ESC-Siegerin

11. Mai 2014 11:03; Akt: 12.05.2014 22:30 Print

«Conchita Wurst will die Weltherrschaft»

Sie kam, sang und siegte. Conchita Wurst gewinnt den Eurovision Songs Contest 2014. Doch wer ist die Dame mit dem Vollbart überhaupt?

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Sie sorgte am diesjährigen Eurosvision Song Contest sowohl für Begeisterung als auch für Verwirrung. Conchita Wurst, die Frau mit Bart, gewinnt den ESC für Österreich. Die Lady mit dem Vollbart singt sich in Kopenhagen mit «Rise Like a Phoenix» in die Herzen der ESC-Fangemeinde. Conchita lässt ihre Trophäe nicht mehr aus den Augen. Doch wer steckt eigentlich hinter der Kunstfigur Conchita Wurst? Es ist dieser junge Herr. Thomas Neuwirth wird am 6. November 1988 in der oberösterreichischen Gemeinde Gmunden geboren. Auch wenn er hier so fröhlich strahlt, seine Kindheit war alles andere als ein Zuckerschlecken. Als Teenager wurde er gehänselt und gemobbt, weil er anders war. «Ich habe mich gar nicht mehr in den Pausen aufs Klo getraut, sondern bin nur noch während der Schulstunden gegangen», sagte Conchita und fügte an: «Es gibt nach wie vor Burschen, die sich aufgrund ihrer Homosexualität das Leben nehmen.» Deshalb auch die Kunstfigur Conchita Wurst. Die Schaffung der bärtigen Lady in eleganter Abendrobe samt Perücke erklärt der Künstler als Reaktion und Statement gegen Diskriminierung von Homosexualität. Er will die Menschen zum Nachdenken anregen über sexuelle Orientierung, aber genauso über das Anderssein an sich. Den Namen Conchita bekam er von einer Freundin aus Kuba und behielt ihn bei. Das Wort «Conchita» beschreibt in Lateinamerika das weibliche Geschlechtsteil. Den Nachnamen wählte er, «weil es eben wurst ist, woher man kommt und wie man aussieht».

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Wo sie hinkommt, sorgt sie für Verwirrung. Mann oder Frau, Abendkleid oder Bart – alles wurscht, denn bei Conchita Wurst ist der Name Programm.

Conchita Wurst alias Thomas Neuwirth erblickte am 6. November 1988 in der oberösterreichischen Gemeinde Gmunden das Licht der Welt. Tom war immer etwas anders, wie er berichtet, und das machte ihm seine Kindheit schwer. «Seit ich zwölf war, ahnte ich, dass ich wohl auf Jungs stehe», erzählt die 25-Jährige auf Salzburg.com. Schon früh trug er lieber Röcke als Hosen, seine Oma kaufte ihm dann endlich einen und die Familie war verwirrt. «Aber sie haben sich immer super verhalten und sind voll und ganz hinter mir gestanden», erzählte Conchita in einem Interview mit Seitenblicke.at. Doch nicht alle waren so verständisvoll. Vor allem in der Schule litt der Teenager darunter, dass er anders ist. «Ich habe mich gar nicht mehr in den Pausen aufs Klo getraut, sondern bin nur noch während der Schulstunden gegangen», sagte Conchita und fügte an: «Es gibt nach wie vor Burschen, die sich aufgrund ihrer Homosexualität das Leben nehmen.»

«Weil es ‹wurscht› ist, woher man kommt»

2006 trat der Schüler, damals noch als Tom und ohne Bart, erstmals in die Öffentlichkeit, als er an der dritten Staffel der ORF-Castingshow «Starmania» teilnahm. Er schaffte es auf den zweiten Platz. Doch danach wurde es wieder ruhig um den Gmundener. Er holte seine Matura nach und schloss die Ausbildung zum Modedesigner ab.

Vor drei Jahren erschien dann plötzlich die Kunstfigur Conchita Wurst auf der Bildfläche. Die Schaffung der bärtigen Lady in eleganter Abendrobe samt Perücke erklärt der Künstler als Reaktion und Statement gegen Diskriminierung von Homosexualität. Er will die Menschen zum Nachdenken anregen über sexuelle Orientierung, aber genauso über das Anderssein an sich. «Jugendliche sollen es leichter haben – und zwar egal, aus welchen Grund», so Conchita zu Heute.at. Den Namen Conchita bekam er von einer Freundin aus Kuba und behielt ihn bei. Das Wort «conchita» beschreibt in Lateinamerika das weibliche Geschlechtsteil. Den Nachnamen wählte er, «weil es eben ‹wurst› ist, woher man kommt und wie man aussieht».

