Fragwürdige Webseite

22. Februar 2011 15:36; Akt: 22.02.2011 19:45 Print

«Auf einmal sieht mich jeder nackt»

von Niklaus Riegg - Nach Promis müssen sich jetzt auch Normalos vor ungewollten Nacktfotos im Internet fürchten. Eine US-Webseite machts möglich. Der Macher arbeitet mit fragwürdigen Mitteln.

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Auf Twitter nennt sich Hunter Moore «professioneller Lebens-Ruinierer». Diese Job-Beschreibung trifft den Nagel auf den Kopf. Seit rund drei Monaten betreibt Moore die Webseite IsAnyoneUp.com. Deren Idee ist bestechend einfach: Anonym können indiskrete Fotos von der Ex-Freundin, von Affären oder One-Night-Stands eingesandt werden, Moore wählt die Aufregendsten aus – und reichert sie mit Kommentaren an. «Ich fand es schon immer köstlich, jemanden nackt zu sehen, den man kennt», so Moore gegenüber Alt Press. «Es ist einfach faszinierend, egal ob das Foto eher zum jemanden Auslachen ist oder ob man davon spitz wird.»

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Sex-Fotos im Internet sind nun wirklich kein neues Phänomen. Über ein Drittel aller Webseiten enthalten mittlerweile pornografisches Material. Doch Is Anyone Up öffnet ein neues, unrühmliches Kapitel: Bis jetzt zeigt die überwiegende Mehrheit der Nacktdarstellungen Professionelle oder Amateure, die bewusst für das Internet pornografische Inhalte herstellten. Jetzt kann jedermann auf einmal gegen den eigenen Willen für alle Welt nackt zu sehen sein. Besonders fies: Viele erfahren erst von Freunden, dass sie auf der Seite in verfänglichen Posen zu sehen sind.

Todesdrohungen

Die Idee ist ein Erfolg: «Ich startete die Seite. Und innerhalb weniger Tage hatte ich schon 20 oder 30 E-Mails mit Fotos», so Moore. Mittlerweile gibt es die Page seit etwas über drei Monaten und weit über 500 Posts mit primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen. Doch nicht jeder, der gezeigt wird, freut sich. Die Seite ist regelmässig Hackerangriffen ausgesetzt und bei Moore sind schon diverse Hassmails eingetroffen – Todesdrohungen inklusive: «Wenn du noch einmal ein Foto von meinem Freund hochlädst, dann werde ich herausfinden, wo du wohnst. Und dann werde ich dich töten», schrieb ihm etwa eine Betroffene. Moore nimmt es sportlich – und postet die Mail in seinem Blog.

Kopfgeld

Ohnehin scheint Moore von der Kritik geradezu beflügelt – und greift zu immer fragwürdigeren Methoden, um an Nacktbilder zu kommen. So postete er etwa Fotos von angezogenen Frauen, die er auf Facebook oder Twitter gefunden hatte, zusammen mit dem Aufruf «Zieh dich aus!». Teilweise mit Erfolg. Doch damit nicht genug. Sein neuester Coup: Er setzt Kopfgeld aus, bläst zum Halali auf Unbekannte. Wenn er Bilder von einer Person findet, von der er mehr sehen will, dann fordert er seine Leser auf, aufreizende Fotos von ihr zu suchen – und ihm zu schicken.

Moore wählt die Fotos nicht unbedingt nach ästhetischen Gesichtspunkten aus. Er postet auch regelmässig Bilder von wenig attraktiven Menschen – nur um einen Schwall von Häme über sie zu giessen. So wählt er regelmässig das «Wasserspeier-Gesicht» des Tages. Oder er fügt nach Fotostrecken Bilder ein, die so despektierlich sind, dass sie jeder Beschreibung spotten.

Semi-Prominente

Neben Nobodys tauchen auch immer wieder Musiker und Semi-Prominente auf Is Anyone Up auf, zuletzt etwa Adam Green oder Ian Watkins von den Lostprophets. Fans und Groupies von US-Emo-Bands haben sich einen Sport daraus gemacht, indiskrete Fotos ihrer Lieblinge einzuschicken. So auch von All-Time-Low-Bassist Zack Merrick: «Auf einmal sieht mich jeder nackt», so Merrick zu Alt Press. «Ich habe versucht, es so aussehen zu lassen, als wärs mir egal. Aber es kotzt mich an. Was sage ich meinen Eltern, wenn sie es herausfinden?»

Dank den Fotos dieser Musiker und Semi-Prominenten ist Is Anyone Up regelmässig ein Trending-Topic auf Twitter. Und auch die Suchanfragen über Google sind in den letzten Wochen geradezu explodiert. So macht Moore dank T-Shirts und Werbung Reibach mit seiner fragwürdigen Idee.