Ozapft is!

24. September 2015 05:39; Akt: 24.09.2015 08:02 Print

Die Schweiz im Oktoberfest-Rausch

von Lucien Esseiva - Das Oktoberfest in München ist das grösste Volksfest der Welt. Mittlerweile will die ganze Welt ein Stück von der Brezel. Auch in der Schweiz boomt die Bierschwemme.

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So kennt man das Oktoberfest in München. Die Sause findet seit über 200 Jahren statt und lockt Millionen Gäste auf die Wiesn. Aber nicht nur in Bayern, auch in Zürich feiert man ausgelassen - mit Mass Bier, Dirndl und allem was dazu gehört. Promis, wie Michael Ballack mit seiner neuen Freundin Natascha, zeigen sich gerne in den Promizelten. Das Oktoberfest in München ist so erfolgreich, dass es auch in der Schweiz adaptiert wird. Einer der ersten Ableger war das Oktoberfest auf dem Bauschänzli in Zürich. Mittlerweile gibt es in der ganzen Schweiz Oktoberfeste. Starwerber Frank Bodin kann sich den Boom gut erklären: «Wir verbringen immer mehr Zeit im virtuellen Raum und isolieren uns in unseren vier Wänden. Darum wächst das Bedürfnis, in einer Gruppe live zu feiern», analysiert er die Situation. It-Boy Reto Hanselmann wird dieses Jahr an einem Tag ein eigenes Oktoberfest in Zürich veranstalten. «Das gemeinsame Sitzen an einem Tisch bringt die Menschen viel näher zueinander als in einem Club», findet er. Die Nachfrage ist so gross, dass Schweizer Detailhändler Trachten und Lederhosen ins Sortiment aufgenommen haben. Reine Geldmacherei? Werber Bodin verneint: «Dass es eine Marketing-Masche ist, ist ein Irrtum. Ein Wunsch trifft auf ein Angebot», erklärt er und ergänzt: «Man darf es der Migros oder dem Manor nicht verübeln, dass sie auf den Zug aufspringen. Auch Halloween ist keine Schweizer Tradition, die Kleinen möchten dann trotzdem Kürbisse schnitzen. Warum sollten sie zu diesem Anlass keine Kürbisse verkaufen dürfen?»

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Die Tradition des Münchner Oktoberfests ist über 200 Jahre alt. Kein anderer Termin wird in der bayrischen Hauptstadt so dick im Kalender angestrichen wie die Mega-Fete auf der Theresienwiese.

Die Faszination Oktoberfest strahlt in die ganze Welt aus. Jedes Jahr strömen tausende Touristen aus aller Welt nach München, um sich literweise Bier hinter die Binde zu kippen und sich mit Brezeln, halben Ochsen und Hendl zu verköstigen. 2014 zählten die Organisatoren 6,3 Millionen Gäste. Dass solche Zahlen massive Umsätze mit sich bringen, versteht sich von selbst.

«Schweizer kennen die bayrische Geschichte und Tradition nicht»

Dass mit dem Oktoberfest Geld zu verdienen ist, hat man auch in der Schweiz gemerkt. Über das ganze Land verteilt, spriessen die Bierzelte wie Pilze aus dem Boden. In Zürich gibt es gar zwei Veranstaltungen zur selben Zeit. Für Starwerber Frank Bodin steht aber nicht das Finanzielle im Vordergrund. «Wir verbringen immer mehr Zeit im virtuellen Raum und isolieren uns in unseren vier Wänden. Darum wächst das Bedürfnis, in einer Gruppe live zu feiern», analysiert er den Oktoberfest-Boom. Die Rahmenhandlung mit Dirndl, Lederhosen, Bier und Brezeln sei derweil nur eine Hülle. Dieses Set-up biete die Möglichkeit für ein fröhliches Beisammensein, sagt der Werber. Genauso gut könne man an ein Konzert oder an die Street Parade gehen.