Bereits 2012 versuchte Conchita ihr Glück beim österreichischen ESC-Vorentscheid, unterlag aber den Pogo-Jungs von Trackshittaz. Ein Jahr später hat sie es dann doch geschafft. Mit «Rise Like a Phoenix» vertrat sie ihre Heimat beim Eurovision Song Contest in Dänemark und triumphierte.

«Eine Schande für Österreich»

So viel Toleranz schwappt der bärtigen Dame aber nicht von allen Seiten entgegen. Bereits im Vorfeld des ESC versuchte Russland mit einer Petition Conchita an einer Teilnahme zu hindern. Erfolglos. Für Unmut sorgt Conchita Wurst auch bei Österreichs Katholiken: Die Website Katholisches.info nennt sie ein «künstlich gezüchtetes Monster» und «Schande für Österreich». Conchitas Auftreten kommt bei den Herren und Damen gar nicht gut an. «Wer nicht weiss, ob er Manderl oder Weiberl ist, gehört eher zum Psycho als zum Song Contest», ist weiter zu lesen.

Einigkeit und Wurstherrschaft

Auch den Amerikanern scheint die Wurst nicht wurst zu sein. The Wall Street Journal glaubt sogar, die bärtige Lady wolle die Weltherrschaft an sich reissen. «Ich träume von einer Welt, in der die sexuelle Orientierung egal ist und völlig nichtig», zitiert das US-Branchenblatt die Österreicherin und ist sich sicher: Wurst will ganz nach oben. «Wir sind eins, wir sind nicht zu stoppen», zitiert WSJ Conchita.

(isa)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Gratuliere dir Conchita und allen Homosexuellen auf der Welt zu deinem Sieg! Denn du hast nicht nur für dich gekämpft, sondern auch für alle anderen Homosexuellen auf dieser Welt! Auch für die in Russland, die durch das neue Gesetz von Putin verfolgt, geschlagen und sogar umgebracht werden! An alle Eltern die Kinder haben, ich habe auch drei wundervolle Kinder, die ich über alles Liebe! Sie haben kein Problem damit, dass ich Schwul bin, was wenn eines eurer Kinder Homosexuell ist? Wollt ihr eure eigenen Kinder verstossen, oder sie weiter Lieben wie vorher? Es sind eure Kinder!!!!!!! – Theo

Cooler Song, coole Performance, cooler Typ -"fescher" Mann mit Bart in Frauenkleidern - irritierend, scheinbar auch provozierend - egal, Congratulations! – Luminoso

Gratuliere zum Sieg ,Conchita. Gratuliere zum Sieg Anderssein. Gratuliere zum Sieg, Toleranz. Gratuliere zum Sieg, Zukunft. Das Leben ist Mannigfaltig und anscheinend sind doch nicht alle Menschen einfältig. – Josy

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Barious am 11.05.2014 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Offiziell

    Nun ist es offiziell: Der Eurovision Songcontest ist mir wurst!

    einklappen einklappen
  • Renz am 11.05.2014 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    hört auf

    ein anlass den niemand braucht...

  • Jonny am 11.05.2014 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Untergang 

    Wie kann man die Kinder von so ein Schwachsinn retten/schützen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Walter Spahni am 13.05.2014 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Also mir ist die Conchita

    einfach Wurst!

  • Lara am 12.05.2014 19:45 Report Diesen Beitrag melden

    OMG!

    Aha. Jahrelang macht man einen auf Unsere-Politik-ist-so-tolerant und dann das! Vorab: Ich bin 14 und habe KEIN Problem damit, dass eine 'Frau mit Bart' gewonnen hat, meine Freunde auch nicht. Ich glaub's nicht! Wollen wir uns nicht gleich alle wieder ins Mittelalter katapultieren lassen und wieder Hexen jagen?!? das ist wirklich das ALLERLETZTE! Außerdem: Ich würde meinen Bruder nicht hassen, wenn er plötzlich mit Frauenkleidern in die Schule gehen würde, oder meine Schwester mir sagen würde, dass sie lesbisch ist. Also hört auf mit diesem : "Wenn meine Kinder das wüssten..."!

  • Alessandro am 12.05.2014 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie blöd doch unsere Gesellschaft ist

    Beim nächsten ERC werde ich mich nackt hinstellen und alle meine Entlein singen. Wetten ich gewinne?

  • Johnson am 12.05.2014 18:16 Report Diesen Beitrag melden

    Schwul?

    Ich würd sogar wetten dass dieser Sieg einen politischen Hintergrund hat und gestellt worden ist. Kommt er doch gerade zum richtigen Zeitpunkt in der Krise mit Russland, die bekanntlich gegen Homosexualität steht. Da sind die USA die ersten welche den Sieg bejubeln obwohl sie gar nicht teilgenommen haben.

  • Andreas N. am 12.05.2014 18:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bessere Lieder

    Es gab bessere Lieder. Schade spielt die Politik eine zu grosse Rolle.