«The Beaver»

06. Juli 2011 20:01; Akt: 06.07.2011 20:06 Print

Wenn das Plüschtier überhandnimmt

Packendes Familiendrama mit Jodie Foster und Mel Gibson, dessen «Zwei stahlharte Profis»-Zeiten endgültig vorbei sind.

«The Beaver» Trailer.
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Walter Black (Mel Gibson) führt ein scheinbar perfektes Leben: Er leitet eine Spielzeugfirma, hat eine liebevolle Ehefrau (Jodie Foster) und ist Vater zweier Söhne. Doch Walter leidet an einer schweren Depression und kann keiner Rolle mehr gerecht werden. Sein Leben gerät immer mehr aus den Fugen, bis ihn seine Frau vor die Tür setzt. Walter ist am Ende, doch durch Zufall entdeckt er eine Biber-Handpuppe im Abfall, die sich als Rettung vor dem Selbstmord in der Dusche erweist. Denn ab diesem Zeitpunkt lässt Walter den Biber für sich sprechen. Zwar reagiert seine Umwelt zunächst höchst irritiert, mit der Zeit akzeptiert sie aber sein eigenwilliges Verhalten und lernt die Vorzüge der Handpuppe zu schätzen, die den Träger auf Schritt und Tritt, ja sogar ins Ehebett und unter die Dusche begleitet. Plötzlich scheint Walter wie geläutert. Und dank des Bibers bekommt sein Leben endlich wieder einen Sinn.

Ungeachtet aller Skandale aus Mel Gibsons Privatleben muss man eingestehen: Der Oscarpreisträger beherrscht die Schauspielkunst, wenn man ihn nur lässt. So lächerlich die Idee eines Mannes mit einer Handpuppe auch erscheinen mag, dank Gibsons Darstellungskraft (notabene ohne jegliche Computertricks) überzeugt sie auf Anhieb. Und zusammen mit Co-Star und Regisseurin Jodie Foster erst recht. Spannend auch die Nebenhandlung um den älteren Sohn Nathan (Anthon Yelchin), der für eine Highschool-Kollegin eine Abschlussrede verfassen soll.

«The Beaver» bietet bestes Schauspielerkino, ersetzt für Midlife-Crisis-Geplagte und Selbstmordgefährdete jedoch bestimmt keine Psychotherapie. Aber die Hollywood-­Lösung aller Probleme mit Hilfe eines simplen Plüschtiers lässt die Seelennöte aller Charaktere in einem neuen, zuweilen kindlichen Licht erscheinen. So gesehen ist es denn auch kein Wunder, dass Walter seinem jüngsten Sohn Henry (Riley Thomas Stewart) dank des Plüsch-Bibers auf Anhieb viel näher ist als allen Erwachsenen.

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