 20.03.2015 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dexter

    Er wollte ein Dexter sein, hielt sich aber nicht an den Codex.

  • Alan Shore am 20.03.2015 05:24 Report Diesen Beitrag melden

    In dubio pro reo....

    ...der brummelt ja nur was, nennt keine Namen. Ein bisschen Show muss sein, danach wegen fehlender Beweislast oder zu guten Anwälten, ein paar Stunden Sozialdienst vielleicht...