19. Juni 2007 10:23; Akt: 19.06.2007 10:43 Print

«Die Schweiz ist noch nicht reif für die Champions League der Unterhaltung»

Grosse Gesten, grosse Gefühle, grosser finanzieller Verlust: Am Montagabend gastierte Barbra Streisand im Hallenstadion. Aufgrund überhöhter Ticketpreise kamen trotz später Ramschaktionen nur 6000 Fans zum Konzert. Der enttäuschte Veranstalter fährt einen grossen Verlust ein.

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Streisand wusste mit klarer Stimme zu gefallen. Schlicht war das Bühnenbild, pompös gebärdete sich das 58-köpfige Orchester. Und liess die Sängerin gar die vier sie begleitenden Jungtenöre los, dann war man auch schon mal dem Kitsch nahe. Dabei war schnell klar, dass die magischen Momente des Abends die leisen waren: Etwa beim Publikumswunsch «You don't Bring me Flowers», zu dessen Veredelung es nebst Streisands behutsamem Gesang nur ein kleinlautes Klavier brauchte.

Die Amerikanerin war sichtlich begeistert und bedauerte gleich mehrfach, so lange gewartet zu haben, um endlich mal auch unseren Kontinent zu besingen. Auch meisten ihrer Fans waren sich bewusst: Das war eine einmalige Sache, ein Erlebnis mit Sonnen- und Schattenseiten. Ein Gewinn für die meisten, die dabei waren.

Am Schluss wurden die teuren Tickets verschenkt

Ein grosser Verlust war der Event hingegen für den Veranstalter, der sich die Finger an einem Superstar dieser Grösse vermutlich nicht mehr so schnell verbrennen wird. Denn das Konzert war, anders als etwa in London, wo die Billette innert 20 Minuten weg waren, keineswegs ausverkauft. Dies obwohl die Medienpartner unermüdlich auf die noch freien Plätze aufmerksam gemacht haben. Am Schluss wurden die Platzkarten förmlich verhökert: Migros-Mitarbeiter konnten sie für 75 Franken ergattern. Und in letzter Minute wurden gar mehrere hundert Tickets an Firmen verschenkt, damit das Konzertlokal einigermassen gefüllt war.

Enttäuschung bei Good News

Entsprechend enttäuscht zeigt sich Good-News-Mediensprecher Roger Cahn: «Dieses Konzert war so etwas wie ein Probelauf für die ganz grossen Stars. Offensichtlich sind wir in der Schweiz doch nicht reif für die Champions League der Unterhaltung: Madonna wird wohl noch lange nicht bei uns auftreten, weil die Masse sich solche Preise nicht leisten will.»

«Kein Wunder», sagt ein ehemaliger Good-News-Mitarbeiter. «Für einen Sitzplatz im profanen Hallenstadion will niemand über 200 Franken hinblättern. Hätte man die Streisand im Luzerner KKL oder in der Zürcher Tonhalle programmiert, wäre der Zuspruch der Gutbetuchten sicherlich besser gewesen.»

Schaler Nachgeschmack

Gross war der Aufschrei schon im Vorfeld des Streisand-Konzerts: Tickets für bis zu 2200 Franken, bei Sitzen à 300 und 500 Franken nur Blick in den Rücken des 58-köpfigen Orchesters und der 65- jährigen Sängerin. Und nach dem Konzert blieb den Gästen trotz aller Begeisterung ein schaler Nachgeschmack. Denn wer wie üblich zuerst kaufte, sass diesmal leider nicht in der ersten Reihe, sondern fühlte sich im Nachhinein verschaukelt.

SDA/voi


Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • maxroemo am 19.06.2007 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Barbara wer?

    Zeugt wohl nur vom guten Geschmack der Schweizer, wenn man dieses Konzert gemieden hat. Da will wohl ein Good news manager seinen Hals retten. Aber eigentlich ist es ja schon von Anfang an klar gewesen was passiert. Das Konzert ist einfach 20 jahre zu spät

  • marin am 19.06.2007 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    tja

    Das kommt davon, wenn man die Preise ins unermessliche ansteigen lässt. Keine Frage das so wenig Zuschauer kamen.

  • Freundlicher am 19.06.2007 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Schweiz

    Das Konzert in Italien wurde ja schon aufgrund der Proteste über die horrenden Preise abgesagt. Und die Story mit der "besten Bratwurst" soll uns medienwirksam suggerieren, dass Babsi eine ganz gewöhnliche, bescheidene Frau sei. Dabei war's wohl eine in der Kronenhalle für 70 Franken.

Die neusten Leser-Kommentare

  • winter stephan am 20.06.2007 18:37 Report Diesen Beitrag melden

    nicht reif...

    ....sind wohl die von der britischen upperclass die noch nie gearbeitet haben und fuer solche schwachsinn zuviel geld uebrig haben. Dass hat mit der Schweiz nichts zutun, die Schweizer haben wohl erher eingesundes verhaeltniss zu preis und leistung. Und wissen wohl her das geld kommt!

  • Paul Waldburger am 20.06.2007 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Barbara Streisand-Konzert

    Solche Eintrittspreise sind für Normalverdiener schlichtweg unerschwinglich. Kein Thema - nicht einmal wenn man Fan ist wie etwa meine Frau. Und die Moral von der Geschicht': nur Verlierer!

  • Andy Huegli am 20.06.2007 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    preise

    ich gehe schon seit 20jahren regelmaessig an konzerte und finde es gut wenn nicht jeder preis bezahlt wird. Prince wird deshalb diese jahr guenstiger !

  • Muuuhmaen am 20.06.2007 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte?

    Was soll den der Vergleich von Barbra Streisand mit Madonna? Ich denke diese beiden spielen kaum in der gleichen Klasse, schliesslich ist Madonna seit über 30 Jahren lückenlos in den Medien.

  • Tom L. am 20.06.2007 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    tja...

    ...ich bin seit jahren ein grosser barbra streisand fan. hatte mich total gefreut als ich erfahren habe das sie endlich in die schweiz kommt... dann hab ich die ticket-preise gesehen und war echt schockiert. was soll das? kein künstler ist das wert. auch barbra streisand nicht.