Eine ähnliche Ansicht vertritt auch It-Boy und Partyveranstalter Reto Hanselmann. Er organisiert in Zürich selber ein eintägiges Oktoberfest und ist sich bewusst, dass sich die Schweizer nicht wirklich für die bayrische Tradition interessieren und auch die Geschichte des Fests nicht kennen. Für ihn ist das Gesellige das Schönste am Oktoberfest: «Das gemeinsame Sitzen an einem Tisch bringt die Menschen viel näher zueinander als in einem Club», sagt Hanselmann. Er stört sich auch nicht daran, dass immer mehr Oktoberfest-Plagiate in der Schweiz stattfinden. «Das ist doch gut für alle, die es sich nicht leisten können, nach München zu fahren.»

Migros und Manor haben Lederhosen im Sortiment

Der Hype ums Oktoberfest hat bereits die Schweizer Detailhändler erreicht. Migros und Manor haben Dirndl und Lederhosen in ihr Sortiment aufgenommen. Reine Geldmacherei? Werber Bodin verneint: «Dass es eine Marketing-Masche ist, ist ein Irrtum. Ein Wunsch trifft auf ein Angebot», erklärt er und ergänzt: «Man darf es der Migros oder dem Manor nicht verübeln, dass sie auf den Zug aufspringen. Auch Halloween ist keine Schweizer Tradition, die Kleinen möchten dann trotzdem Kürbisse schnitzen. Warum sollte Migros zu diesem Anlass keine Kürbisse verkaufen dürfen?»

Frank Bodin vermutet, dass der Hype um das Oktoberfest in den nächsten Jahren wieder abklingen wird. «Das Oktoberfest ist Brauchtum. Wie es das Wort sagt, wird Brauchtum immer wieder anders gebraucht und interpretiert. Gerade dann ist Tradition schön, wenn sie in Bewegung bleibt und Menschen inspiriert.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • McMoneysac am 24.09.2015 06:09 Report Diesen Beitrag melden

    "Brauchtum"

    ...und nachher ist ja schon wieder Halloween. Fehlt eigentlich nur noch, dass wir auch das japanische Kirschblütenfest, den amerikanischen Thanksgiving-Day, und, und, und feiern.

  • modinho am 24.09.2015 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    proooost

    oas, zwoa gsufa...... hihi, weil die jungen in der runde sitzen wollen, ist anders als im club......dann sollen die doch in unsere beizen kommen und die tische auffüllen......dann würde das beizensterben endlich ein ende haben.

  • Münchner Buar am 24.09.2015 05:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hochzeitsfest

    Ihr wiesst gar nicht aus welchem grund man das Oktoberfest feiert. Es ist die Hochzeit des König Ludwig I. und seiner Therese, wieso feiert ihr den Bayrischen König

Die neusten Leser-Kommentare

  • leserli am 24.09.2015 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Das sind rein finanzielle Interessen

    Hier geht es in erster Linie gar nicht ums Festen, sondern um die Kohle welche man damit erzielen kann. Wir würden besser daran tun, unsere eigenen Traditionen aufleben zu lassen, statt alles zu importieren was Kohle generiert. Mit dem Räbeliechtliumzug lässt sich halt keinen so grossen Gewinn erzielen. :-)

  • Berner Bär am 24.09.2015 08:00 Report Diesen Beitrag melden

    Wahnsinn stoppen.

    Diese organisierten Massenbesäufnisse (vornehmlich von Jungen) gehören verboten! Einerseits wird Prävention betrieben, andererseits solche Exzess-Veranstaltungen goutiert. Zudem ist eine billige Kopie immer schlechter als das Original...

  • Anton am 24.09.2015 07:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Völlig Unnötig

    Für mich bräuchte es keine solche Klone in der Schweiz. Das Oktoberfest in München ist sicher sehr schön, aber man muss ja nicht unbedingt alles nachäffen. Vor allem nicht weil wir selbst ja schon genügend gesellige Anlässe kennen. (Trachten-, und Schwing-Feste, Chilbi's, Dorffeste, usw.)

  • Herbst am 24.09.2015 07:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein eigenes Fest?

    Lustig...dafür sind die Deutschen dann wieder gut!Sonst aber gegen die selbigen meckern was das Zeug hält!;0)

  • Manfred Schweiger am 24.09.2015 07:36 Report Diesen Beitrag melden

    Sättigung

    Oktoberfeste gibt es in der heutigen Zeit wie Sand am Meer.