Schweizer Film

28. Dezember 2018 08:20; Akt: 07.01.2019 14:43 Print

445 Franken Fördergeld auf 1 verkauftes Kinoticket

Schweizer Publikumshits wie zuletzt «Wolkenbruch» sind rar. Viele heimische Kinofilme laufen praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

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Das Schweizer Filmschaffen hat 2018 einen veritablen Blockbuster hervorgebracht: Bereits über 230'000 Zuschauer haben «Wolkenbruch» gesehen. Damit verzeichnet die Komödie von Michael Steiner in der Deutschschweiz deutlich mehr Eintritte als Bradley Coopers Hit «A Star Is Born». Es sei der meistgesehene Film in der Deutschschweiz, verkündet DCM Films in einer Mitteilung gestern.

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Ein riesiger Erfolg für alle Beteiligten – aber keiner, der aus dem Nichts kam. Ein unterhaltsamer, massentauglicher Stoff, der auf einem beliebten Bestseller basiert, macht einen Publikumserfolg wahrscheinlich. Dank der guten Mundpropaganda läuft der Film seit dem Start im Oktober immer noch in den Kinos.

Die Publikumsflops

Ein ganz anderes Bild zeigt sich bei «Der Unschuldige». Im Drama von Simon Jaquemet gerät eine Wissenschaftlerin in den Bann der Freikirchen. Der Streifen, der eine Woche nach «Wolkenbruch» ins Kino kam, fand keine Resonanz beim Publikum. Nur etwas über 2000 Menschen wollten sich den Film anschauen.

Das ist selbst für Schweizer Arthouse-Filme eine Katastrophe. Zum Vergleich: Das Drama «Mario» über einen schwulen Fussballer holte im März immerhin 10'000 Leute ab. «Der Läufer», ein düsteres Drama über einen Athleten, der zum Frauenmörder wird, schaffte 17'000. Bei der breiten Masse aber fanden diese Filme keine Beachtung. Den vielleicht grössten Flop des Jahres lieferte Regisseur Cihan Inan. Sein Spielfilm «Zone Rouge» bewegte laut Zahlen von Procinema nicht einmal 500 Menschen dazu, sich ein Kinoticket zu kaufen.

Maximal eine Million Franken pro Film

Da muss man sich die Frage stellen: Was läuft hier falsch? In der Schweiz gibt es pro Spielfilm maximal eine Million Franken Fördergeld vom Bundesamt für Kultur. «Wolkenbruch» wurde mit 920'000 Franken bedacht. Aber eben auch Projekte, die wenig Aussicht auf Publikum haben, erhalten grosszügig Fördergelder.

Das hat laut Ivo Kummer, Chef der Sektion Film beim Bundesamt für Kultur, auch seine Richtigkeit. «Der Bund muss die Vielfalt im Filmschaffen und im Filmangebot fördern. Dazu gehören Projekte aus allen Landesteilen in den unterschiedlichsten Genres. Jeder Film ist ein Unikat. Erfolg lässt sich schwer planen», sagt er gegenüber 20 Minuten.

«Zwingli» muss Quote machen

Das stimmt, trotzdem haben die Profis Erfahrungswerte. Dass «Der Unschuldige» keine Massen ins Kino locken würde, war absehbar. Trotzdem gab es für das Drama insgesamt über 980'000 Franken Fördergeld. Wenn man diese Summe durch die 2200 verzeichneten Kinoeintritte dividiert, kommt man auf eine Subventionierung von mehr als 400 Franken pro Kinoticket.

Immerhin durfte das Drama als erster Schweizer Film überhaupt seine Weltpremiere am renommierten Filmfestival Toronto feiern. Inwiefern das für den Schweizer Durchschnittsbürger relevant ist, ist eine andere Frage.

Klar ist auch: Ein Schweizer Film ist – aufgrund der verschiedenen Sprachregionen und der geringen Einwohnerzahl – sowieso fast nie rentabel. Aber komplett am Publikum vorbeizufördern, ist auch nicht der richtige Ansatz. Definitiv Quote machen muss das Mammut-Projekt «Zwingli», das im Januar in die Kinos kommt. Der Streifen über Zürichs Reformator wurde vom Bund mit der gesetzlichen Höchstsumme von einer Million Franken bedacht.

Hier noch der Trailer zum Top-Hit «Wolkenbruch»:

Und so wurde «Der Unschuldige» vorab beworben:

«#Female Pleasure» ist mit fast 40'000 Eintritten allein in der Deutschschweiz der erfolgreichste Dok-Film:

(cat)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • wetter macher am 28.12.2018 08:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die Kunst

    Ja die Kunst... Was täten wir auch wenn wir die nicht hätten? Ich würde mindestens 99% davon nicht vermissen. Da werden Millionen verlocht damit ein paar wenige die hohle Hand machen können und ihrem Hobby fröhnen können. Die könnten sich niemals selbst finanzieren bis auf ein paar ganz wenige. Ich muss auch arbeiten gehen und lebe nicht von der Musik, im Gegenteil, es kostet sogar.

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  • Muggi am 28.12.2018 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja genau

    Na Bravo ! Aber für die AHV hat man in Bundesbern kein Geld. Aber Hauptsache das Geld wird ausgegeben. So funktioniert es inzwischen in der Schweiz. Einfach nur traurig!!!

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  • Buggero am 28.12.2018 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Förderung

    Ein Luke Gasser Film ist für die Schauspieler und deren Verwandte interessant zu schauen. Dies ergibt dann wohl gegen 500 Eintritte. Jedoch finde ich es sehr fraglich, ob dies genügt, um Fördergelder zu kassieren. Evtl. würde die Qualität der Storys besser werden, wenn die Filmemacher wüssten, dass ihr Film privatwirtschaftlich genügend einbringen muss.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roger Bolliger am 28.12.2018 18:52 Report Diesen Beitrag melden

    Armee?

    Und wieviel kostet die Armee? Da kann ich auch nichts davon essen (weil das ja das Argument für die Bauern zu sein scheint) und brauchen tu ich die auch nicht. Ein anderer findet er braucht sie und deshalb habe ich da nichts dagegen. Und genau so ist es mit der Kunst, sehr viele glauben, dass sie wichtig ist und deshalb wird sie finanziert. Weil wir in der Schweiz gemeinsam entscheiden und Dinge akzeptieren auch wenn wir anderer Meinung sind.

  • Roland am 28.12.2018 18:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Bund muss?

    Nein, der Bund muss gar nichts wenn der Steuerzahler es nicht will. Die Besucherzahlen zeigen doch relativ deutlich was der Steuerzahler will.

    • Leser am 28.12.2018 22:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Roland

      Der Bund macht also quasi nur etwas, wenn der Steuerzahler " es will"? Selten so amüsiert...

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  • Marcodue am 28.12.2018 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Kulturschändung...

    Für mich ist das nicht nur veruntreung von Steurrgelder, sondern gleich auch Kulturschändung mit Steuergelder

  • Jeanine Meyer am 28.12.2018 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Mafiöse Strukturen

    Wer etwas produziert, dass der Markt nicht zahlt und will, muss den Job wechseln. Eine grosse Ungerechtigkeit und Sonderbehandlung gegenüber anderen Selbstständigen!

  • Esdi am 28.12.2018 18:06 Report Diesen Beitrag melden

    N aund ?

    Na und ? In der Landwirtschaft werden Subventionen in Millardenhöhe verlocht, Geld schwint genug da zu sein.