Der Coiffeur von L.A.

10. Mai 2012 13:47; Akt: 10.05.2012 13:54 Print

Den Frauen hinterlässt er Pixie und Bob

Vidal Sassoon befreite die Frauen der frühen 60er von Haarspray, Toupierkamm und Lockenwicklern. Am Mittwoch starb der Figaro in Los Angeles - mit Pixie-Cut und Bob setzte er sich ein Denkmal.

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Einer der grössten Pioniere der Modewelt ist tot. Vidal Sassoon, der Visionär mit der Schere, der seine Zunft wie kein zweiter nachhaltig verändert hat, starb 84-Jährig in seinem Haus in Los Angeles. Er ist seinem langjährigen Krebsleiden erlegen. In seinen geometrischen Haarschnitten, die heute noch genauso beliebt sind wie zu Zeiten ihrer Kreation in den frühen Sechziger Jahren, wird der Brite aber auf ewig weiterleben.

Sassoon war 14 Jahre alt, als seine Mutter eine Vision hatte: Ihr Bub würde dereinst ein gefeierter Coiffeur werden. Die Familie war bettelarm, der Vater hatte sich Jahre zuvor aus dem Staub gemacht. Sassoon durfte sich bei einem Londoner Salon vorstellen, und wurde aufgrund seiner guten Manieren tatsächlich als Lehrling eingestellt. Der Laden war in einem Arbeiterviertel ansässig, und Sassoon, rasch von Ehrgeiz gepackt, nahm Sprachunterricht, um seinen Cockney-Dialekt und das damit einhergehende soziale Stigma loszuwerden. 1954 eröffnete Sassoon seinen ersten eigenen Salon in London. 20 weitere sollten folgen, unter anderem in New York und Beverly Hills.

Haarspray ade

Ende der Fünziger Jahre revolutionierte er die Art, wie Frauen ihr Haar trugen. Bis anhin toupiert und mit Spray zur starren Konstruktion erhoben, befreite er die moderne Frau von stundenlangem Styling-Prozedere und wöchentlichen Ausflügen in den Salon. Sassoon kam es einzig und allein auf den Schnitt an. Er stylte die Haare seiner Klientel in geometrischen Formen und mit scharfen Konturen, die die jeweilige Gesichtsformen der Kundin perfekt betonten. Waschen und trocknen - so pflegeleicht war und ist eine Sassoon-Kreation.

Die Geburt des Pixie-Cuts

Ein Paradigmen-Wechsel in einer Zeit, in der Natürlichkeit und Individualität nicht gerade Trumpf waren. 1963 gelang ihm mit seiner Vision einer neuen Frau der Durchbruch. Er verpasste der Schauspielerin Nancy Kwan einen Bob mit scharfen Konturen. Der Look wurde als «Kwan Cut» bekannt und erschien in der amerikanischen und britischen Vogue sowie weiteren Modeheften rund um den Globus.

Als Sassoon 1965 Mia Farrows Haare für ihre Rolle in «Rosemary's Baby» raspelkurz schnitt, glich das einer Sensation. Er versammelte die Presse in seinem Salon, die live dabei war, als die blonden Locken von Farrow der Schere zum Opfer fielen. Der Pixie-Cut war geboren. Regisseur Roman Polanski zahlte dem Figaro 5000 Dollar dafür - zu jener Zeit eine unglaubliche Summe. Der Look wurde zu Farrows Markenzeichen, und «Rosemary'Baby» zur perfekten Werbeplattform. «Es ist ein Vidal Sassoon!» engegnet Farrow im Film einer Figur, die geschockt auf ihren burschikosen Haarschnitt reagiert. «Es ist sehr in.» Und «In» ist der Haarschnitt nicht zuletzt dank Promi-Trägerinnen wie Michelle Williams und Emma Watson noch immer.

(cat)

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