Kinostarts der Woche

24. Oktober 2018 10:24; Akt: 24.10.2018 10:24 Print

Wenn sich ein Jude in eine Nichtjüdin verguckt

von Mohan Mani - «Wolkenbruch»-Comedy oder «Halloween»-Gruselschocker – hier kommen die Neustarts der Woche. Ab Donnerstag im Kino.

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Haben Sie mir heute auf den Tuches geschaut, Herr Wolkenbruch?» fragt die Uni-Studentin Laura (süss: Noémie Schmidt) ihren jüdischen Komilitonen Mordecai Wolkenbruch (herrlich unbeholfen: Joel Basman) – oder kurz: «Motti». Das brave Muttersöhnchen hat ihr beim gemeinsamen Velofahren auf den Po gestarrt. Im Umgang mit Frauen hat Motti null Erfahrung, sollte von seiner Meme (herrlich klischiert: Inge Maux) schon längst verheiratet werden, aber verguckt sich stattdessen immer mehr in eine sogenannte Schickse, also eine Nichtjüdin. Da sind familiäre Turbulenzen so sicher vorprogrammiert wie das Amen in der Synagoge ... ähm ... Kirche.

«Wolkenbruch» mit viel Witz und Pepp

Nachdem Regisseur Michael Steiner die Familienkomödie («Mein Name ist Eugen»), das Wirtschaftsdrama («Grounding – Die letzten Tage der Swissair»), die Bauernsage («Sennentuntschi»), ja sogar das Scary-Movie-Genre («Das Missen-Massaker») nach seinem Gusto interpretiert hat, wendet er sich in seinem Kino-Comeback nach sechs Jahren der Liebeskomödie zu. Die simple «Boy meets girl, boy loses girl, boy gets girl back»-Story serviert er mit spannenden Figuren, inszenatorischem Schmiss, viel Witz, Pepp und einer knackigen Laufzeit von nur gerade 90 Minuten.

Lustvolle Lustspielkomödie

Seine Verfilmung der gleichnamigen Romanvorlage von Thomas Meyer verfügt über amüsante Monologe direkt in die Kamera (wie bei der TV-Serie «House of Cards»), neue Ansichten der Stadt Zürich (Quartiere Wiedikon und Enge) und einen gekonnten Sprachenmix aus Deutsch, Jiddisch und Hebräisch (mit vereinzelten Untertiteln). Herausgekommen ist eine lustvolle Lustspielkomödie, die zum Schluss kurz auf Drama macht, um letztlich wieder die Comedy-Kurve zu kriegen.

Nacktes Grauen in «Halloween»

Wie bitte, Hollywood? Eigentlich ist doch Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) im Jahr 2002 ihren Filmtod in «Halloween: Resurrection» gestorben … und meldet sich jetzt in derselben Rolle auf die Leinwand zurück. Dies ist nur möglich, weil die Macher des neuen «Halloween»-Trips direkt ans Original von John Carpenter aus dem Jahr 1979 anknüpfen. Was wäre, wenn der Serienmörder Michael Myers am Schluss von Teil 1 festgenommen worden wäre? Was wäre, wenn Laurie und Michael gar nicht Bruder und Schwester wären, sondern Fremde, deren zufälliges Aufeinandertreffen ihre Lebenswege veränderte? So wartet Michael (Nick Castle) 40 Jahre im Gefängnis, bis er sich endlich an Laurie rächen kann. Doch diese ist auf der Hut.

Retro-Horrorkult pur

So originell die Ausgangsidee mit viel Frauenpower, so gut aufgemotzt die legendäre Filmmusik, man landet letztlich beim gleichen Katz-und-Maus-Spiel, das in der heutigen Zeit etwas antiquiert wirkt. Aber Retrokult ist bekanntlich angesagt. Und für wahre Fans stirbt das personifizierte Böse namens Michael Myers sowieso nie.